Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 3 ° stark bewölkt

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Bilderberg-Konferenz: Getönte Scheiben und viel Polizei

Kaum Proteste Bilderberg-Konferenz: Getönte Scheiben und viel Polizei

Kein Grund zur Aufregung am Ankunftstag: In der Dresnder Altstadt hat die Bilderberg-Geheimkonferenz begonnen. Der groß angekündigte Protest blieb aus, die ausgesuchten Gäste, unter ihnen Ex-US-Außenminister Henry Kissinger, verschwanden schnell im Hotel.

Kaum Protest vor dem Tagungshotel: Die Bilderberger-Konferenz in Dresden begann ruhig.

Quelle: Aaron Wörz

Dresden. Die Stimmung in der Altstadt von Dresden war seltsam am Donnerstagabend. Gepanzerte Limousinen mit schwarz getönten Scheiben, dazwischen viele englisch sprechende Journalisten und Fotografen, ein dauerhaft lautstarker Lautsprecher und zahlreiche Polizisten bestimmten das Stimmungsbild am ersten Tag der Bilderberg-Konferenz in der sächsischen Landeshauptstadt. Der groß angekündigte Protest jedoch blieb aus.

Gerade mal rund 20 Personen standen bei der Mahnwache für Frieden auf dem Theaterplatz, und keine zehn Leute fanden sich auf dem Postplatz ein, wo eine Gruppe von Privatpersonen gegen die Bundesrepublik Deutschland, die Bilderberg-Konferenz und für einen Austritt aus EU sowie Nato demonstrierte. Am Abend trafen sich nochmals rund 40 Menschen nach einem Aufruf des NPD-Kreisverbands auf dem Postplatz, und auch auf dem Theaterplatz mobilisierte die Linke gemeinsam mit „Die Partei“-Vertretern zumindest 50 Protestler.

Trotzdem hatten sich die Veranstalter der Mahnwache für den Frieden schon am Morgen äußerst zufrieden gezeigt: „Unser Ziel ist, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und sie über die Intransparenz, Korruption und das Demokratiedefizit dieses Treffens aufzuklären, nicht grölend vor dem Hotel zu stehen.“

Das hätte sich auch schwierig gestaltet – denn jedes Anzeichen von Unruhestiftung wurde von der Polizei sofort unterbunden. Zwei eigens aus Großbritannien angereiste und verhältnismäßig lautstarke Gegner der Konferenz mussten ihre Plakate abgeben und wurden später sogar im Polizeiwagen abtransportiert. Zwischen den Schaulustigen tummelten sich immer wieder auch einige Widersacher, die versuchten, unterschiedlichste Verschwörungstheorien unter den Anwesenden zu verbreiten.

Schwarze Luxuswagen

Auffällig war auch die Anwesenheit vieler Journalisten aus Großbritannien und den Niederlanden, die schon seit Jahren immer im Juni an den jeweiligen Konferenzort reisen. So auch der Reporter Charlie Skelton von der britischen Tageszeitung „The Guardian“, der die Tagung seit mehreren Jahren kritisch verfolgt: „Durch Zufall bin ich damals auf die Konferenz aufmerksam geworden, indem ich die prominente und einflussreiche Teilnehmerliste angeschaut habe und dachte: Wieso wird darüber nicht groß in den Medien berichtet?“

Wie von den anderen anwesenden Journalisten war von ihm vor allem Geduld gefragt. Fast ununterbrochen fuhren schwarze Luxuswagen von einem Shuttle-Service um das Hotel, manchmal leer und manchmal mit wichtigen Insassen. Gegen zehn Uhr am Vormittag war Klaus Kleinfeld, Manager des Aluminium-Konzerns Alcoa, der erste Teilnehmer, der vom Portier am Eingang des noblen Tagungshotels Taschenbergpalais begrüßt wurde. Nach und nach trudelten die anderen Eingeladenen ein, verschwanden aber meist schnellen Schrittes im Hotel. Entspannt dagegen gaben sich die Technologie-Unternehmer Peter Thiel (Finanzier des Zahlungssystems PayPal), Demis Hassabis (Programmentwickler für künstliche Intelligenz) und Alex Karp (Besitzer des Softwareunternehmens Palantir Technologies). Die Manager stiegen mit Sonnenbrille und zum Teil winkend aus ihren Fahrzeugen und hatten Yoga-Matten im Gepäck.

Später am Nachmittag war der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger im abgedunkelten Van mit Berliner Kennzeichen vorgefahren, jedoch bewusst von Sicherheitspersonal und Gepäckwagen so versteckt, dass kaum jemand einen Blick erhaschen konnte.

Der niederländische König Willem-Alexander war beim Eintreffen wenigstens für einen Moment zu sehen (unser Foto), die drei teilnehmenden deutschen Minister Ursula von der Leyen, Wolfgang Schäuble und Thomas de Maizière (alle CDU) dagegen gar nicht. Alles in allem war es ein beschaulicher und friedlicher Auftakt der viertägigen Konferenz – offen ist, ob das bis zum Sonntag so bleibt.

Aaron Wörz

 

Taschenberg 3, 01067 Dresden 51.05189 13.73632
Taschenberg 3, 01067 Dresden
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr

  • 24 Stunden in der Region

    Firmen und Unternehmen in der Region Leipzig stellen sich vor. mehr

  • TAW - Technische Akademie Wuppertal
    TAW  - Technische Akademie Wuppertal

    Ein Werbespecial der LVZ für die Technische Akademie Wuppertal mit Infos zum breitgefächerten Angebot. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr