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Bildungsempfehlung im Visier - Geplante Verschärfung sorgt für heftige Reaktionen

Bildungsempfehlung im Visier - Geplante Verschärfung sorgt für heftige Reaktionen

Gegen die in dieser Zeitung exklusiv veröffentlichten Pläne der schwarz-gelben Koalition, den Übergang von der Grund- beziehungsweise Mittelschule aufs Gymnasium neu zu regeln, formiert sich Widerstand.

Dresden. Vor allem die Verschärfung der Bildungsempfehlung von 2,5 auf 2,0 nach Klasse 4 sorgt für Kritik. Es war ein Dementi, das keines war. Kultusminister Roland Wöller (CDU) musste sich am Dienstag zähneknirschend zum Thema Bildungsempfehlung äußern - obwohl er es gar nicht wollte. Grund: Zuvor waren Ergebnisse interner Beratungen der CDU/FDP-Bildungspolitiker durchgesickert, und die Lesart war klar: Es läuft auf eine 2,0 als neue Messlatte für den Übergang aufs Gymnasium nach Klasse 4 hinaus. Aber der Ressortchef hatte halt noch nicht mit allen Beteiligten gesprochen - und fürchtete deren Unmut.

Heraus kam das, was man Umschiffen des Kernproblems nennt. Zwar bestätigte Wöller ein paar Details - dass Sachkunde als drittes relevantes Fach nach Klasse 4 eingeführt wird; oder dass es auf Englisch nach Klasse 6 hinausläuft. Dann aber bat er "um Verständnis, dass wir über Zwischenstände nicht informieren". Ein eindeutiges Dementi sieht anders aus.

Während sich Wöller am Dienstag noch zierte, gingen Opposition und Gewerkschaft den Ressortchef vorsorglich an. "Nun ist die Katze aus dem Sack: Mit der bekannt gewordenen Einigung innerhalb der CDU/FDP-Landesregierung verschärft die Koalition bestehende Bildungsbenachteiligungen und verschleudert Potenzial", sagte die SPD-Bildungspolitikerin Eva-Maria Stange. Für viele Kinder komme der Test "viel zu früh", so die Ex-Ministerin, der Plan sei Ausdruck einer "ungerechten Elite-Politik, die in blindem Leistungswahn und falschem Ehrgeiz den Zugang zum Abitur erschwert".

Das hatte schon den Charakter einer Frontalattacke, doch auch die Lehrergewerkschaft GEW ließ sich nicht lumpen. "Von einer solchen Verschärfung halten wir gar nichts", meinte GEW-Landeschefin Sabine Gerold. Nötig sei vielmehr ein "offener Zugang zum Gymnasium". Gleichzeitig kündigte sie Widerstand an. "Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Plan durchsetzbar ist."

Ähnlich sieht die Bildungspolitikerin der Linken, Cornelia Falken, die Lage. "Das Vorhaben ist gleich in zweifacher Hinsicht Unsinn, volkswirtschaftlich und pädagogisch." Sachsen brauche mehr Fachkräfte und Akademiker, eine Verschärfung des Notendurchschnitts sei da fatal. Auch die Grünen sehen ein "falsches Signal". "Die Schulpolitik von Minister Wöller atmet den Geist des Aussortierens, nicht des Förderns", meinte Bildungspolitikerin Annekathrin Giegengack.

Am Montag war bekannt geworden, dass Schwarz-Gelb sich in interner Runde darauf geeinigt hatte, die Bildungsempfehlung zu modifizieren. Als Grundlage dient der Schnitt in den Fächern Mathe, Deutsch und Sachkunde, das Ganze soll mit dem Schuljahreswechsel 2011/12 erfolgen. Neu ist auch eine zweite Bildungsempfehlung nach Klasse 6. Neben Mathe und Deutsch wird hier künftig die erste Fremdsprache zu Grunde gelegt, also in der Regel Englisch. Darüber hinaus soll in dieser zweiten Stufe der gesamte Notendurchschnitt hinzugezogen werden. Hier allerdings hat sich die schwarz-gelbe Regierung noch nicht geeinigt, ob der Schnitt bei 2,0 liegen oder nur "besser als 2,5" sein soll.

Jürgen Kochinke

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