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152 Kreuzungen mit 272 Grünen Pfeilen: Dresden stockt gegen den Trend auf

152 Kreuzungen mit 272 Grünen Pfeilen: Dresden stockt gegen den Trend auf

Obgleich auch mancher Grüner Pfeil an Dresdens Kreuzung demontiert und einige Großstädte wie Hamburg oder München mittlerweile von dem aus der DDR übernommenen Blechschild wieder abgehen: Die sächsische Landeshauptstadt hält an dem - freilich nicht unumstrittenen - Verkehrsverflüssiger fest.

Dresden. Waren vor fünf Jahren 145 Verkehrsknoten mit insgesamt 260 Grünen Pfeilen bestückt, sind es heute 152 Kreuzungen mit 272 Pfeilen. Das entspricht einem Plus von 4,6 Prozent.

Zum Vergleich: In Leipzig gibt es derzeit 208 Grünpfeile an 116 Kreuzungen, einer weniger als im Vorjahr.

Warum montiert Dresden mehr Pfeile?

"Wir halten an der alten Schommer-Regel fest", sagte Reinhard Koettnitz, der Leiter des Straßen- und Tiefbauamtes, mit Blick auf den früheren Wirtschaftsminister und Fan der Grünen Pfeile Kajo Schommer (CDU). Diese "Schommer-Regel" kehrte die Beweislast zu Gunsten des DDR-Relikts um: Die Behörden müssen demnach bei neuen oder umgebauten Kreuzungen begründen, warum sie keinen Grünpfeil planen und nicht, warum sie einen installieren wollen. "In Dresden funktioniert dieses Verkehrszeichen gut und trägt zur Verflüssigung des Verkehrs bei", erklärte Koettnitz.

Warum führten DDR und USA diese Reglung ein?

Als der "Grünpfeil" - so die offizielle Bezeichnung des Blechschilds in Abgrenzung zu den leuchtenden "Grünen Pfeilen" - 1994 Einzug in die bundesdeutsche Straßenverkehrsordnung (StVO) fand, montierten zunächst auch viele Weststädte solche Rechtsabbiege-Hilfen an Ampeln. Die Argumente dafür waren ähnliche, wie sie die DDR 1978 und die USA in den 80er Jahren zu ähnlichen Regelungen bewogen: Wenn Autos an gut übersehbaren Kreuzungen auch bei roter Ampel abbiegen können, vermeidet das unnötige Staus und spart Sprit, da Standgas sowie häufige Brems- und Anfahrmanöver den Benzinverbrauch (und übrigens auch die Feinstaubbelastung) unterm Strich steigern.

Was spricht gegen den Grünpfeil?

Die Gegner der Grünpfeile verweisen hingegen auf eine größere Unfallgefahr - vor allem für Fußgänger, die sich auf ihr grünes Ampelsignal verlassen und für Linksabbieger aus der Gegenrichtung mit separatem Ampelsignal. Auch Blindenverbände sind gegen die Blechschilder, da Sehbehinderte durch Rechtsabbieger überrascht werden könnten.

Solide Unfallzahlen von Grünpfeil-Kreuzungen liegen anscheinend nicht vor, auch in Dresden führt die Polizei darüber keine gesonderte Statistik. Aus der Praxis heraus habe man aber nicht den Eindruck, dass der Grüne Pfeil zu mehr Unfällen führt, schätzte ein Sprecher der Polizeidirektion Dresden ein. Auch in der einstigen Grünpfeil-Hauptstadt Hamburg waren die Schilder "nur in ganz wenigen Fällen" unfallauslösend, so Joachim Cybulla von der hanseatischen Straßenverkehrsbehörde.

Wie funktionierte der Grüne Pfeil im Westen?

Dabei konnten speziell in den Alten Bundesländern viele Kraftfahrer mit den Zeichen aus dem Osten nichts anfangen, blieben entweder stehen oder rasten an Grünpfeilecken einfach durch - obwohl die StVO einen kurzen Halt vorschreibt. Hamburgs umstrittener ehemaliger Innensenator Ronald Schill zum Beispiel forcierte - übrigens nach Dresdner Vorbild - 2001 bis 2003 die Montage von Grünpfeilen in der Hansestadt, zeitweise hingen hier über 360 dieser Pfeile - inzwischen sind es nur noch reichlich 202. "Wir haben viele wieder abgebaut", bestätigte Frank Pohlmeyer von der Hamburger Innenbehörde. "Viele Fahrer taten sich schwer mit den Pfeilen. Außerdem haben wir an vielen Kreuzungen inzwischen elektronische Verkehrsleitsysteme eingebaut, durch die die Pfeile überflüssig wurden."

Wo werden Pfeile an- oder abmontiert?

Auch in Dresden wurden in den vergangen Jahren stellenweise Grüne Pfeile wieder abgebaut. An der Einmündung der Fetscherstraße in die Stübelallee beispielsweise - weil dort die Verkehrsführung einer Buslinie verlegt wurde und zu Problemen geführt hätte, so Koettnitz. Und an der Warthaer Straße fiel ein Grünpfeil weg, weil das Amt um querende Fußgänger besorgt war - der Knotenpunkt galt als zu unübersichtlich. "Andererseits haben wir auch viele neue Grünpfeile gesetzt, zum Beispiel an der Einfahrt zur Landesdirektion an der Stauffenbergallee oder an der Wilschdorfer Landstraße", so der Amtsleiter.

Heiko Weckbrodt

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