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Archivtag lockt viele Interessierte in die Magazine von Sachsen-Anhalt

Archivtag lockt viele Interessierte in die Magazine von Sachsen-Anhalt

Der Ansturm auf Archive war am Wochenende in Sachsen-Anhalt groß: Hunderte Besucher nutzten den deutschlandweit veranstalteten Archivtag, um einen Blick hinter sonst verschlossene Türen zu werfen.

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Die Archive - wie hier das Leipziger Stadtarchiv - lockten auch in Sachsen-Anhalt viele Besucher an.

Quelle: André Kempner

Magdeburg. Allein in Magdeburg strömten knapp 1000 Besucher ins Landeshauptarchiv und in die Außenstelle des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes (BStU). „Wir sind mit dem Besucherzuspruch hochzufrieden“, sagte Detlev Heiden vom Landeshauptarchiv.

Zugpferd war hier unter anderem die Fotoausstellung der Künstlerin Jill Luise Muessig. Sie hat in mehreren 100 Bildern den Umzug des Magdeburger Hauses in neue Räumlichkeit festgehalten. Muessig habe eine „historisch einmalige Situation“ für die Nachwelt erhalten, kommentierte Heiden. Der Umzug sei nicht ohne gewesen, hieß es. Nichts durfte beschädigt werden und oder verloren gehen. Das sei eine große Herausforderung gewesen. Ottonische Urkunden mussten genauso auf die kurze Reise gehen, wie preußische Akten und Überlieferungen aus der DDR.

Zudem hat das Landeshauptarchiv am Wochenende das neue Online-Archiv eröffnet. „Virtuell sind jetzt alle vier Standorte im Land in Magdeburg, Merseburg, Dessau und Wernigerode vereinigt“, unterstrich Heiden. Per Internet könne jetzt weltweit auf die Datenbank zurückgegriffen und recherchiert werden. „Das ist ein Novum“, kommentierte Heiden weiter. Besucher hätten an diesem Wochenende hiervon schon reichlich Gebrauch gemacht. „In einer nächsten Ausbaustufe wollen wir große Teile unserer Aktenbestände digitalisiert zur Einsicht online stellen“, setzte Heiden hinterher. Unzählige Karten, Akten und Urkunden würden aufgestapelt einen Turm mit einer Gesamthöhe von 46 Kilometer entstehen.

In der Magdeburger Außenstelle der Stasi-Unterlagenbehörde interessierten sich viele Besucher für die Geschichte ihrer ehemaligen Betriebe. „Sehr viele Kombinate wie Sket konnten im Magdeburger Raum nur noch mit Sondergenehmigungen, was den Umwelt- und den Arbeitsschutz anging, weiterarbeiten“, sagte der Chef der BSTU-Außenstelle Magdeburg, Jörg Stoye. Die Stasi habe alles minuziös festgehalten. Klar sei, dass der Stasi-Apparat in den 1970/80er Jahren stark zur Verschlechterung der allgemeinen Wirtschaftslage in der DDR beigetragen hat. „Nicht die besten Kader seien in Führungspositionen gekommen, sondern diejenigen, die aus sicherheitspolitischen Aspekten die Genehmsten waren“, so Stoye.

Exemplarisch führte er den Neubau des Kernkraftwerks Stendal (KKW) an. Dieser sei wegen technischer Probleme nie vollendet worden. Ohne westliche Technik sollte das KKW ans Netz gehen. „Die Stasi hat hieraus einen operativen Fall gemacht. Mit Geheimdienstmethoden sollten der oder die Schuldigen daran gefunden werden, dass die Probleme nie gelöst werden konnten“, so Stoye weiter. Dies ist der Stasi aber nie gelungen, „weil schnell klar war, dass die Wirtschaftspolitik der SED alleiniger Auslöser war. Somit wurde offiziell gegen unbekannt ermittelt“, hieß es.

dpa

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