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A 72 wird 200 Millionen Euro teurer

Grünen-Kritik A 72 wird 200 Millionen Euro teurer

Der Bau der 72 von Chemnitz nach Leipzig verzögert sich nicht nur – er wird auch erheblich teurer. Das geht aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor.

Erdabtransport an der A 72 (Anschlussstelle Geithain) bei Rötha.
 

Quelle: Jens Paul Taubert

Leipzig .  Der Bau der Autobahn 72 zwischen Chemnitz und Leipzig wird mindestens 200 Millionen Euro teurer als geplant. Das geht aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor. Allein beim Abschnitt zwischen Rötha und dem Autobahndreieck Leipzig-Süd haben sich die Kosten von ursprünglich 112 auf 224,5 Millionen Euro mehr als verdoppelt.

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Baufortschritt der A72 in Bildern: Geplant war ursprünglich eine Fertigstellung der Autobahn zwischen Chemnitz und Leipzig zur Fußball-WM 2006. Erst Jahre später rückt sie nun doch Stück für Stück an Leipzig heran.

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„Das Grundproblem besteht darin, dass immer wieder mit politischen Preisen gearbeitet wird“, kritisiert der sächsische Grünen-Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn, der auch von einem „Fass ohne Boden“ spricht. „Die Projekte werden berechnet, ohne ausreichende Risikozuschläge einzuplanen. Sonst gäbe es dafür keine politische Unterstützung.“ Langfristig bringe das jedoch öffentliches Bauen in Misskredit.

Laut dem sächsischem Wirtschaftsministerium könnte die A 72 sogar noch teurer werden. „Die Baukosten stehen noch nicht abschließend fest“, teilte das Haus von Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) mit. Die Summe von 224,5 Millionen Euro entspreche dem aktuell ermittelten Bundesanteil und sei mit dem Bund abgestimmt. Doch erst, wenn die Vorbereitungen für die Ausschreibung von Erd- und Oberbau komplett sind, könne eine „verlässliche Kalkulation“ getroffen werden.

Im Vergleich zur vor zehn Jahren gebauten Südharzautobahn A 38 zwischen Göttingen und Autobahnkreuz Rippachtal, die auch auf ehemaligem verkippten Tagebau gebaut wurde, sei die A 72 bautechnisch wesentlich anspruchsvoller, weil sowohl unter laufendem Verkehr gebaut werden müsse als auch gleichzeitig die Flutung der umliegenden ehemaligen Tagebaue erfolge. Vor allem der Abschnitt zwischen Rötha und dem Autobahndreieck Leipzig-Süd sei eine Herausforderung. „Zu über 80 Prozent verläuft er auf Kippengelände des ehemaligen Tagebaues Espenhain“, so das Ministerium. Dazu komme, dass der Grundwasserpegel durch die umliegenden Tagebauflutungen deutlich schneller ansteige, als es in Gutachten prognostiziert wurde.

Das sieht auch der Chef der Regionalen Planungsstelle beim Regionalen Planungsverband Leipzig-Westsachsen, Andreas Berkner, so: „Der Abschnitt zwischen Frohburg und Borna war schon kompliziert, weil sich dort Kippenflächen und alte Tiefbaubereiche befinden. Zwischen Borna und Autobahnkreuz Leipzig-Süd sind die Herausforderungen noch größer.“ Das, was dort zum Teil unter den Bedingungen des Zweiten Weltkrieges oder sogar noch früher erschlossen wurde, sei schlecht dokumentiert. Seinerzeit habe man weder über das heutige Wissen verfügt noch geahnt, dass an gleicher Stelle später eine Autobahn gebaut würde. Letztlich seien auch die naturschutzrechtlichen Bestimmungen vor allem durch die EU weiter verschärft worden. Das Wirtschaftsministerium verweist auf sechs Meter hohe Vogelschutzwände. Doch eine Vogelschutzwand könne keine Kostensteigerung um 200 Millionen Euro begründen, kontert Kühn. „Da werden Vögel, Feldhamster und andere Tiere plötzlich zu Sündenböcken.“

Ursprünglich sollte die Autobahn 72 von Chemnitz bis Borna zur Fußball-WM 2006 fertiggestellt sein. Der Baubeginn für den Abschnitt von Rötha bis zur A 38 könnte nun 2018 erfolgen.

Von Roland Herold

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