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Biedenkopf: Deutschland profitiert von Ost-Umbrucherfahrung

Biedenkopf: Deutschland profitiert von Ost-Umbrucherfahrung

Der frühere sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) hält die Umbrucherfahrungen der Ostdeutschen für unverzichtbar bei der Bewältigung künftiger Herausforderungen.

Dresden. „Es wäre ein großer Fehler, das Wissen und Können von Menschen im Osten nicht zu nutzen“, sagte er am Sonntag bei einer Feierstunde zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit und der Wiederherstellung des Freistaates Sachsen im Dresdner Landtag. „Sie haben einen wirklichen Vorsprung; ihre tiefgreifende Erfahrung mit dem Umbruch und das Gefühl, dass sie diesen gemeistert haben“. Sie hätten bewiesen, dass sie solche Umwälzungen leisten könnten, ohne daran zu zerbrechen, „mit vielen Opfern verbunden, aber gelungen“.

Es sei keine Wende im üblichen Sinn gewesen. „Es war die bisher einzige friedliche Revolution der Deutschen gegen Gewaltherrschaft in ihrer Geschichte.“ Dieses „Wunder“ sei zudem weit mehr als der erste Schritt zur Entstehung eines geeinten Deutschlands gewesen. „Es war zugleich das Ende des Kalten Krieges und der Nachkriegszeit.“ Dass die Wiedervereinigung Deutschlands ohne Veto der beiden Weltmächte und der europäischen Nachbarn erfolgte, „ist ebenfalls ein Wunder“.

Die Entwicklung des geeinten Deutschlands dürfe nicht länger unter Ost-West-Perspektive gesehen werden. „Denn es erweist sich, dass die Bundesrepublik nicht nur Ost-West-, sondern auch Nord-Süd- Unterschiede hat“, erklärte Biedenkopf und empfahl, den Blick mehr in die Zukunft zu richten. „Wir sollten uns in praktisch-nüchterner Arbeit an die Überwindung der Teilungsfolgen machen und die bundesdeutschen Leistungen aller Deutschen in Ost und West bewerten.“

Die Freiheit eines wesentlichen Teils der Bürger sei der größte Gewinn für Ost- und Westdeutschland. Die Vorteile des Westens aus der Wiedervereinigung würden aber kaum betrachtet, sagte Biedenkopf unter Verweis auf zu DDR-Zeiten vertriebene Erfolgsunternehmen wie Audi oder Zeiss. Vor diesem Hintergrund und angesichts der gemeinsamen Aufgaben müsse eine Gesamtbilanz der Entwicklung in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg gezogen werden.

Die Kraft freier Bürger, die ihr Leben und das Schicksal ihres Landes in die eigenen Hände nehmen, machten das vereinte Deutschland zu einer Erfolgsgeschichte, sagte Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). „Wir leben in Freiheit die Einheit.“ Dies verdanke Sachsen auch den Landsleuten im Westen. „Sie alle haben einen Teil ihres Wohlstandes abgegeben und uns damit geholfen, die Chancen der Freiheit zu ergreifen.“

Sachsen feiert am Tag der Deutschen Einheit in diesem Jahr doppelt. Am 3. Oktober begeht das Land zugleich den 20. Geburtstag seiner Wiedergründung als Freistaat. Zum Bürgerfest in Dresden mit Festmeile vom Landtag bis zum Regierungsviertel werden rund 40.000 Menschen erwartet.

Während sich die drei „Revolutionsstädte" Dresden, Leipzig und Plauen direkt am Landtag präsentieren, steht der Chemnitzer Pavillon auf der anderen Elbseite. Der Landtag bietet einen Blick hinter die Kulissen, die Staatskanzlei zeigt Geschenke aus dem In- und Ausland an die Ministerpräsidenten. Am Stand des Finanzministeriums dreht sich erwartungsgemäß alles ums Geld - der Besucher kann beim Quiz oder Glücksrad Kasse machen, das Justizministerium präsentiert Waren, die in den Gefängnissen hergestellt werden: darunter Laufgitter für Kinder und Räuchermänner.

Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) sprach in einer Botschaft zum Doppeljubiläum von einer Erfolgsgeschichte. „Auch wenn die Herausforderungen und zahlreiche Veränderungen für die Menschen nicht immer einfach waren, haben die Sachsen in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine beeindruckende Aufbauarbeit geleistet und den Freistaat zu einem Vorzeigeland in Deutschland gemacht." Auch nach den Worten von Landtagspräsident Matthias Rößler gibt es allen Grund zu feiern. „Wir können stolz sein auf die Entwicklung, die unser Land seit 1990 genommen hat." Die wird auch mit einer Fotoausstellung in der Staatskanzlei dokumentiert.

In Leipzig wird die Deutsche Einheit erst am 9. Oktober groß gefeiert: beim Lichtfest 2010.

dpa/midi

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