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Berufsbilder Zu Besuch bei den Forstwirten im Sachsenforst
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15:26 20.04.2018
Dem Ausbildungsberuf Fortwirt auf der Spur: Lisa-Marie füllt die Motorsäge auf. Quelle: Wolfgang Sens
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Wer den Wald liebt, keine Angst vor der Natur, Tieren und Pflanzen hat und ein bisschen handwerkliches Geschick mitbringt, ist wie geschaffen für diesen Beruf. Fünf Auszubildende im Staatsbetrieb Sachsenforst, Forstbezirk Taura erlernen gerade den Beruf des Forstwirts. Sie gaben uns einen Einblick in ihre Arbeit.
„Achtung!!“, ruft Philipp Henzschel. Motorengeräusche sind zu hören. Nach einer Weile noch ein „Achtung!“ – und kurze Zeit später „Baum fällt!“ Eine kleine Erschütterung ist zu spüren, Äste knarzen und brechen. Eine gemeine Kiefer wurde von angehenden Forstwirten in Teamarbeit gefällt, um einer Eiche Platz zum Wachsen und Gedeihen zu geben. Unfair? Nein, das nennt man Bestandspflege. Lisa-Marie Gräser, drittes Ausbildungsjahr beim Sachsenforst, war die erste, die „Hier“ rief, als Lehrausbilder Philipp Henzschel in die Runde fragte, wer denn den Baum fällen mag. „Eigentlich wollen es immer alle. Es ist ja auch das, wofür unser Beruf steht“, sagt er mit einem Lächeln. Jeden Tag werden bis zu 15 Bäume gefällt. Der Revierförster markiert kranke Bäume oder die, die andere bedrängen. Dann heißt es Sägen, Äxte und Keile schnappen und auf zur Holzernte.

Melissa und Hannes sind dabei, einen Zaun aufzustellen.

Immer in Zweierteams machen sich die Auszubildenden an die Arbeit. Der eine sägt mit der Motorsäge den Baum am unteren Stamm an, der andere schlägt Forstkeile hinein, damit der Baum später nicht in die falsche Richtung kippt. Hier sind Technik und Kraft zugleich gefragt. Mit Schwung schlägt Tom Rauchfuß immer wieder auf den Keil ein, bis er fest sitzt. Wieder beginnt Lisa-Marie mit dem Sägen, tiefer ins Innere des Stammes. Dann kommt der Hydraulikkeil zum Einsatz. Hier wird voller Körpereinsatz verlangt. Tom Rauchfuß hebelt und hebelt und hebelt ihn in den Stamm. Dadurch wird der angesägte Baum vom Stumpf sukzessive angehoben und zum Fallen gebracht. Zusammen erreichen beide ihr Ziel: die punktgenaue Fällung und Landung des Baumes.

Lisa-Marie füllt die Motorsäge auf.

An ihren ersten selbst gefällten Baum kann sich Lisa-Marie nicht mehr erinnern. „Es war ein Adrenalinkick, ein Hochgefühl.“ Sie wusste früh, dass sie einen praktischen Beruf erlernen wollte. „Ich wollte nicht nur in einer Werkstatt stehen. Ich wollte raus in die Natur. Dieser Beruf bietet so viel Abwechslung, ich kann mir gar nichts anderes mehr vorstellen“, sagt die 18-Jährige. Ihr „Baumfäll-Partner“ Tom absolvierte in der neunten Klasse ein Praktikum in der Walderlebnisscheune in Taura und war sich sicher, der Wald wird später meine Arbeitsstätte.
Ein Jahr später schnupperte er noch für zwei Wochen beim Sachsenforst rein, um sich ganz sicher zu sein. „Das war echt toll, ich habe den Staatsbetrieb kennengelernt, die Mitarbeiter und Arbeitsabläufe. Es war die richtige Entscheidung“, meint der 18-Jährige. Er erinnert sich, dass die ersten Außeneinsätze hart waren. „Es ist eine körperlich anstrengende Arbeit. Am Anfang ist es wie beim Sporttreiben. Zuerst bekommst du noch Muskelkater, dann hat sich dein Körper drauf eingestellt und du magst nichts anderes mehr machen, hast nur noch Spaß.“

Fakten

Ausbildungsdauer: Drei Jahre

Vergütung im Bundesdurchschnitt:
1. Jahr: 520 bis 630 Euro
2. Jahr: 570 bis 675 Euro
3. Jahr: 615 bis 730 Euro

Deine Lieblingsfächer: Mathematik, Biologie, Werken/Technik

Deine Perspektiven: Forstwirtschaftsmeister; Natur- und Landschaftspfleger, Studium (z.B. Forstwissenschaft, -wirtschaft)

Quelle: www.berufenet.arbeitsagentur.de

Währenddessen sind Melissa Hinze und Hannes Naumann dabei, einen Zaun aufzubauen. Er soll die jungen Bäume vor dem Wild schützen, das die Knospen und Rinde anknabbert. Das Wildzaun-Knotengeflecht auf einer Rolle müssen die beiden erst mal auseinanderwickeln. Gar nicht so einfach. „Ja, auch Zaunbau gehört zu unseren Tätigkeiten“, erklärt Philipp Henzschel. Seit 2014 arbeitet er für den Sachsenforst im Forstbezirk Taura. 2015 hat er seinen Lehrmeister absolviert und kümmert sich seither um die Ausbildung der jungen Leute. „Das hält jung und macht unheimlich Spaß“, so der 31-Jährige. Aktuell absolvieren 15 junge Menschen ihre Ausbildung im Forstbezirk Taura. „Und die beruflichen Chancen stehen gut“, meint Henzschel. „Bei uns arbeiten viele ältere Leute, die bald in Rente gehen. Da wird Nachwuchs dringend gebraucht.“

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