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Bastler aus Ilmenau restauriert Auto von Papst Johannes Paul II. - kostspielige Anschaffung

Bastler aus Ilmenau restauriert Auto von Papst Johannes Paul II. - kostspielige Anschaffung

Mäuse nisteten sich in den Polstern ein, der Rost fraß sich langsam durch die gesamte Karosserie. Fast 35 Jahre lang gammelte der frühere Wagen von Papst Johannes Paul II.

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Der KFZ-Sachverständige Rene Thiem prüft in Ilmenau (Thüringen) einen „FSO Warszawa“ vom Typ M20, den der jetzige Besitzer Marek Schramm im Originalzustand belassen und wieder fahrbereit gemacht hat.

Quelle: dpa

Ilmenau. in einer Scheune in Polen vor sich hin. Jetzt steht das blau lackierte Auto pünktlich zum neunten Todestag des polnischen Papstes am 2. April restauriert und fahrbereit auf einem Grundstück im thüringischen Ilmenau. Der begeisterte Oldtimer-Fan Marek Schramm nahm sich des „Schrottautos“ an und machte es wieder schick - für eine große Fahrt durch halb Europa.

Dabei standen die Chancen alles andere als gut, dass der knapp 60 Jahre alte FSO Warszawa - den Karol Wojtyla in seiner Zeit als Erzbischof von Krakau benutzt hat - noch mal anspringt. Dennoch, er habe nie Zweifel gehabt, dass es ihm gelinge, das Auto wieder aufzubauen und fit zu machen:. „Ich habe keine Angst“, sagt Schramm und streckt seinen Rücken kurz durch.

Ein Neffe des Papst-Chauffeurs habe ihm den Wagen 2012 verkauft, sagt Schramm stolz und seine Augen blitzen auf. Zahlreiche Originaldokumente wie das Garantiebuch, der Kaufvertrag und die Zulassung beweisen die Herkunft des Autos. Auch Fahrgestell- und Motornummer waren dem neuen Eigentümer zufolge noch vorhanden und identisch mit den Nummern auf den Dokumenten. Die originalen Nummernschilder sind ebenfalls da, schwarz mit der weißen Schrift „KR 96 13“.

Innen sieht es durchaus gemütlich aus, auch wenn größere Menschen Schwierigkeiten haben dürften, sich hinter das weiße Lenkrad zu quetschen. Die Armaturen sind im 50er-Jahre-Stil spartanisch gehalten, die Sitze durchgehend und Platz bietend für drei Personen. Die Ziffern auf der etwas zu großen Uhr zeigen den Todeszeitpunkt des Papstes im Jahr 2005 an. Und konsequenterweise hängt am Schlüsselbund ein kleines Foto von Johannes Paul II.

Zufallsfund im Internet

Er habe eines Abends im Internet nach Oldtimern gesucht und sei dabei auf die Anzeige von Alexander Gawron gestoßen. Dessen Onkel habe den späteren Papst während seiner Zeit als Erzbischof von Krakau gefahren. Schramm konnte nicht widerstehen. „Der Papst-Wagen war ein Schnäppchen“, sagt er. Wie viel er für den polnischen Nachbau eines russischen Pobeda aus den 1950er Jahren auf den Tisch blätterte, verrät der 45-jährige Unternehmer nicht. Immerhin, ein sechsstelliger Euro-Betrag sei es gewesen.

Religiöse Motive habe er nicht gehabt. Das Auto sei die Verbindung zwischen dem Leben des Papstes, der zum Fall der Mauer beigetragen habe, und seinem eigenen. Als Kind zog Schramm mit seinen Eltern von Danzig zunächst nach Berlin und dann nach Ilmenau. Als 13-Jähriger habe er etwa Solidarnosz-Anstecker verteilt und mächtig Ärger bekommen. Er saß mehrere Jahre in DDR-Gefängnissen, unter anderem wegen Republikflucht. Er war ein Rebell und ist es wohl heute noch. „Ich bereue mein Verhalten nicht und würde es wieder so machen.“.

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Besitzer Marek Schramm mit seinem Wagen.

Quelle: dpa

Autos, Autos, Autos: In seiner Garage finden sich mehrere solcher Schätze wie das „Papa-Mobil“. Ein Porsche Spider 550 - das Modell, mit dem James Dean verunglückte - und ein BMW 507 Cabrio. Die Autos sind echte Raritäten. Auch einen Ferrari nennt Schramm sein eigen. Neben der Liebe zu Oldtimern gibt es dann nur noch Platz für seine Familie - und vor allem für die zwei Jahre alte Tochter Karla. Andere Hobbys habe er nicht.

Alexander Gawron, dessen Onkel Ende der 1970er Jahre das Auto dem späteren Papst abkaufte, wusste auch nicht so recht, was er damit machen sollte. Jahrelang habe der Wagen in einem Autohaus in Düsseldorf gestanden, erzählt er. „Ich wollte ihn verkaufen, aber nur an einen Polen.“ Nach mehreren gescheiterten Versuchen über das Auktionshaus Christie’s oder online landete der Oldtimer schließlich in Ilmenau. Nun habe es das „Papa-Mobil“ gut, sagt Gawron. Schließlich sei Schramm auch in Polen geboren.

Mehr als 2500 Arbeitsstunden investierten Schramm und seine 16 Helfer, um den Wagen flott zu machen. Jedes Einzelteil wurde zerlegt, gesäubert und wieder eingesetzt. Manche Teile mussten in Polen gekauft werden. „Aber der Oldtimer ist fast zu 100 Prozent echt.“

Was er nun damit macht? „Natürlich zur Heiligsprechung von Johannes Paul II. am 27. April nach Rom fahren“. Los geht es am 14. April - über den Umweg Berlin-Danzig-Warschau-Wadowize-Krakau. Die Stationen im Leben des Papstes und im Leben von Marek Schramm. „Anschließend fahre ich den Weg, den Wojtyla 1978 genommen hat, um in den Vatikan zu kommen.“ Er ist aufgeregt. Ob er jemals dort ankommt oder am Ende das Auto doch seinen Geist aufgibt? „Ich komme an!“ Marek Schramm hat keine Angst - aber Ersatzteile nimmt er sicherheitshalber mit.

Stefan Engelbrecht und Michael Reichel, dpa

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