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Ärztemangel? Neue Planung reduziert Bedarf in Thüringen

Ärztemangel? Neue Planung reduziert Bedarf in Thüringen

Doch kein Ärztemangel in Thüringen und Sachsen? Die bundesweite Reform der Bedarfsplanung liefert überraschende Ergebnisse: Statt aktuell 218 offene Stellen für Hausärzte sind es in Thüringen ab Sommer voraussichtlich wesentlich weniger.

Erfurt. Ein ähnlicher Trend wird für Sachsen erwartet. Ein Wermutstropfen: Auch diese Ärzte fehlen.

Laut Bedarfsplan der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) könnten sich derzeit 218 Hausärzte in Thüringen niederlassen. Über diesen Plan wird festgestellt, ob in den Kreisen und kreisfreien Städten ausreichend niedergelassene Ärzte praktizieren - abhängig von der zu versorgenden Bevölkerungszahl. Gesperrt für neue Hausarzt-Praxen sind aktuell nur Jena und Weimar, im übrigen Freistaat herrscht Mangel. Zumindest bislang. Seit Jahresbeginn gilt bundesweit eine neue Bedarfsplanung, die ab Juli umgesetzt werden muss. Mit durchschlagender Wirkung: Nach einer ersten Hochrechnung des Verbands der Ersatzkassen (VDEK) schrumpft der Bedarf auf nur noch 77 Allgemeinmediziner. Parallel wurde die Zahl der Planungsregionen für eine genauere Bedarfsanalyse von 20 auf 34 erhöht - von diesen sind 16 vollkommen gesperrt.

Das Altenburger Land gehört zu den wenigen Regionen, in denen der Bedarf weiterhin hoch bleibt. Im Landkreis, der in zwei Planungsbereiche aufgeteilt wird, fehlen sieben (Altenburg) beziehungsweise sechs Hausärzte (Schmölln-Gößnitz). Der alte, noch gültige, Bedarfsplan weist 14 freie Praxen aus. Ganz anders in Erfurt: Werden dort bislang 21 Hausärzte gesucht, sind es künftig nur noch drei. Die KV Sachsen rechnet noch, geht aber von ähnlichen Tendenzen aus. "Es ist möglich, dass die Großstädte wieder gesperrt sind", sagte Sprecher Ingo Mohn. Derzeit können sich fast flächendeckend in Sachsen 340 Hausärzte niederlassen.

Die massive Korrektur hat laut KV Thüringen zwei Ursachen: Zum einen wurde das Verhältnis von Einwohnerzahl je Arzt nach oben korrigiert. Es liegt nunmehr bei 1671 Einwohnern pro Hausarzt. Gleichzeitig wurde der Demografie-Faktor abgeschwächt, was insbesondere in Ostdeutschland durchschlägt. Dieser Faktor berücksichtigt, dass eine ältere Bevölkerung einen höheren Behandlungsbedarf hat. Thüringens VDEK-Landeschef Arnim Findeklee reagiert gelassen: "Wahrscheinlich wird die Anwendung der neuen Grundsätze zu einer realistischeren Blickweise führen. Es macht keinen Sinn, für einzelne Landkreise mehr als 20 freie Arztsitze auszuweisen, die auf absehbare Zeit sowieso nicht besetzt werden können."

Thüringens KV-Chefin Annette Rommel warnt vor voreiligen Schlüssen. Die VDEK-Zahlen seien "sicherlich zulässig, aber unglücklich". Der endgültige Bedarfsplan liege erst Anfang Juni vor. Das Thüringer Gesundheitsministerium will ebenfalls noch einen Blick darauf werfen. Gesundheitsministerin Heike Taubert (SPD) schätzt die Lage ambivalent ein: "Es sind positive als auch negative Effekte zu erwarten."

Anders als bei den Hausärzten werden einige Facharztgruppen sogar davon profitieren. Für Psychotherapeuten etwa werden in Thüringen gut 100 zusätzliche Niederlassungen möglich sein. Da bereits viele Bewerber bei der KV auf der Warteliste stehen, sei mit einer raschen Verbesserung der Versorgung zu rechnen. Die geringere Zahl freier Hausarztsitze möge zwar "im ersten Moment befremden, ändert jedoch nichts an der tatsächlichen Versorgungssituation", erklärt Taubert. "Es ist schwierig, Hausärzte für eine Niederlassung zu gewinnen. Dabei ist es völlig unerheblich, wie hoch die Anzahl offener Arztsitze planungstechnisch beschrieben wird."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.03.2013

Robert Büssow

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