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400 Rettungskräfte üben für verschiedene Katastrophen

Munitionsbunker in Flammen 400 Rettungskräfte üben für verschiedene Katastrophen

Das Bundeswehr-Munitionslager Mockrehna war am Sonnabend Kulisse eines ganz besonderen Horrorszenario. Gleich für mehrere verschiedene Katastrophen wurde vom Landkreis Nordsachsen an diesem Tag auf dem 113 Hektar großen Areal trainiert.

Feuerwehrfahrzeuge bei der Großübung in Nordsachsen.

Quelle: Steffen Brost

Mockrehna/Strelln. Unter der Leitung der verantwortlichen Landkreis-Dezernentin Angelika Stoye übten fast 400 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren (FFw), des Rettungsdienstes, des Technischen Hilfswerkes (THW), der Bundeswehr, des Krankenhauses Delitzsch mit der Klinik in Eilenburg und der Katastrophenschutzeinheiten des Landkreises. Insgesamt waren auch 106 Fahrzeuge im Einsatz.

Im Bundeswehr-Munitionsdepot bei Mockrehna trainierten Rettungskräfte den Ernstfall.

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„Es wurden heute hier verschiedene Szenarien durchgespielt, die so normalerweise gar nicht alle mit einmal auftreten können. Uns ist es wichtig dass das Zusammenspiel aller Rettungskräfte trainiert wird. Die Führungskräfte sollen sich kennenlernen und dabei spüren wir jeder so tickt, damit Rettungsaktionen bei künftigen Großschadensereignissen noch reibungsloser funktionieren. Erstmals haben wir heute auf verschiedenen Abschnitten auch den neuen Digitalfunk im Einsatz“, so Stoye weiter.

Mitten im Geschehen ist Kasernenkommandant Frank Eberwien, der als Gastgeber sein Objekt für die Übung zur Verfügung stellt. „Wir nutzen heute unser komplettes Gelände für die Vollübung. Das haben wir dem Landkreis gern zur Verfügung gestellt“ so der 52-Jährige.

Die ersten Alarmierungen erreichten am Sonnabendvormittag die Rettungsleitstelle. Im Munitionsdepot brannte ein Bunker. Mehrere Personen wurden zudem vermisst. Anhand der geltenden Alarm- und Ausrückeordnung für solche Objekte, lief eine großangelegte Rettungsaktion an. Allein für diesen Bereich ziehen die Verantwortlichen binnen kürzester Zeit 231 Einsatzkräfte mit 60 Fahrzeugen zusammen. Die ersten Einsatzkräfte rücken auf dem Areal an. Unter schwerem Atemschutz wird in dem qualmendem Munitionsbunker nach den Vermissten gesucht.

Hintergrund

Das Munitionsdepot Strelln (Mockrehna) diente im Zweiten Weltkrieg als Lager für Munition für den Luftkrieg. Nach dem Krieg wurde das Gelände getrennt, einen Teil nutzte die Nationale Volksarmee (NVA) als Munitionslager. Heute befindet sich dort ein Bundeswehrdepot. Den anderen Teil nutzten die Sowjets. Dieser Bereich ist heute geöffnet und zum Teil in Privatbesitz. Mit dem Bau der Muna wurde ab 1935 begonnen. Auf dem Gelände befanden sich mehrere Lagerbunker, Luftschutzbunker, eine geschützte Trafostation, Lagergebäude, ein Unterkunfts- und Wohnbereich. Auch gab es ein Anschlussgleis vom Bahnhof Mockrehna (Strecke Halle–Cottbus). Um 1970 wurde ein Anschlussgleis vom Bahnhof Doberschütz zum NVA-Lager errichtet. Während in der DDR aus dem mehrere Hektar großen, eingezäunten Gelände ein Geheimnis gemacht wurde, gewährte die Bundeswehr, die es 1990 übernommen hatte, der Bevölkerung Einblicke in das Munitionslager. In Mockrehna lagert in mehreren Bunkeranlagen Munition für Handwaffen und Artillerie. Das Depot versorgt mehrere Bundeswehrstandorte. Im Rahmen der Neuausrichtung von bundesweit 16 Munitionslagern und -depots soll der Standort in zwei Jahren geschlossen werden.

