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Leipziger Messe "Jagd & Angeln" auf dem Agra-Gelände gestartet

Feierliche Eröffnung Leipziger Messe "Jagd & Angeln" auf dem Agra-Gelände gestartet

Jäger und Angler sind sich der kritischen Blicke auf ihr Tun bewusst. Das betonten deren Vertreter auf der am Freitag eröffneten Messe Jagd & Angeln und gelobten hohes Verantwortungsbewusstsein bei der Hege und Pflege in der Natur. Scharfe Kritik an den „tödlichen Hobbys“ kam von Tierschützern.

Erstmals wurde mit Sandra Oppelt (25) aus Tharandt eine Sächsische Jagdkönigin gekürt.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig..  Die Jagdsaison ist eröffnet. Einige Besucher haben es so eilig, auf die diesjährige Jagdmesse zu kommen, dass es schon auf dem Parkplatz im Leipziger Süden zu morgendlichen Karambolagen kommt. Drinnen in den Agra-Hallen dominieren lange Angelrouten, blinkende Köder, scharfe Messer und Gewehre mit todsicherer Optik die Ausstellung. Es riecht nach geräuchertem Fisch, Ziegenkäse und Wildschweingulasch.

Staatsminister spricht zur Eröffnung

„Die ‚Jagd und Angeln‘ ist die erfolgreichste Messe ihrer Art in den neuen Bundesländern und darüber hinaus ein bedeutender Wirtschaftsfaktor im Leipziger Raum“, sagt der Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) zur Eröffnung am Freitag. „Vor allem aber bietet die Messe eine gute Gelegenheit, ein breites Publikum ideologiefrei über Jagen und Angeln, Forstwirtschaft und Naturschutz, sowie das Schützen- und Hundewesen zu informieren.“ Vorurteile könnten so ausgeräumt werden. „70 000 Angler und mehr als 10 000 Jäger übernehmen in Sachsen Verantwortung für die Hege von Fisch und Wild, engagieren sich im Naturschutz genauso wie der Umweltbildung und investieren dabei neben viel Zeit auch Geld in den Erhalt und die Verbesserung der sächsischen Fauna und Flora“, so Schmidt weiter. Auch der Nachwuchs müsse dafür begeistert werden. Und der geht gleich in die Vollen: Kinder schießen mit Pfeil und Bogen auf bewegliche Ziele. Und Colditzer Lehrlinge des Staatsbetriebes Sachsenforst führen auf dem Freigelände effektive Pflanztechniken für Laubbäume vor, mit so klangvollen Hilfsmitteln wie dem finnischen Pflanzrohr „Puttipuki“ oder dem „Göttinger Fahrradlenker“. Bis zu 80 Jungbäume lassen sich damit stündlich in den Waldboden bringen. „Wir investieren jedes Jahr 15 Millionen Euro, damit Sachsens Wald der Zukunft gewachsen ist“, sagt der Chef des Staatsbetriebes Hubert Braun. Kommende Generationen würden mehr Laubbäume und Mischwälder vorfinden. „Der Anblick absterbender Waldgebiete wie zu DDR-Zeiten im Erzgebirge soll ihnen erspart bleiben.

Mehr als 200 Aussteller aus den Bereichen Jagd, Angeln, Forst- und Landwirtschaft, Naturschutz sowie Tourismus präsentieren sich bei der diesjährigen "Jagd und Angeln" auf dem Agra-Gelände 2017. Erföffnet hat die Messe der Sächsische Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft Thomas Schmidt. Fotos: André Kempner

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Petrijünger begeistern sich auf der Messe für die unglaubliche Vielfalt von Angeln, Haken und Ködern. „Wir werden so ziemlich für alles kritisiert, was am oder im Wasser schiefläuft“, beklagt Friedrich Richter, Präsident des Verbandes Säschischer Angler: „Sobald am Ufer jemand stört, ein Tier leidet, ein Boot zu viel auf dem See oder das Wasser nicht klar genug ist, sind immer wir Angler schuld.“ Darauf gibt ein T-Shirt am Messestand nebenan gleich die passende Antwort: „Leck mich am B ARSCH!“

Kimme, Korn und Zielfernrohr sind bei den Schützen das Maß aller Dinge. Interessenten können sich bei Bedarf sogar mit Welt- und Europameistern messen. Am Stand des Sächsischen Schützenbundes wirbt Geschäftsführer Ralph Martin für seinen Sport: „Das Schützenwesen ist die älteste organisierte Sportart der Welt. Und hier auf der Messe kommen viele zum ersten Mal damit in Berührung.“ Verbandspräsident Frank Kupfer, der im Landtag auch der CDU-Fraktion vorsteht, ist stolz auf den Zuwachs von rund 1000 Sportschützen pro Jahr. „Mit 16 000 Mitgliedern haben wir mehr Leute unter Waffen als der Innenminister“, zog Kupfer einen nicht ganz ernst gemeinten Vergleich.

Bei den Waidmännern steht in diesem Jahr die Wildschweinjagd im Mittelpunkt. „Zur Vorbeugung gegen die hoch ansteckende Afrikanische Schweinepest, die sich in Europa ausbreitet, müssen wir den Jagddruck aufs Schwarzwild deutlich erhöhen und die Bestände vorbeugend reduzieren“, sagte Minister Schmidt. Das Ausbreitungsrisiko der für Wild- und Nutztiere tödlichen Pest sei besonders hoch entlang der Transitstrecken wie Autobahnen.

Peta äußert Kritik

Die Tierrechtsorganisation Peta kritisiert die Messe und fordert ein sofortiges Verbot der Hobbyjagd und des Sportangelns in Deutschland. „Es ist geschmacklos, das Töten von Tieren als eine Art unterhaltsamen ‚Freizeitsport‘ anzupreisen“, betont Peta-Vertreter Peter Höffken. „Unter dem Deckmantel der ‚Naturverbundenheit‘ verursacht das Jagen unermessliches Leid.“

Dieser Sicht widerspricht Landesjagdverbandschef Frank Conrad energisch: „Der Jäger geht nicht nur zum Schießen raus. Er leistet aktiven Naturschutz.“ Dazu zähle die Niederwildaufzucht oder die Wegepflege ebenso wie die Entnahme kranker Tiere. „Über 11 400 Jäger allein in Sachsen übernehmen Verantwortung für nachhaltig ökologisches Handeln.“ Dazu gehöre auch die Vermeidung unnötiger Qualen für die Tiere.

Die Veranstalter und 250 Aussteller erwarten bis Sonntagabend 30 000 Messebesucher im Leipziger Süden.

Das heutige Messeprogramm hält in der Angelhalle diverse Vorträge und Demos zum Angeln auf Wels, Barsch und Zander bereit. Im Jagdforum drehen sich die Vortragsthemen um die Schwarzwild-Jagd, und auf dem Freigelände werden verschiedene Jagdhunderassen vorgestellt. Außerdem werden am ganzen Wochenende jede Menge Ausrüstung, Mitmachaktionen, Unterhaltung und Nahrhaftes von einheimischen Erzeugern geboten.

Infos: Messe Jagd & Angeln 2017 agra Veranstaltungsgelände, Bornaische Straße 210, 04279 Leipzig, geöffnet am heutigen Sonnabend und morgigen Sonntag von 9 bis 18 Uhr.

www.jagd-und-angeln.de

facebook.com/JagdundAngeln

Von Winfried Mahr

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