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Ausfahrt aus dem Autoland - Sorgen um Neoplan und MZ

Ausfahrt aus dem Autoland - Sorgen um Neoplan und MZ

Es sind Busse und Motorräder, die dem „Autoland Sachsen“ derzeit ernste Probleme bereiten. Der traditionsreiche Zschopauer Motorradhersteller MZ hat bereits offen mit seinem Wegzug aus dem Freistaat gedroht, bei der Neoplan Omnibus GmbH in Plauen gilt eine mögliche Produktionsverlagerung als wahrscheinlich - und als möglicher Anfang vom Ende.

Plauen/Zschopau. Skeptiker befürchten jedenfalls, dass demnächst nur noch Pkw im „Autoland“ vom Band rollen werden - bei BMW und Porsche in Leipzig sowie VW in Zwickau und Dresden.

Noch baut Neoplan jährlich rund 400 Luxus-Busse im Vogtland. Dass es ab 2011 nur noch zur Endmontage reicht und wenig später dann gar nicht mehr produziert wird - davor warnen Betriebsrat und IG Metall, seitdem der MAN-Mutterkonzern zu Jahresbeginn bekanntgab, einen Teil der Produktion nach Ostpolen verlagern zu wollen. Zur Begründung wird das Fehlen einer modernen Lackieranlage in Plauen angeführt, das auch der örtliche Neoplan-Geschäftsführer Achim Knabe als Manko ansieht.

Seit der Nachricht aus München gebe es unter den Mitarbeitern Unruhe, sagt Betriebsratschef Marcus Galle. Zu DDR-Zeiten wurden in Plauen alte ungarische IKARUS-Busse mitgebaut und aufgemöbelt. Auf erneute Lieferungen aus dem Osten würde man in Plauen gern verzichten. „Unsere Busse bleiben hier“ heißt es denn auch auf großen Plakaten, die die IG Metall drucken ließ.

Neben einem roten Stopp-Verkehrsschild findet sich auf ihnen der Satz, dass der MAN-Konzern Neoplan in Plauen den Rücken kehren wolle - obwohl der das vehement abstreitet. Der Sprecher der MAN Nutzfahrzeuge Gruppe, Detlef Hug, widerspricht ebenso dem Vorwurf, dass nur mit der Verlagerung des Busrohbaus von Plauen nach Polen das dortige MAN-Werk Starachowice - wo es eben eine moderne Lackieranlage gibt - ausgelastet wäre.

Selbst der Zwickauer IG-Metall-Bevollmächtigte Stefan Kademann sieht ein, dass sich am Standort Plauen etwas tun muss, um ihn zu halten. Er fordert deshalb ein „strukturpolitisches Konzept“, das unter Federführung des FDP-geführten Wirtschaftsministeriums in Dresden erarbeitet werden müsse. Vorstellbar sei etwa die Errichtung einer modernen Anlage zum Korrosionsschutz, die auch von anderen Betrieben der Region genutzt werden könne. „Kein Mensch glaubt doch, dass MAN 750 Kilometer durch Europa kutscht, um die Endmontage im Vogtland zu machen - die bleibt irgendwann in Polen“, befürchtet Kademann.

Langfristig sieht die IG Metall deshalb alle 580 Jobs bei Neoplan in Plauen bedroht, kurzfristig erst einmal knapp 200. Dass es sich dabei nicht um die Stammbelegschaft, sondern „nur“ um 70 befristete Stellen und etwa 120 Leiharbeiter handelt, macht die Sache für Kademann nicht besser. „Auch das sind hoch bezahlte Jobs im Vogtland.“

Von solchen Jobs können die Beschäftigten der Motorenwerke Zschopau nur träumen. Geschäftsführer Martin Wimmer setzte bereits die Hälfte der 23 Mitarbeiter auf Kurzarbeit null und droht mit Abwanderung, seitdem ein Bankenkonsortium die erhoffte Finanzspritze für die Aufnahme der Produktion von 125er-Motorrädern abgelehnt hat. Man habe „wirklich alles“ probiert, um in Sachsen zu bleiben. „Es gibt andere Bundesländer, die sehr gern Arbeitsplätze schaffen“, bemerkt Wimmer, der den vom Aus bedrohten Traditionsbetrieb MZ vor einem Jahr gemeinsam mit seiner Ehefrau Martina Häger und dem einstigen Rennfahrer Ralf Waldmann übernommen hatte - und das nicht, um nur Elektroroller zu produzieren, wie es derzeit passiert.

Zu DDR-Zeiten galt MZ mit 85 000 produzierten Maschinen im Jahr als einer der größten Motorradhersteller der Welt. Im „Autoland Sachsen“ spielte der Traditionsbetrieb nach Fehlentwicklungen in den vergangenen Jahren eine eher untergeordnete Rolle. Vor allem die Zulieferindustrie machte die Stärke der 70 000 Jobs umfassenden Branche aus, die 2009 mit zehn Milliarden Euro ein Viertel des sächsischen Industrieumsatzes einfuhr. Aber ohne Fahrzeugbauer haben auch Zulieferer ein Problem.

Die Staatsregierung hat sich jedenfalls in beiden Problemfällen längst eingeschaltet. MZ stellte sie eine Landesbürgschaft in Aussicht - die allerdings von der Banken-Hilfe abhängig ist. Und bei Neoplan? „Das Wirtschaftsministerium ist auf verschiedenen Ebenen im Gespräch mit den Beteiligten“, sagt Ministeriumssprecherin Isabel Siebert. „Über deren Inhalte wurde allerdings Stillschweigen vereinbart.“

Tino Moritz, dpa

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