„Die Übungen finden natürlich in solchen Bunkern statt, wo sich keine Munition befindet“, stellte Eberwien gegenüber der Presse klar. Schnell haben die Kameraden die ersten Personen gefunden und übergeben sie den Sanitätern. Parallel zur Rettungsaktion wurde bereits eine Einsatzleitstelle nahe des Kasernentors zum Munitinsdepot eingerichtet. Mit bereitgestellten Krankenwagen kommen die Vermissten nach und nach zum Verletzten-Sammelplatz auf dem Gelände. Hier kümmern sich sofort Sanitäter und Ärzte des ASB-Sanitätszuges aus Taucha um die verletzten Personen.

Doch der Bunkerbrand war nur eines von mehreren Szenarien an diesen Tag. Die Einsatzkräfte konnten nur wenige Minuten verschnaufen, als plötzlich Hilfeschreie aus dem Außenbereich des Bunkers über den Platz hallten. Durch die starke Hitzeentwicklung im Bunker drohte auch noch eine Außenwand des Gebäudes einzustürzen. Ein Fall für die Frauen und Männer des THW. Die beide Ortsverbände aus Torgau und Eilenburg sicherten routiniert die betroffene Betonwand mit schweren Holzbalken. Anschließend machten sich die Rettungskräfte auf die Suche nach den hilfeschreienden Personen, die vom Eilenburger Jugendrotkreuz gespielt wurden.

„Wir sind auch außerhalb solcher Übungen immer gut auf Ernstfälle dieser Art vorbereitet. Dafür führen wir auf unseren Fahrzeugen immer eine große Auswahl an verschiedenen Holzbalken mit, um dann einsturzgefährdete Gebäude zu sichern, damit die Rettungskräfte ohne Gefahr nach vermissten Menschen suchen können“, erklärte Jörg Schabehorn vom THW Eilenburg. „Neben den beiden ersten Rettungsaktionen stehen heute auch der Aufbau einer Wasserversorgung über eine lange Wegstrecke, die Menschrettung aus einem Feuerwachturm auf dem Gelände, die Tiefen- und Höhenrettung sowie das Suchen von Vermissten mit Hunden und ein Entstehungsbrand im Wald auf dem Übungszettel“, nannte Frank Breitfeld, Amtsleiter des Ordnungsamtes im Landratsamtes, weitere Übungsbereiche.

Zusätzlich kommen an diesem Tag auch außerhalb des Munitionsdepots Rettungskräfte zum Einsatz. Im Eilenburger Krankenhaus werden die Aufnahme und Versorgung von Patienten nach einem Massenanfall von Verletzten, das Heranführen von Personal und die strukturellen Abläufe bei derartigen Ausnahmebedingungen in einem Krankenhaus über die Notaufnahme praktisch und in der Collm-Klinik Oschatz theoretisch geübt.

Parallel zum Großschadensereignis in Strelln wird bei der Firma Tyczka im Oschatzer Stadtteil Merkwitz die Brandsituation an einer Tankstelle und in Belgern ein Feuer in der Bibliothek mit Evakuierung einer Schülergruppe nachgestellt. Doch während hier an breiter Front trainiert wird, gibt es auch einen Ernstfall. In einer Torgauer Holzfirma bricht aus bislang ungeklärter Ursache ein Feuer aus. Der Einsatzleitwagen rückt ab und koordiniert in der Elbestadt die Löschaktion der Torgauer Feuerwehr.

„Der Brand war schnell unter Kontrolle“, verkündet Breitfeld kurze Zeit später. Nach fast drei Stunden kann Angelika Stoye in den Mittagsstunden eine erste Auswertung des Tages vornehmen. „Wir konnten heute überall einen hohen Ausbildungsstand feststellen. Mein Dank geht an die engagierten Ehrenamtler und die vielen Helfer, die heute hier zum Einsatz kamen“, lobt die Dezernentin.

In den nächsten Tagen sollen alle Übungsabläufe nocheinmal von den verschiedenen Bereichen detailliert ausgewertet werden. Die Ergebnisse sollen dann in die Handlungsabläufe bei künftigen Szenarien einfließen.

Steffen Brost

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