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Baustelle Ost-Autobahnen: Betonkrebs nagt am Material

Baustelle Ost-Autobahnen: Betonkrebs nagt am Material

Mancher Autofahrer reibt sich verwundert die Augen: Mit Milliarden Euro wurden die Autobahnen im Osten seit 1990 auf Vordermann gebracht, und nun blinken vielerorts schon wieder die Baustellenleuchten.

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Hintergrund: Autobahnen in Sachsen

Mit schwerem Baugerät brechen Arbeiter die Betonfahrbahn der Autobahn A14 nahe der Anschlussstelle Mutzschen auf. Foto vom 7. Mai 2010.

Quelle: dpa

Gera/Chemnitz. Autokolonnen schieben sich mit Tempo 60 oder 80 über die Piste, während nebenan der Belag abgefräst wird. Grund sind Risse im Asphalt oder Fugen-Reparaturen an der Betondecke.

Ganz normaler Verschleiß, versichern die zuständigen Behörden. Doch bei Beton-Abschnitten, die 30 Jahre halten sollten, sind auf etlichen Strecken schon nach weniger als zehn Jahren enorme Probleme aufgetreten: Schuld ist der Betonkrebs. Dabei zersetzen Kieselsäuren in einem chemischen Prozess die Stoffe im Zement. Es entstehen Risse, die durch Frost weiter aufgesprengt werden.

Die Betonkrankheit hat sich nach Expertenschätzung in Deutschland auf rund 350 Autobahnkilometern ausgebreitet, vor allem im Osten. Probleme gibt es besonders auf der A9 und A14. „Wir denken schon, dass das hätte vermieden werden können“, sagt ADAC-Fachfrau Wiebke Dammann. Experten hätten schon vor 20 Jahren davor gewarnt, und die Baustoffe hätten besser untersucht werden müssen.

Doch nun frisst sich der Betonkrebs unaufhaltsam durch den Belag. Der Schaden geht in die Millionen. Das Problem tritt oft erst nach sieben bis zehn Jahren zutage - dann ist die Gewährleistung der Baufirmen vorbei und der Schaden muss auf Kosten des Steuerzahlers beseitigt werden.

In Sachsen ist das Problem bislang nur auf zehn Kilometern der A14 zwischen Mutzschen und Leisnig in Richtung Dresden aufgetreten. Für den Rest der A14 schließt das Autobahnamt den Betonkrebs aus - weil deren Erneuerung schon Ende 1994 fertig war und keine neuen Schäden auftauchten. Als glücklicher Umstand gilt, dass die A14 abschnittsweise saniert wurde. „Dadurch kamen immer wieder andere Baufirmen mit jeweils anderen Betonmischungen zum Zuge“, sagt Behördensprecher Burkhard Zscheischler.

In Sachsen-Anhalt sieht es etwas anders aus. Während die Sachsen auf ihren zehn Problem-Kilometern die Deckschicht komplett wieder auswechseln und für die veranschlagten 13 Millionen Euro gleich noch drei 40 Jahre alte Autobahnbrücken erneuern, versucht der Nachbar, den Zerfall hinauszuzögern. Das sei auch eine Kostenfrage, betont Straßenbautechnik-Experte Dittmar Marquordt vom Landesbetrieb Bau. Seine Kollegin Petra Witte erklärt: „Bei uns sind etwa 100 Kilometer Richtungsfahrbahn betroffen.“

In einem Pilotprojekt auf der A14 zwischen Bernburg und Könnern wurde eine Strecke mit verschiedenen Beschichtungen gegen Wasser und Tausalz versehen, um herauszufinden, welches Mittel im Kampf gegen den Betonkrebs hilft. Ergebnisse sind erst in einigen Jahren zu erwarten. In einem ist sich Marquordt aber schon heute sicher: „Wir werden die betroffenen Strecken nicht ewig halten können.“ Auf anderen Abschnitten etwa auf der A9 wurde eine Asphaltdecke aufgebracht, um den Beton zu schützen.

In Thüringen ist etwa die Hälfte des rund 500 Kilometer langen Autobahnnetzes in Asphaltbauweise gebaut. Hier macht sich inzwischen der Verschleiß bemerkbar, erläutert der Leiter des Landesamtes für Bau und Verkehr, Markus Brämer. In der Regel müsse die Asphaltdecke nach zehn bis zwölf Jahren erneuert werden. Das geschehe gerade auf der A4, die Stück für Stück bis Ende 2012 abgearbeitet werde. Starke Risse gebe es auch auf der A71 bei Ilmenau, allerdings falle dies noch unter die Gewährleistung der Baufirma.

Um die ursprünglich als anfälliger geltenden Asphaltautobahnen haltbarer zu machen, läuft in Thüringen ein Modellprojekt. Dabei werden auf einem fünf Kilometer langen Abschnitt auf der A4 bei Stadtroda neue Bauverfahren getestet mit einem stärker verdichtetem Belag. „Wir bauen hier die Autobahn der Zukunft“, ist sich Brämer sicher. Seiner Ansicht nach sollten Baufirmen länger für Mängel haften müssen. „Da müsste der Bund aktiv werden und die Gewährleistung auf zehn Jahre hochschrauben.“ Er verspricht sich davon eine höhere Qualität am Bau.

Andreas Hummel und Tino Moritz, dpa

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