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69-Jährige hütet größte Eiersammlung Deutschlands

69-Jährige hütet größte Eiersammlung Deutschlands

Eier suchen und sammeln ist für Edith Breitkreutz eine Passion - nicht nur zu Ostern. Ob vom Huhn oder Strauß, mit winzigen Strohteilchen verziert, bemalt oder gefräst, aus Holz, Filz, Marmor oder nach der Art von Carl Fabergé - all das findet sich in ihrer Sammlung.

Gotha/Altenburg. Gut 8000 Eier aus mehr als 100 Ländern hat die 69-Jährige aus Gotha mit ihrem Mann in fast 40 Jahren zusammengetragen und damit die wohl größte private Eier-Sammlung Deutschlands geschaffen. „Mich fasziniert die Form des Eies: Es hat keinen Anfang und kein Ende“, schwärmt sie. Zudem erfordere das Verzieren der zerbrechlichen Gebilde großes Geschick. „Beim Versuch,  ein Ei zu bemalen, sind schon manche Künstler gescheitert.“

Sie zunächst auch. Angefangen hat alles vor vier Jahrzehnten in Rostock. „Ich sollte jedes Mal vor Ostern an den Pioniernachmittagen mit den Schülern etwas gestalten“, erzählt die pensionierte Lehrerin. Doch das reine Bemalen von Eiern wurde ihr zu langweilig. Daraufhin fuhr sie in die Lausitz, um sich bei den Sorben andere Techniken anzuschauen: Das Ritzen, Ätzen und Verzieren mit Wachs. „Zu Hause habe ich versucht, eine dieser Techniken nachzuarbeiten. Leider habe ich gleich mit der schwierigsten angefangen - der Wachsreservetechnik. Es hat nicht geklappt.“

Doch sie blieb hartnäckig, probierte auch andere Techniken aus. „Zunächst ist da nicht viel Brauchbares entstanden, aber ich habe die Freude am Ei entdeckt. Mein Mann tat sich anfangs noch schwer, hat sich dann aber auch anstecken lassen“, erzählt sie. Fortan wurden von jeder Urlaubsreise künstlerisch verzierte Eier mitgebracht. „Wir haben einen richtigen Eierblick entwickelt.“ Denn in vielen Ländern sind die Eier außerhalb der Osterzeit nur schwer aufzutreiben. Oft landeten sie - ganz gegen den Brauch - bei Familie Breitkreutz auch als Geschenk unter dem Weihnachtsbaum. „Nur so kann man sich mit wenig Geld eine Sammlung aufbauen.“

Das Ei wird in nahezu allen Kulturen verehrt. Und so finden sich in der Sammlung von Edith Breitkreutz kunstvolle Stücke aus arabischen Ländern, aus China, Indien, Japan und Australien. Mitunter spiegelt sich die Rolle des Eies als Fruchtbarkeitssymbol in erotischen Bemalungen wider. Das zeigen farbige Darstellungen des Kamasutra. Diese Eier sind Teil der Sonderschau „100 Länder - 1000 Eier“ im Schlossmuseum Altenburg (14. März bis 18. April), die Besucher anhand der Breitkreutzschen Sammlung zu einer kleinen Weltreise einlädt. Auch in der Knochenstampfe im sächsischen Zwönitz sind bis 11. April Exponate aus der Sammlung des Ehepaars zu sehen.

„Fast an jedem Ei hängt eine interessante Geschichte“, sagt die 69-Jährige und erzählt, wie sie in Norwegen auf Eiersuche ging oder in Indien ein Marmor-Ei mit eingelegten Halbedelsteinen in Auftrag gab. Doch nicht nur Eier, sondern auch alte Osterpostkarten, Eierbecher und Osterhäschen gehören zur Sammlung, die damit rund 14 000 Stücke umfasst. Mit den mehr als 8000 Eiern schlägt das Gothaer Sammlerpaar selbst das Ostereimuseum im schwäbischen Sonnenbühl-Erpfingen, das es nach eigenen Angaben auf etwa 7000 Eier bringt. „Unser Platz reicht vorn und hinten nicht mehr“, gesteht Edith Breitkreutz.

Dennoch: Ans Aufhören denkt die fünffache Großmutter nicht. „Wir waren gerade erst wieder auf einer Eierbörse und sind auch da nicht ohne Ei zurückgekommen.“ Auch eine Reise nach Syrien ist geplant. Inzwischen seien sie und ihr Mann aber zurückhaltender beim Eierkauf und es kämen nur noch „Superexemplare“ infrage. Gedanken machen sie sich um die Zukunft ihrer Sammlung. „Das Alter holt uns langsam ein“, gesteht die resolute Frau. „Unser großer Traum ist es, die Sammlung irgendwann komplett an ein Museum zu geben.“

Andreas Hummel, dpa

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