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Belantis-Chef Job fordert mehr Profil für das Neuseenland - Freizeitpark will wachsen

Belantis-Chef Job fordert mehr Profil für das Neuseenland - Freizeitpark will wachsen

Veränderungen bei den Gesellschaftern des Freizeitparks Belantis deuten auf ein baldiges Wachstum der Anlage. Konkrete Investitionssummen gibt es dafür noch nicht.

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Belantis-Geschäftsführer Nikolaus Job (Archivfoto)

Quelle: André Kempner

Leipzig. Belantis-Geschäftsführer Nikolaus Job lässt aber im LVZ-Interview keinen Zweifel daran, dass er mit der Entwicklung des Neuseenlands unzufrieden ist. Er plädiert dafür, die vier Seen südlich von Leipzig zum überregionalen Tourismusziel auszubauen. Für Job steht die Entwicklung des Neuseenlands am Scheideweg. Alle Beteiligten müssten sich jetzt zu einer klaren Leitidee bekennen und für diese auch finanziell in Vorleistung gehen. Es seien Investitionen in Hotels, Freizeitattraktionen und Entertainment nötig, um überregionale Touristen anzulocken. Das schaffe Arbeitsplätze und sorge für neue Wirtschaftskraft.

Mit seinen Ideen trifft Job nicht nur auf Zustimmung. Landrat Gerhard Gey, auch Sprecher der Steuerungsgruppe Neuseenland plädiert für einen Mittelweg zwischen Tourismus und Naherholung, der dem Charakter der Region gerecht wird. „Wir brauchen sowohl das eine als auch das andere", erklärte er gegenüber der Leipziger Volkszeitung. Das entspreche auch der allgemeinen Ansicht. „Die Landschaft muss wachsen", erklärte Gey. Man dürfe dabei nicht übers Ziel hinausschießen.

Frage:

Es gibt einen neuen Mehrheitseigentümer bei Belantis. Was bedeutet das für die Zukunft des Freizeitparks?

Nikolaus Job:

Mit der Masqueradio GmbH und Erwin Linnenbach als neuem Mehrheitsgesellschafter erwarten wir eine eindeutige Ausrichtung des Unternehmens auf Wachstum. Für Belantis und unser direktes Umfeld eine sehr gute aktuelle Nachricht, denn Pläne und gute Ideen für den Freizeitpark und das Leipziger Neuseenland haben wir reichlich.

Sie klingen, als ginge es Ihnen nicht schnell genug?

Ich habe den Eindruck, jeder Bürgermeister arbeitet zunächst einmal für seine Kommune. Das ist legitim, weil sein konkreter Auftrag. Und wahrlich ist mit der Grundsanierung der ehemaligen Braunkohleabbaugebiete viel erreicht worden. Wir stehen nun aber an einem Scheideweg. Wollen wir, dass viele Menschen diese Region und seine Angebote besuchen oder nicht. Hier fehlt es an zukunftsweisenden Ideen die eine überregionale Vermarktung ermöglichen. Wo ist die Leitidee, wo der gemeinsame Wille?

Die Entwicklung des Neuseenlandes in Bildern:

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Leipzig. Seit Samstagvormittag sind Markkleeberger See und Störmthaler See offiziell über eine Schleuse verbunden. Um 10 Uhr nahmen Sachsens Umweltminister Frank Kupfer (CDU), Markkleebergs Bürgermeister Philipp Staude und weitere Granden aus Politik und Wirtschaft die sogenannte Kanuparkschleuse in Betrieb. Künftig können somit Boote über einen Kanal zwischen den Seen hin- und herfahren.

Zur Bildergalerie

Rund um Leipzig entsteht eine einzigartige Seenlandschaft für verschiedenste Nutzungen. Das wird die Region enorm aufwerten. Genügt das nicht?

Wenn man sich darauf verlässt, vergibt man Möglichkeiten. Die Kernfrage für mich ist: entsteht hier ein innovatives und attraktives Tourismusziel oder bleibt es bei einem monothematischen Naherholungsgebiet ohne Alleinstellungsmerkmale? Wollen wir eine Million Touristen pro Jahr oder nicht? Diese Fragen sind nicht beantwortet.

Was wollen Sie?

Naherholung bieten die Seen automatisch. Aber die Leitidee muss die Entwicklung einer touristischen Destination mit nationaler Ausstrahlung sein. Das schafft Arbeitsplätze. Tausende. Das geht nur mit Großinvestoren, die kommen aber nur, wenn sie eine Tourismusausstrahlung mit Alleinstellungsmerkmalen erkennen. Bisher gibt es außer dem Kanupark der Stadt Markkleeberg und dem privat finanzierten Belantis nichts mit Strahlkraft für überregionalen Tourismus. Ich zweifle nicht, dass dies funktioniert. Die Frage ist: Wollen wir hier Unternehmen haben, die privates Geld investieren, für neue Wirtschaftskraft sorgen und nachhaltige Arbeitsplätze schaffen?

