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10.000 PS für die Lebensrettung - Feuerwehr trainiert in einzigartigem Zentrum in Schkeuditz

10.000 PS für die Lebensrettung - Feuerwehr trainiert in einzigartigem Zentrum in Schkeuditz

Leipzig. Drei Minuten – so lange bleibt den Einsatzkräften der Flughafenfeuerwehr durchschnittlich, um verletzte Passagiere aus einem brennenden Flugzeug zu befreien.

Danach schmilzt das Aluminium. Die Hitze im Inneren steigt und lässt den Reisenden kaum eine Überlebenschance.

Um diese Zeitspanne um fünf, zehn oder vielleicht sogar 15 Minuten zu verlängern, müsste der Rumpf des Flugzeugs kühl gehalten werden. Vielleicht durch eine künstliche Regenwolke? Thomas Huber hat genau das vor.

Huber ist Geschäftsführer und Inhaber eines mittelständischen Unternehmens aus Riegel in der Nähe von Freiburg. Sein Fachgebiet: Fahrzeuge für Spezialeinsätze. Unter anderem entwickelte seine Firma den sogenannten Turbo-Löscher – einen Lastwagen, der im Heck mit zwei Turbinen ausgestattet ist. Dank deren imposanter Leistung von jeweils 5000 PS wird das Wasser derart fein zerstäubt, dass eine Art künstliche Wolke erzeugt wird. „Die Tropfen haben dabei gerade einmal Haaresbreite“, erklärt Huber. „Stellen Sie sich ein Gewitter mit Starkregen vor. Unser Regen ist zehnmal so heftig.“

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Leipzig. Drei Minuten – so lange bleibt den Einsatzkräften der Flughafenfeuerwehr durchschnittlich, um verletzte Passagiere aus einem brennenden Flugzeug zu befreien. Danach schmilzt das Aluminium. Dieses Hochszenario trainieren Retter immer wieder. Auf dem Airport Leipzig-Hallefinden sie dafür ideale Bedingungen. Das 2010 eröffnete Feuerwehrausbildungszentrum ist einzigartig in Deutschland.

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Dieses multifunktionale Katastrophenfahrzeug wird bisher vor allem in der Chemie-und Kernkraft-Industrie eingesetzt. So können etwa schädliche Gase durch den Wassernebel gebunden werden. Ob diese Technik auch bei einem Flugzeugbrand nützlich sein kann, testete Huber jetzt in Schkeuditz.

„Ich habe lange nach einem geeigneten Flughafen gesucht“, sagt Huber. Auf dem Airport Leipzig-Halle habe er schließlich ideale Bedingungen vorgefunden. Das 2010 eröffnete Feuerwehrausbildungszentrum ist einzigartig in Deutschland. Es kostete etwa drei Millionen Euro und wird auch von internationalen Feuerwehren genutzt. „Zuletzt waren Gäste aus Osteuropa und Katar bei uns“, berichtet Flughafensprecher Uwe Schuhart.

Kernstück der Anlage bildet das Modell einer Boeing 747. Mit der 35 Meter langen Attrappe aus Metall können laut Schuhart alle Flugzeugtypen simuliert werden – egal ob groß oder klein, Passagier- oder Frachtflugzeug. Innen ist der rostige Riese auf zwei Etagen mit Cockpit, Sitzreihen und Toiletten ausgestattet. Auf Knopfdruck fängt die Boeing an 20 verschiedenen Stellen Feuer. „Statt Kerosin nutzen wir jedoch Erdgas – das ist umweltverträglicher“, sagt Schuhart.

Für den Testlauf mit Hubers Turbo-Löscher wird ein klassisches Horrorszenario simuliert: Die Boeing ist abgestürzt, die linke Tragfläche abgerissen. Kerosin läuft aus und fängt Feuer. Die Folge: ein 100 Quadratmeter großer Flächenbrand, der enorme Hitze entwickelt.

Während sich die Betriebsfeuerwehr des Flughafens mit einem ihrer Löschfahrzeuge um die Flammen kümmert, schießen die Jet-Triebwerke das Wasser bis zu 200 Meter weit in Richtung Flugzeugmodell – und machen dabei einen ohrenbetäubenden Lärm. In wenigen Minuten verbraucht das Spezialfahrzeug 15.000 Liter Wasser. Durch die Herbstsonne bildet sich im Sprühnebel ein Regenbogen. Am Ende ist der Brand gelöscht und vom Rumpf der Boeing ist kein Millimeter trocken geblieben. Huber und Flughafenfeuerwehrchef Florian Funke schauen zufrieden.

Die Turbinen haben ihre Wirkung nicht verfehlt. „Bei einer Havarie bildet das Wasser einen Schutzfilm um den Rumpf und hält diesen auf einer Temperatur von zehn bis 20 Grad“, erklärt der Unternehmer aus dem Breisgau. Da laut Statistiken nach einem Flugzeugabsturz 60 Prozent der Passiere verletzt sind und sich nicht selbst befreien können, würde die Feuerwehr durch dieses Verfahren Zeit gewinnen und zahlreiche Menschenleben zusätzlich retten können.

Bis es so weit ist und die Flughäfen über eine Anschaffung nachdenken können, sind jedoch weitere Testläufe nötig. „Zusammen mit dem Flughafen werden wir besprechen, welche Anforderungen das Fahrzeug erfüllen muss und wie wir diesen gerecht werden können“, sagt Huber. So sollten die Turbinen für einen Einsatz auf dem Flugfeld 360 Grad statt 90 Grad drehbar sein. Auch müsse geprüft werden, wie effektiv die Turbinen mit Schaum arbeiten – dem bevorzugten Löschmittel der Feuerwehren.

Für das in Schkeuditz getestete Fahrzeug war es allerdings der letzte Test. Es gehört inzwischen der Feuerwehr eines Industrieparks in Österreich.

Robert Berlin

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