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Studium Medizinstudium-Reform: Wie bringt man Hausärzte aufs Land?
Mehr Studium & Beruf Studium Medizinstudium-Reform: Wie bringt man Hausärzte aufs Land?
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12:28 22.02.2018
Mit finanziellen Anreizen und einer Reform dses Medizin-Studiums sollen mehr Ärzte in ländliche Gebiete gelockt werden. Quelle: Bernd Weißbrod
Berlin

Deutschland treibt auf einen Ärztemangel auf dem Land zu. Bund und Länder wollen nun, wie im Koalitionsvertrag von Schwarz-Rot festgelegt, einen "Masterplan Medizinstudium 2020" erarbeiten, um gegen den Hausärztemangel anzugehen. Wenn dieser so kommt, wie diskutiert, wird es noch viel Streit geben.

Warum muss der Staat reagieren?

Inzwischen findet nur noch jeder zweite Hausarzt einen Nachfolger für seine Praxis. Auf dem Land gibt es mehr und mehr Orte, in denen der Hausarzt den Schlüssel umdreht und die Praxis schließt - für immer. Patienten müssen dann in den nächsten Ort fahren oder auch in den übernächsten. Das Problem fehlender Hausärzte schwappt schon auf ärmere Bezirke in Großstädten über. 

Was heißt das für die Infrastruktur?

Bürgermeister und Landräte schlagen Alarm. Mittelständische Unternehmen in ländlichen Regionen finden keine Facharbeiter mehr, wenn es für ihre Familien keine Kinder- und Hausärzte gibt. "Wir stehen vor einem Infrastrukturproblem, das gravierend ist", sagt der Frankfurter Allgemeinmediziner Ferdinand Gerlach der dpa. "Wir müssten mindestens doppelt so viele Fachärzte für Allgemeinmedizin weiterbilden, wie wir dies derzeit tun." Inzwischen sind diese Probleme auch in westdeutschen Flächenländern wie Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen deutlich sichtbar.

Wie kann der Staat reagieren?

Der Staat schafft unter anderem finanzielle Anreize, um junge Ärzte aufs Land zu locken. Das sieht das 2015 verabschiedete

Versorgungsstärkungsgesetz vor. Zudem soll das Medizinstudium praxisnäher und so reformiert werden, dass mehr Studierende eine Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin anstreben.

Wo liegen die Probleme für die Allgemeinmedizin im Studium?

An Unikliniken erleben Studierende überwiegend hoch spezialisierte Ärzte als Vorbilder. Zudem hat der Beruf des Hausarztes (Husten, Schnupfen, Heiserkeit) unter Universitätsmedizinern ein Imageproblem. Dass die Allgemeinmedizin den ganzen Menschen im Blick haben muss und nicht nur einen Teil, wird übersehen.

Was soll geändert werden?

Die Versorgungsprobleme mit Hausärzten sollen nach Vorstellungen von Gerlach, der auch Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen ist, vor allem auf vier Wegen verbessert werden.

1. Bisher ist die Abiturnote ausschlaggebend für die Zulassung zum Studium, der Numerus Clausus liegt vielfach bei 1,0. Über die Befähigung zu einem sozialkompetenten Arzt und die Absicht, später in die Grundversorgung zu gehen, sagt die Note wenig aus. Die Zulassungskriterien zum Studium sollen also erweitert werden. 

2. Insgesamt soll das Studium praxisorientierter werden. Die Ausbildung von Ärzten findet überwiegend in hoch spezialisierten Unikliniken statt. Banale Erkrankungen wie eine Mittelohrentzündung sehen Studenten dort nicht, ebenso wenig eine Langzeitversorgung von chronisch Kranken.

3. Die Regelstudienzeit für Medizin beträgt sechs Jahre. Im 11. und 12. Semester kommt das Praktische Jahr. Dies ist aktuell dreigeteilt in zwei Pflichtfächer - Chirurgie und Inneres - und ein Wahlfach. Gerlach schlägt eine Vierteilung vor mit Allgemeinmedizin als weiterem Pflicht- und Prüfungsfach.

4. Auch in der anschließenden Weiterbildung zum Facharzt soll die Situation für die Allgemeinmedizin verbessert werden. An Universitäten angeschlossene "Kompetenzzentren" sollen bundesweit gefördert werden.

Welche Bedenken gibt es gegen diese Vorschläge?

Wenn man Allgemeinmedizin stärkt, nimmt man anderen Fachdisziplinen etwas weg - Institute mit Lehrstühlen, Mitarbeiter, Sach- und Forschungsmittel. Der Vorsitzende des angestellte Ärzte vertretenden Marburger Bundes, Rudolf Henke, will unbedingt an der Dreiteilung des Praktischen Jahres festhalten. Das Medizinstudium in Deutschland sei gut. Aber mehr Studienplätze seien notwendig.

dpa

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