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Azubis in Sachsen – immer mehr machen Überstunden

Kaum Jugendschutz-Kontrollen Azubis in Sachsen – immer mehr machen Überstunden

Das Sächsische Wirtschaftsministerium hat eingeräumt, dass in vielen Betrieben des Freistaats gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz verstoßen wird. Und dass die Kontrollen vor Ort immer weiter zurückgehen. Grüne und DGB sehen darum dringenden Nachholbedarf.

Viele Betriebe suchen Hände ringend Lehrlinge. Doch nicht überall stimmt die Qualität der Ausbildung.
 

Quelle: Foto: dpa

Leipzig.  Zu lange Arbeitszeiten, mangelnde Arbeitsschutzunterweisung – in sächsischen Betrieben wird immer häufiger gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz verstoßen. Gleichzeitig wird die Einhaltung der Bestimmungen für Azubis, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, immer seltener kontrolliert. Das geht aus einer Antwort des Sächsischen Wirtschaftsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor.

Das Behörde von Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) räumt darin ein, dass eine „jährlich markante Zahl an Ausbildungsverhältnissen in Sachsen nicht den Bestimmungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes“ entspricht. Weiter heißt es: „Die überwiegenden Verstöße stellen Arbeitszeitüberschreitungen, Nichteinhaltung von Pausen- und Ruhezeiten, Nichteinhaltung der Fünf-Tage-Arbeitswoche sowie fehlende oder ungenügende Arbeitsschutzunterweisungen dar.“

Und dies, obwohl bereits 2014 eine durch den beim Wirtschaftsministerium angesiedelten Landesausschuss für Jugendarbeitsschutz initiierte Befragung „starke Defizite bezüglich der Einhaltung der Arbeitsschutzbestimmungen“ in den Ausbildungsbetrieben widergespiegelt habe. Offenbar sei auch der Umstand, dass 2014 jeder vierte Vertrag in der dualen Ausbildung in Sachsen gelöst wurde, Indiz dafür, dass starke Anstrengungen notwendig seien, um die Ausbildungsbedingungen zu verbessern.

Eine mögliche Erklärung für den Status quo könnte darin liegen, dass die Kontrollen durch die Abteilung Arbeitsschutz bei der Landesdirektion Sachsen (LDS) in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken sind. Die Zahl der inspizierten Betriebe insgesamt ging von 8127 (bei rund 150 000 Betrieben) im Jahr 2005 auf 2927 (bei rund 119 000 Betrieben) im Jahr 2016 zurück.

Im Hinblick auf das Jugendarbeitsschutzgesetz bedeutet das: Wurden 2007 noch 755 Betriebe geprüft und dabei 220 Mängel festgestellt, so waren es im vergangenen Jahr gerade mal 157 mit 48 Beanstandungen. Das Verhältnis, wonach etwa bei knapp jedem dritten Unternehmen Mängel aufgedeckt wurden, blieb dabei gleich.

Die arbeitsmarkpolitische Sprecherin der Grünen, Petra Zais, kritisierte scharf den „Rückgang von rund 80 Prozent“ und sprach von „einer Bankrotterklärung in Sachen Jugendarbeitsschutz“. Die sächsische Arbeitsschutzverwaltung könne aufgrund beispielloser Stellenkürzung ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen. „Offenbar gelingt es Minister Dulig nicht, sich beim Koalitionspartner CDU beziehungsweise bei Finanzminister Unland Gehör zu verschaffen und neue Stellen bei der sächsischen Arbeitsschutzverwaltung einzufordern“, so die Abgeordnete. Laut Ministerium wurden von den 132 ausgebildeten Beamten 107 für die originären Arbeitsschutzaufgaben eingesetzt. Lediglich zwei Stellen entfielen dabei auf den Jugendarbeitsschutz.

Die Erkenntnisse decken sich mit dem Ausbildungsreport 2017 der DGB-Jugend Sachsen. Darin gab fast ein Drittel der Jugendlichen an, mit der Ausbildung unzufrieden zu sein. Ein Viertel muss regelmäßig Überstunden ableisten, bei den Köchen ist das sogar bei über 60 Prozent der Fall. Ebenfalls fast ein Viertel gab an, dass der Zeit- und Leistungsdruck als belastend empfunden wird. DGB-Jugendsekretärin Marlen Schröder forderte: „Wir brauchen in Sachsen eine niedrigschwellige, neutrale Beschwerdestelle für Auszubildende, die solchen Verstößen auch nachgehen kann.“ Markus Schlimbach, Vize-DGB-Chef Sachsen, sagte, eine moderne und qualitativ hochwertige Berufsausbildung müsse das Ziel in Sachsen sein. „Gute Arbeit fängt mit guter Ausbildung an“, so Schlimbach.

Von der Vereinigung der sächsischen Wirtschaft hingegen war bisher keine Stellungnahme zu erhalten.

Von Roland Herold

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