Teilt man in Leipzig und Umgebung Ihre Ansicht?

Ich habe mit vielen gesprochen, finde offenes Gehör, erfahre auch grundsätzlich Zustimmung. Dann kommt das Aber: Ein Konsens und der Interessenausgleich zwischen allen Beteiligten müsse hergestellt werden. Das sei schwer. Wie soll dann Profilschärfe entstehen?

Woher sollen welche Touristen kommen?

Aus ganz Deutschland. Der aktuelle Trend heißt nationaler Kurztourismus. Die Kernzielgruppe Nummer eins ist die Familie. Immer öfter machen Familien Kurzurlaub, an Brückentagen, sie wollen mal vier Tage raus. Wir können die Metropolangebote Leipzigs kombinieren mit Strand, Wassersport, Vergnügung, Ferienhaus, Erholung. Die Mischung macht es und durch die unmittelbare Anbindung an die attraktive Großstadt Leipzig ist dies ein Alleinstellungsmerkmal. Es darf keinen in der Familie geben, der nichts für sich findet. Doch wenn man überregionalen Tourismus will, reicht es natürlich nicht, wenn man Radwege um Seen baut und ein Eiscafe ansiedelt. Dann braucht man überregional relevante Investitionen.

Was verstehen Sie darunter?

Wir brauchen neben den natürlichen Seen weitere Attraktionen die möglichst ganzjährig betrieben werden können. Also benötigen wir ganzheitliche Ansätze wie sie etwa Clubhotelanlagen anbieten. Dort kann die Familie unter einer Vielzahl von Angeboten wählen, Entspannung, Unterhaltung und Aktivität werden ausgewogen angeboten. Jeder sucht sich dann das aus, was ihm oder ihr gefällt. Belantis ist dabei sicher ein wichtiger Baustein. Um im Wettbewerb der touristischen Regionen zu bestehen wird der konzentrierten Vermarktung eine wesentliche Rolle zukommen.

Sind diese Erwartungen nicht überzogen?

Nicht, wenn man das Kleeblatt aus Cospudener, Zwenkauer, Markkleeberger und Störmthaler See mit der Nähe zu Leipzig und der guten Autobahnanbindung in den Fokus nimmt und hier gebündelt und konsequent investiert. Die übliche Gießkannenstrategie muss dafür über Bord geworfen werden. Die Kommunen müssen dafür ins Risiko gehen. Wenn man den großen Wurf will, muss man auch im großen Stil investieren. Einen Zufallstreffer wird man nicht landen.

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Der Freizeitpark Belantis aus der Luft

Quelle: André Kempner

Wie meinen Sie das?

Nehmen Sie zum Beispiel den Leipziger Zoo: Stellen Sie den Bezug zwischen Besucherzahlen und Investitionssummen her. Mit dem teuren Bau von Gondwanaland wurde ein Reiz gesetzt. Seitdem steigen die Besucherzahlen und bleiben ganzjährig hoch. Das ist die Reaktion auf den Reiz. Und dafür brauchen Sie einen charismatischen Projektleiter wie den Zoochef Dr. Jörg Junhold.

Braucht Ihre Idee solch ein Gesicht?

Man braucht einen professionellen und erfahrenen Projektentwickler. Einen, der diplomatisch ist, sich aber notfalls mit allen anlegt, die ihn bei der Erfüllung seines Auftrages behindern.

Hätten Sie dafür lieber eine andere Marke als den Begriff Neuseenland?

Damit Menschen verstehen was wir mit touristischer Destination meinen, braucht das Leipziger Neuseenland ein klares Profil. Wir brauchen Profil statt Konsens.

Warum kann man nicht auf natürliches Wachstum vertrauen?

Weil dann unnötig Zeit verstreicht. Mir geht es nicht konsequent genug. Wenn diese Frage nicht bald entschieden ist, werden die Endwasserstände der Seen erreicht und Fördermittel aufgebraucht sein. Dann wird es für jeden Investor schwieriger.

In welchem Zeitraum soll der Schub kommen?

Die Idee muss im nächsten Jahr stehen. Dann müssen wir uns beeilen, die Partner zu finden, damit 2020 hier was steht. Denn dann sind alle Messen gesungen. Die Förderung wird ganz schwierig. Alle haben sich an das bestehende Bild gewöhnt und werden neuen Entwicklungen nicht so aufgeschlossen gegenüber stehen, wie jetzt, wo noch alles in Bewegung ist.

Wie viel Eigennutz steckt hinter Ihrem Engagement?

60 Prozent der Freizeitparks in Deutschland liegen in touristisch relevanten Gebieten.

Andreas Friedrich

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