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40 Jahre „Nischel“ in Chemnitz - Sockel des Karl-Marx-Monuments muss saniert werden

40 Jahre „Nischel“ in Chemnitz - Sockel des Karl-Marx-Monuments muss saniert werden

Bei der Errichtung des Denkmals vor 40 Jahren musste es ziemlich schnell gehen. Sowjetische Monteure und Arbeiter aus dem Bezirk Karl-Marx-Stadt fügten unter gewaltigem Zeitdruck die zuvor in Leningrad (heute St.

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Das riesige Marx-Monument in der Chemnitzer Innenstadt.

Quelle: dpa

Chemnitz. Petersburg) gegossenen bronzenen Einzelteile zusammen. „Jetzt waren, rund um die Uhr, die Schicht zu zwölf Stunden, 350 Meter Schweißnaht zu schaffen“, zitiert die Karl-Marx-Städter „Freie Presse“ in ihrer Ausgabe vom 7. Oktober 1971 den Arbeiter Heinz Oertel. „Wir hatten verflucht harte Termine. Es regnete oft, Schweißen und Regen, das ist wie Feuer und Wasser“, führte der gelernte Kupferschmied aus dem VEB Germania Karl-Marx-Stadt fort. „Ich kann mich nicht erinnern, daß einer von uns jemals auf die Uhr gesehen hätte.“

Oertel und seine Kollegen schafften den Termin. Am 9. Oktober, einem Samstag, zwei Tage nach dem 22. Republikgeburtstag und damit durchaus noch Bestandteil der Jubiläumsfeierlichkeiten, kam es um 14.00 Uhr zur „Großkundgebung zur Enthüllung des Karl-Marx-Monumentes“. Gut 250 000 Teilnehmer vermeldete die „Freie Presse“ am Montag darauf stolz und wusste auch noch von einem sich anschließenden „eindrucksvollen Fest der sozialistischen Lebensfreude im Stadtzentrum“ zu berichten. Auf Bildern im Stadtarchiv ist neben dem damaligen Ersten Sekretär des SED-Zentralkomitees Erich Honecker auch Stasi-Chef Erich Mielke mit dunkel getönter Brille zu sehen, dazu der Urenkel von Karl Marx, Robert Jean Longuet.

Die Zeiten von Massenaufläufen am Monument und dem gemeinsamen Schmettern der „Internationale“ sind freilich lange vorbei. Inzwischen hat die nach Angaben der Stadtverwaltung größte Porträtbüste der Welt sogar mehr Zeit im realexistierenden Kapitalismus verbracht als in der DDR. Die Einheimischen fanden für den Kopf bald den liebevollen Beinamen „Nischel“ - nach der Wende warb Chemnitz mit dem kessen Slogan „Stadt mit Köpfchen“.

Tatsächlich entschieden sich die Einwohner sogar noch vor dem offiziellen Ende der DDR im Frühjahr 1990 für eine Rückbenennung ihrer Stadt in Chemnitz - nachdem die Arbeitermetropole auf Geheiß der DDR-Führung 1953 in Karl-Marx-Stadt umgetauft worden war. Ein Abriss vom „Nischel“ aber, wie der Karl-Marx-Kopf von den Einheimischen schon seit Jahren liebevoll-spöttisch genannt wird, stand nie ernsthaft zur Debatte.

Diskussionen gab es zuletzt allenfalls um seine Nutzung. Sollten Skater am Areal rollen dürfen? Ist die Verhüllung des beliebtesten Fotomotivs von Chemnitz mit Planen als Kunstprojekt - wie 2008 geschehen - tatsächlich sinnvoll? Und sollte einer schwedischen Möbelhauskette wirklich Werbung mit dem Monument gestattet werden? Ikea durfte schließlich 2009 für vier Wochen ein überdimensionales Buch vor dem Denkmal aufstellen - so dass es aussah, als ob Karl Marx (1818-1883) liest. Als Gegenleistung zahlte das Unternehmen damals 25 000 Euro als zweckgebundene Summe für eine Sanierung des Denkmals.

Zwei Jahre später wird die Kapitalspritze fällig: Noch im Oktober soll die Sanierung am bröckelnden Betonsockel beginnen und möglichst vor Jahresende abgeschlossen sein. Es habe Versäumnisse schon bei der Errichtung des Denkmals gegeben, begründet Tiefbauamtschef Bernd Gregorzyk die Baumaßnahmen. „Unzureichende Dichtung, keine Entwässerung, kein Ringanker“, zählt der Fachmann auf. Für ihn sind die Fehler nicht erklärbar. „Das gehörte schon damals zu den Grundlagen jeder Bautechnologie.“ Ob Arbeiter Oertel und seine Kollegen im Spätsommer 1971 also doch zu schnell zu viel machen mussten? Der Kopf jedenfalls sei in Ordnung, sagt Gregorzyk. „Und standsicher ist er auch.“

Der Schöpfer des Monuments, Lew Jefimowitsch Kerbel, ist 2003 gestorben. Auf Einwände wie vom damaligen Stadtbaudirektor Karl-Marx-Stadts, Karl Joachim Beuchel, dass der riesige Kopf aus Bronze auf einem graniten Sockel gestellt womöglich selbst die besten Kommunisten erschrecke, hatte Bildhauer Kerbel 1968 entgegnet: „Karl Marx braucht keine Beine, keine Hände, sein Kopf sagt alles.“ Außerdem gebe es ein Sprichwort: „Wenn du die Wölfe fürchtest, gehe nicht in den Wald.“ 

Tino Moritz, dpa

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