Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Adel fordert enteignete Kunst aus sächsischen Museen zurück

Adel fordert enteignete Kunst aus sächsischen Museen zurück

Viele Museen in Sachsen und Thürungen sind in Sorge: Voraussichtlich noch in diesem Jahr werden diverse Adelshäuser an die Tür klopfen und ihr Eigentum zurückfordern.

Voriger Artikel
Neujahrsempfang in Dresden: Tillich wirbt für mehr Unterstützung für Familien
Nächster Artikel
AOK Plus will Beitrag für Krankenkasse senken – Gesetzesänderung der Koalition notwendig

Auch das Sächsische Staatsarchiv ist laut LVZ-Informationen von Rückforderungen betroffen.

Quelle: dpa

Erfurt/Dresden. Im November läuft ein Gesetz aus, das sie verpflichtet, alle Kulturgüter zurückzugeben, die während der sowjetischen Besatzungszeit enteignet wurden. Die meisten haben vorgesorgt. Manche Häuser, etwa das Museum in Glauchau, trifft es jedoch existenziell.

„Zu neunzig Prozent müssen sich die Museen in Sachsen keine Sorgen machen, dass ihre Depots leer geräumt werden. Es sind zwar noch nicht alle Fälle geklärt, doch die Betroffenen reden miteinander", sagt Katja Mieth, Direktorin der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen. Es geht um hunderte Rückforderungen von Adelshäusern, die bis 1949 von der sowjetischen Besatzungsmacht enteignet wurden. Das Ausgleichsleistungsgesetz des Bundes gestattete den ostdeutschen Museen 1994 die Nutzung von Kulturgütern für 20 Jahre – diese Übergangsfrist läuft im November aus.

Museum in Glauchau geht es an die Existenz

Vor allem das Adelshaus der Wettiner erhebt in Sachsen erhebliche Ansprüche, in kleinerem Ausmaß jedoch auch der übrige sächsische Landadel, so Mieth: „Jede Familie hat irgendwo in Sachsen einen Restitutionsfall." Darunter Namen wie Brühl, Schönburg-Glauchau, von Miltitz. Die meisten Museen seien von sich aus früh auf die Eigentümer zugegangen. „In der Regel konnte eine gütliche Einigung erzielt werden. Die größten Erfolge wurden dort erzielt, wo es nicht über die Anwälte ging", so Mieth. Deshalb gelangten nur wenige Fälle an die Öffentlichkeit. Vielfach kam es zu Rückübertragungen, doch die Stücke blieben als Dauerleihgabe zugänglich.

Ein besonders heikler Restitutionsfall bedroht das Museum Glauchau: Die Familie Schönburg fordert etwa 400 Objekte zurück, darunter Gemälde, Möbel und Waffen, sowie über 300 Bücher, sagte Stadtsprecherin Bettina Seidel. Jahrelang habe das Museum die Provenienzforschung verschleppt, was nun auch das Arbeitsgericht beschäftige. Die Bestandssichtung werde noch bis Jahresende dauern. Das Haus Schönburg will bis dahin abwarten und hat sich zu einer gütlichen Einigung bereit erklärt.

Auch Staatsarchiv betroffen

Auch im Sächsischen Staatsarchiv sind laut LVZ-Informationen 800 laufende Meter von Rückforderungen betroffen. „Die Archivbestände haben einen erheblichen ideellen Wert als Kulturgüter und zur Dokumentation der sächsischen Landesgeschichte", sagt Direktorin Andrea Wettmann. Ein Ankauf komme jedoch grundsätzlich nicht infrage. Für den Schutz einzelner Schriften werde bereits die Eintragung in das Verzeichnis der Kulturdenkmale vorbereitet. In der Hälfte der Fälle hätten sich die Eigentümer zwar entschieden, die Werke im Staatsarchiv zu belassen, weitere 19 Fälle seien jedoch noch strittig.

Mehr zu den Hintergründen lesen Sie in der Donnerstag-Ausgabe der Leipziger Volkszeitung oder im E-Paper!

Robert Büssow

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Digital Abo

    "LVZ Digital Abo" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kön... mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr