Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Bedrohtes Paar in Hoyerswerda: Neonazis flüchten sich vor Gericht in Alkohol-Ausreden

Bedrohtes Paar in Hoyerswerda: Neonazis flüchten sich vor Gericht in Alkohol-Ausreden

Nachdem sie im Oktober 2012 mutmaßlich ein Paar aus Hoyerswerda bedroht haben, verweigerten am Dienstag vor Gericht acht angeklagte Rechtsextreme die Aussage oder leugneten die Tat.

Voriger Artikel
DDR verkaufte Blut von Häftlingen - auch Sachsen und Thüringen betroffen
Nächster Artikel
Stiftung Organtransplantation: Zahl der Spenden auch in Ostdeutschland weiter eingebrochen

Wegen Bedrohung und Beleidigung müssen sich in Hoyerswerda acht mutmaßliche Neonazis verantworten.

Quelle: dpa

Hoyerswerda. Das Paar schilderte als Zeugen noch einmal Bedrohung und Todesangst.

Ronny und Monique können nicht nach Hoyerswerda zurückkehren. Sie leben inzwischen an einem unbekannten Ort, weil sie sich in ihrer Heimatstadt nicht mehr sicher fühlen können. Am 17. Oktober 2012 wollten Rechtsextreme in ihre Wohnung eindringen und drohten, sie fertig zu machen und die Frau zu vergewaltigen. Sie hatten Todesangst. Deshalb tauchten sie unter und kehrten gestern erstmals wieder nach Hoyerswerda zur Verhandlung vor dem Amtsgericht zurück.

php4a3d5999f7201401141958.jpg

Hoyerswerda. Nachdem sie im Oktober 2012 mutmaßlich ein Paar aus Hoyerswerda bedroht haben, verweigerten am Dienstag vor Gericht acht angeklagte Rechtsextreme die Aussage oder leugneten die Tat. Den Männern im Alter zwischen 18 und 36 Jahren wird vorgeworfen, eine damals 33-Jährige und ihren gleichaltrigen Lebensgefährten bedroht und beleidigt zu haben. Das Paar schilderte als Zeugen noch einmal Bedrohung und Todesangst.

Zur Bildergalerie

Dort wurde gestern gegen acht Rechtsextreme verhandelt. Die Beweislast ist erdrückend. Trotzdem schweigen die Beschuldigten, leugnen oder ziehen sich auf Erinnerungslücken wegen angeblichen Vollrausches zurück. Prozessbeteiligte rechnen sie zu den Autonomen Nationalisten Hoyerswerda und anderen szenetypischen Gruppierungen.

Schwarze Gestalten vor der Wohnungstür

Am Abend des 17. Oktobers 2012 klingelte es bei Ronny in der dritten Etage Sturm. Er wusste sofort, so klingeln keine Freunde. Später standen die schwarzen Gestalten vor der Wohnungstür des Paares. Sie schlugen dagegen, riefen Ronny heraus. Der Türspion wurde mit einem Aufkleber verdeckt, das Hauslicht abgestellt. Später fiel das ganze Licht im Haus aus. Ronny und Monique hatten Todesangst. Von unten schrie ein Rechtsextremer, er werde Monique vergewaltigen.

Die Polizei brauchte eine gefühlte Ewigkeit, bevor ein Streifenwagen erschien. Auch als zwei Beamte vor Ort waren, ließen die Bedrohungen nicht nach, so erzählen es die Betroffenen. Für die Ankündigung, die Personalien aufzunehmen, ernteten die Beamten nur Gelächter. Nachdem weitere Einsatzkräfte am Ort erschienen und die Rechtsextremen abgezogen waren, wollten Ronny und Monique vor allem Sicherheit. „Wir standen unter Schock, hatten Todesangst. Ich fragte, wie es weitergehen sollte, ob wir wieder auf die Straße könnten, in der Stadt noch sicher seien." Sie kamen zunächst in einem selbst gewählten Quartier unter. Später riet ihnen die Polizei, die Stadt zu verlassen.

Es sei einfacher, wenn die beiden weggingen, als eine große Gruppe Rechtsextremer zu kontrollieren, sagte ein Polizeisprecher. Dies war als Kapitulation der Stadt vor der starken rechtsextremen Szene gewertet worden. Für die Tat gibt es Zeugen und Spuren. Die Beweislast ist erdrückend. Die Verteidigung will beweisen, dass es mehr ist als Bedrohung und Beleidigung. Schwerer Landfriedensbruch beispielsweise. Dann kämen die acht nicht mit niedrigen Haftstrafen oder gar Bewährung davon.

Angeklagter: „Das ist eine Sauerei, das wollten wir klären"

Sie hatten es auf Ronny abgesehen, weil dieser regelmäßig mit seiner Freundin durch Hoyerswerda ging und Nazi-Aufkleber von Masten und Wänden entfernte. Zudem hatte er Fotos von Rechtsextremen ins Internet gestellt. „Das ist eine Sauerei. Das wollten wir klären", sagte einer der Hauptbeschuldigten laut Aktenvermerk der Polizei.

Gestern mochte er sich daran nicht mehr erinnern. Er gab vor, betrunken gewesen zu sein. Er habe am besagten Abend gestützt werden müssen von Kumpanen. Nur die Glühbirne für das Hauslicht habe er herausdrehen können. Sonst sei nichts gewesen.

Der Gerichtssaal des Amtsgerichts war gestern auch ein Mikrokosmos der Hoyerswerdaer Verhältnisse. Acht dunkle, teils kräftige Gestalten in Szenekleidung saßen dem Opferpaar gegenüber. Unter den Zuschauern Vertreter von antifaschistischen Initiativen und rechten Gruppen. Mitunter kam es zu heftigen Wortgefechten.

Verhandlung wird in zwei Wochen fortgesetzt

Die Atmosphäre in Hoyerswerda war bereits zu Beginn angespannt, weil einer der Hauptbeschuldigten nicht erschienen war. Er musste erst durch Polizeibeamte in den Gerichtsaal geholt werden. Das verursachte zweieinhalb Stunden Verzug.

In der Folge schaffte es das Gericht gestern nicht, alle Zeugen wie geplant zu vernehmen. Die Verhandlung wird in zwei Wochen fortgesetzt. Dann wird auch das Urteil erwartet.

Andreas Friedrich

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Digital Abo

    "LVZ Digital Abo" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kön... mehr

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr