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Baby-Boom in Leipzig, Dresden und Co. - Kreißsäle an der Kapazitätsgrenze

Zu wenig Betten Baby-Boom in Leipzig, Dresden und Co. - Kreißsäle an der Kapazitätsgrenze

Vor allem Leipzig und Dresden erleben Geburtenrekorde. Mancherorts wird es eng in den Kreißsälen. Einige Kliniken wollen ausbauen. Doch das ist gar nicht so einfach.

Die steigenden Geburtenzahlen stellen Krankenhäuser in Leipzig und Umgebung vor Herausforderungen. (Symbolbild)

Quelle: dpa

Leipzig/Dresden. Volle Kreißsäle, zu wenig Betten für Mutter und Kind: Der Baby-Boom stellt die Geburtskliniken mancherorts vor große Herausforderungen. Vor allem in den Großstädten kommen einige Stationen angesichts steigender Geburtenzahlen an ihre Kapazitätsgrenzen, erklärte der stellvertretende Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Sachsen, Friedrich München.

Leipzig verzeichnete mit 6873 Neugeborenen eine neue Bestmarke. Die Uniklinik reagierte darauf mit der Einstellung zusätzlicher Hebammen im Vorjahr, zum Jahresanfang wurde zudem ein neu gebauter fünfter Kreißsaal in Betrieb genommen. «Wir mussten noch keine Schwangere, die zur Geburt in den Kreißsaal kam, abweisen», hieß es. Gelegentlich müssten allerdings Risikoschwangerschaften aufgrund der hohen Auslastung der Neonatologie schon vorher auf andere Kliniken umgeleitet werden.

Den Geburten-Boom bekommt auch das St. Elisabeth-Krankenhaus zu spüren, das bei Müttern aus Leipzig und Umgebung gefragt ist. Im Vorjahr zählte das Haus 2690 Geburten, 400 Entbindungen mehr als 2015 und damit neuer Rekord. «Unsere Kreißsäle sind faktisch immer belegt, ebenso die Betten und Zimmer auf unserer Wochenstation», erklärte eine Sprecherin. Hin und wieder würden die Kapazitäten vollständig ausgereizt. Deswegen stehe das Haus derzeit in Verhandlungen mit dem Sozialministerium über eine mögliche Erweiterung der Station.

200 Neugeburten mehr als im Vorjahr

Chemnitz zählte 2016 rund 3400 Neugeborene, knapp 200 mehr als im Jahr zuvor. Das macht sich im Klinikum Chemnitz bemerkbar, das sich nach jahrelanger Stagnation über die steigende Zahl von Geburten freut. «Sicherlich ist eine vollständige Belegung der vorhandenen Kreißsäle an manchen Tagen gegeben und damit entsteht eine besondere Herausforderung an das Personal», so eine Sprecherin. Durch logistisches Geschick und flexibles Personal hätten aber noch keine Schwangeren abgewiesen werden müssen. In Einzelfällen wurden werdende Mütter zunächst in der Gynäkologie untergebracht und später in die Geburtshilfe verlegt. 2016 wurden am Klinikum 1482 Kinder geboren - so viele wie seit 20 Jahren nicht.

Auch das Dresdner Universitätsklinikum ist angesichts eines Allzeit-Geburtenhochs stark ausgelastet. 2016 kamen 2809 Jungen und Mädchen zur Welt, ein Jahr zuvor waren es noch 2521. «Ein ganz schöner Sprung. Noch nie gab es bei uns höhere Zahlen», erklärte die Direktorin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Pauline Wimberger. Dennoch könnten dank des Organisationstalentes der Ärzte und Hebammen werdende Mütter aber bestens versorgt werden. Geht es nach der Klinik, soll die Bettenkapazität auf der Station demnächst aufgestockt werden. Konkrete Pläne liegen noch nicht vor.

Eigenen Angaben zufolge verfügt die Geburtshilfe an der Uniklinik über 51 Betten. Bei großer Auslastung könnten im Einzelfall auch weitere Betten der Gynäkologie genutzt werden, hieß es. Das Dresdner Diakonissenkrankenhaus hat 2016 zwei zusätzliche Hebammenstellen geschaffen, um den Geburten-Boom zu bewältigen. «Bei Bedarf nutzen wir freistehende Zimmer auf einer anderen Station und funktionieren diese als Mutter-Kind-Zimmer um, etwa auf der gynäkologischen Station», erklärte Andreas Werner, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe.

In Dresden, das seit Jahren den inoffiziellen Titel Deutschlands Geburtenhauptstadt trägt, kamen 2016 insgesamt 8542 Kinder zur Welt. Das sind 332 mehr als 2015 und so viele wie seit 1990 nicht.

Mehr Flexibilität erwünscht

Die Krankenhausgesellschaft Sachsen wünscht sich mehr Flexibilität beim Freistaat als zuständiger Planungsbehörde sowie den Kassen. «Es gibt aber Schwierigkeiten, zusätzliche Planbetten zu bekommen», erklärte Friedrich München. Auch Krankenkassen zeigten sich oft zurückhaltend, weil sie Leistungen später finanzieren müssen.

In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Geburtskliniken auf dem Land geschlossen, darunter in Radebeul, Stollberg, Reichenbach oder Hartmannsdorf. Die Krankenhausgesellschaft schätzt, dass die Häuser rund 1000 Geburten abgedeckt haben. Das sei ein Problem, wenn in den Städten keine zusätzlichen Betten geschaffen würden, so München.

Gab es 2001 laut Sozialministerium noch 53 Krankenhäuser mit Geburtsstationen in Sachsen, schrumpfte die Zahl auf 42 im vergangenen Jahr. Vor allem Geburtskliniken auf dem Land waren in der Vergangenheit wegen des starken Geburtenrückgangs betroffen. Die bedarfsgerechte Versorgung werde aber in allen Landkreisen und kreisfreien Städten sichergestellt, betonte eine Ministeriumssprecherin.

Zudem verbuchten die Kliniken immer kürzere stationäre Aufenthalte frisch gebackener Mütter. Der Geburtenanstieg ziehe daher nicht zwangsläufig die Erhöhung von Bettenkapazitäten nach sich, hieß es. Seien dennoch mehr Betten notwendig, werde im Einzelfall und in Abstimmung zwischen dem Krankenhausträger und dem Sozialministerium entschieden.

LVZ

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