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Alzheimer-Gesellschaft erwartet 100.000 mehr Demenzkranke in Sachsen bis 2025

Alzheimer-Gesellschaft erwartet 100.000 mehr Demenzkranke in Sachsen bis 2025

In Sachsen erkranken immer mehr Menschen an Demenz. Bis 2025 könnte ihre Zahl im Freistaat um etwa die Hälfte auf mehr als 100.000 steigen, sagte Knut Bräunlich, Vorsitzender der Alzheimer Gesellschaft Sachsen, der Leipziger Volkszeitung (Donnerstagausgabe).

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Die Zahl der Pflegebedürftigen in Sachsen könnte bis zum Jahr 2050 um die Hälfte oder sogar zwei Drittel steigen. Sozialministerin Clauß plädierte deshalb für eine Reform der Pflegeversicherung.

Quelle: dpa

Leipzig. "Es wird einen dramatischen Anstieg geben." Allein in der Altersgruppe der Menschen über 80 Jahre werde es 2025 in Sachsen mehr als 63.000 Menschen mit Demenz geben und damit doppelt so viele wie 2010, prognostizierte Bräunlich.

Insgesamt lag die Zahl der Erkrankten im vergangenen Jahr im Freistaat bei etwa 76 300 Menschen. Das waren rund 4470 oder sechs Prozent mehr als 2008. Das geht aus dem Demenzatlas 2011 hervor, den die Alzheimer Gesellschaft Sachsen am Mittwoch auf der Messe "Pflege und Homecare" in Leipzig vorstellte. Die tatsächliche Zahl könnte noch deutlich höher sein. "Es gibt eine Dunkelziffer", sagte Bräunlich. Bei vielen Menschen werde Demenz erst spät diagnostiziert. Wie am Mittwoch ebenfalls bekannt wurde, könnte die Zahl der Pflegefälle in Sachsen einer Studie zufolge bis 2050 um mehr als zwei Drittel steigen. Sollte sich aber der optimistische Trend eines im Alter verbesserten Gesundheitszustands durchsetzen, sei von einem Zuwachs um knapp die Hälfte auszugehen, resümierte der Sozialexperte Bernd Raffelhüschen in einer in Dresden vorgestellten Expertise. Sie wurde im Auftrag des Sozialministeriums vom Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg (Baden-Württemberg) erstellt und enthält auch - bundesweit erstmals - eine Regionalisierung auf Ebene der Landkreise.

Sozialministerin Christine Clauß (CDU) plädierte angesichts dieser Prognosen erneut für eine solide, solidarische und soziale Reform der Pflegeversicherung. Die Opposition im Landtag forderte die Ministerin dringend zum Handeln auf. Sie solle „sich endlich um die Baustelle Pflege in Sachsen zu kümmern“, statt den Schwarzen Peter dem Bund zuzuschieben, mahnte die SPD-Fraktion. Sie forderte ambulante Betreuungsangebote, eine stärkere Aus- und Weiterbildung und die bessere finanzielle und personelle Ausstattung der Leistungsträger. „Sachsen muss endlich auch die eigenen Verpflichtungen erfüllen“, mahnten auch die Grünen im Landtag.

Sie verlangten ein Landespflegegesetz, in dem Zuständigkeiten benannt und Strukturen definiert würden. „Wir brauchen zudem eine unabhängige Beratung für ältere Menschen und deren Angehörige, die ansetzt, bevor jemand zum Pflegefall geworden ist.“ Nach Angaben der Grünen-Fraktion sind derzeit fast 83 000 Menschen auf stationäre und ambulante Pflege angewiesen, das seien fast zwei Prozent der Bevölkerung. Damit sei die Zahl der Pflegebedürftigen seit 2007 um gut neun Prozent gestiegen, hieß es.

Auch die Linke-Fraktion sieht den Freistaat „in keiner Weise“ auf den drohenden Pflegenotstand vorbereitet. Zudem bestehe das Problem, dass Kinder und Enkel der Arbeit im Westen nachzögen und damit keine pflegenden Angehörigen mehr da seien.

Die aktuelle Studie geht landesweit von einer Zunahme der Pflegefälle auf rund 193 500 bis knapp 225 000 aus - je nachdem, ob entsprechende Gegenmaßnahmen greifen. Besonders in den Städten Dresden und Leipzig sowie dem Vogtlandkreis und den Landkreisen Görlitz, Nordsachsen, Bautzen und Leipzig werde die Zahl der Pflegefälle stark anwachsen. Die Auslastungsquote der stationären Pflegeeinrichtungen landesweit steige im günstigsten Fall um 61 Prozent, im ungünstigsten Fall werde sie sich verdoppeln. Beim Ausbau der ambulanten Pflege geht die Expertise von einem Anstieg um nur ein Drittel bei Heimplätzen aus.

Mit der deutlichen Anpassung des Ost-Rentenniveaus nach unten werde sich die Zahl der Grundsicherungsempfänger um 204 Prozent im günstigsten und 320 Prozent im ungünstigsten Fall erhöhen. Die Kosten für Grundsicherung im Alter und Hilfe zur Pflege summierten sich laut Studie dann auf bis zu 334 Millionen Euro. Derzeit sind es 84 Millionen Euro. Gelinge es, die Zahlung der Grundsicherung an den Bund abzugeben, werde der Etat 2050 mit weniger als der Hälfte belastet.

wer / dpa

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