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Adel fordert enteignete Kunst aus sächsischen Museen zurück

Adel fordert enteignete Kunst aus sächsischen Museen zurück

Viele Museen in Sachsen und Thürungen sind in Sorge: Voraussichtlich noch in diesem Jahr werden diverse Adelshäuser an die Tür klopfen und ihr Eigentum zurückfordern.

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Auch das Sächsische Staatsarchiv ist laut LVZ-Informationen von Rückforderungen betroffen.

Quelle: dpa

Erfurt/Dresden. Im November läuft ein Gesetz aus, das sie verpflichtet, alle Kulturgüter zurückzugeben, die während der sowjetischen Besatzungszeit enteignet wurden. Die meisten haben vorgesorgt. Manche Häuser, etwa das Museum in Glauchau, trifft es jedoch existenziell.

„Zu neunzig Prozent müssen sich die Museen in Sachsen keine Sorgen machen, dass ihre Depots leer geräumt werden. Es sind zwar noch nicht alle Fälle geklärt, doch die Betroffenen reden miteinander", sagt Katja Mieth, Direktorin der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen. Es geht um hunderte Rückforderungen von Adelshäusern, die bis 1949 von der sowjetischen Besatzungsmacht enteignet wurden. Das Ausgleichsleistungsgesetz des Bundes gestattete den ostdeutschen Museen 1994 die Nutzung von Kulturgütern für 20 Jahre – diese Übergangsfrist läuft im November aus.

Museum in Glauchau geht es an die Existenz

Vor allem das Adelshaus der Wettiner erhebt in Sachsen erhebliche Ansprüche, in kleinerem Ausmaß jedoch auch der übrige sächsische Landadel, so Mieth: „Jede Familie hat irgendwo in Sachsen einen Restitutionsfall." Darunter Namen wie Brühl, Schönburg-Glauchau, von Miltitz. Die meisten Museen seien von sich aus früh auf die Eigentümer zugegangen. „In der Regel konnte eine gütliche Einigung erzielt werden. Die größten Erfolge wurden dort erzielt, wo es nicht über die Anwälte ging", so Mieth. Deshalb gelangten nur wenige Fälle an die Öffentlichkeit. Vielfach kam es zu Rückübertragungen, doch die Stücke blieben als Dauerleihgabe zugänglich.

Ein besonders heikler Restitutionsfall bedroht das Museum Glauchau: Die Familie Schönburg fordert etwa 400 Objekte zurück, darunter Gemälde, Möbel und Waffen, sowie über 300 Bücher, sagte Stadtsprecherin Bettina Seidel. Jahrelang habe das Museum die Provenienzforschung verschleppt, was nun auch das Arbeitsgericht beschäftige. Die Bestandssichtung werde noch bis Jahresende dauern. Das Haus Schönburg will bis dahin abwarten und hat sich zu einer gütlichen Einigung bereit erklärt.

Auch Staatsarchiv betroffen

Auch im Sächsischen Staatsarchiv sind laut LVZ-Informationen 800 laufende Meter von Rückforderungen betroffen. „Die Archivbestände haben einen erheblichen ideellen Wert als Kulturgüter und zur Dokumentation der sächsischen Landesgeschichte", sagt Direktorin Andrea Wettmann. Ein Ankauf komme jedoch grundsätzlich nicht infrage. Für den Schutz einzelner Schriften werde bereits die Eintragung in das Verzeichnis der Kulturdenkmale vorbereitet. In der Hälfte der Fälle hätten sich die Eigentümer zwar entschieden, die Werke im Staatsarchiv zu belassen, weitere 19 Fälle seien jedoch noch strittig.

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Robert Büssow

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