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Bio-Eier: Eine Frage der Hühner- Haltung - Report vom Geflügelhof Großenhain

Bio-Eier: Eine Frage der Hühner- Haltung - Report vom Geflügelhof Großenhain

Der Skandal um falsch deklarierte Bio-Eier hat Sachsen erreicht. Die Verbraucher wird er stärkersensibilisieren und das Kaufverhalten beeinflussen. Davon jedenfalls geht Alexander Riedel vom Geflügelhof Großenhain aus.

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Alexander Riedel (33) prüft das Aussehen der Eier.

Quelle: Andreas Dunte

Der Familienbetrieb denkt über Bio-Haltung nach.

Guten Tag", sagt Christian Riedel. "Die Hand kann ich ihnen aber nicht reichen - bin erkältet." Eigentlich sei er nur auf den Geflügelhof gekommen, um im dazugehörigen Bauernladen ein Suppenhuhn zu holen. Sagt es und dreht schniefend ab. "Vater schwört auf seine Hausmittelchen, heiße Hühnersuppe gehört dazu." Der Händedruck von Juniorchef Alexander Riedel ist kräftig. Als Landwirt muss man mit anpacken können. "Kommen Sie, wir gehen zu den Ställen."

Der Weg führt vorbei an schneebedeckten Wiesen mit einigen Bäumen und Hecken - bei besserem Wetter der Auslauf für die Hühner in Freilandhaltung. "Käfighaltung war für Vater nie eine Option." Christian Riedel hat 1991 mit 11000 Legehennen angefangen. Der Betrieb ging aus der örtlichen LPG Tierproduktion hervor. Heute hat der Standort Großenhain Platz für 40000 Legehennen. Picken und scharren können sie auf einer Freifläche von18 Hektar. Die Riedels haben sich an weiteren Betrieben beteiligt - in Sachsen, aber auch in Mecklenburg-Vorpommern. "Wichtig bei der Auswahl der Höfe war immer, dass genügt Freifläche da ist, dass artgerechte Haltung möglich ist." Schließlich stünden jeder Henne in der Freilandhaltung vier Quadratmeter zu. Weniger Platz sollte es nicht sein, meint der Hühner-Experte. Der Auslauf muss groß genug sein, damit die Grasnarbe stets wieder nachwachsen kann.

Einige Hühner stehen im überdachten Auslauf, der große Rest ist im Stall. "Bei dem Wetter lassen wir sie drin", erklärt der Juniorchef und reicht mir im Vorraum zum Stall einen Schutzanzug sowie Überzieher für die Schuhe. Das Gegacker hinter der Eisentür ist groß. Das braune Federvieh kann sich auf drei Etagen bewegen. Spezielles Licht soll die Bedürfnisse der Hennen berücksichtigen, sagt Alexander Riedel. "Rot für Ruhe, Grün für Bewegung." Und in der Tat: Unter den roten Lampen hocken die Hennen eher ruhig beisammen, während unter dem grünen Licht allerhand los ist. Mit Kunstlicht steigert der Züchter die Legeleistung - denn von Natur aus legen Hühner im Winter deutlich weniger Eier als im Sommer.

Die Riedels setzen auf Hennen der Züchtung Lohmann Braun, weil sie nicht nur in der erforderlichen Menge und Qualität Eier legen. "Sondern sie legen sie auch ins Nest." Der Juniorchef zeigt auf eine Reihe von Nestern und auf ein Förderband, das die Eier direkt in den Packraum transportiert.

Trotz der großen Menge gibt es keinen Gestank im Stall, auf dem Boden liegen Stroh und Sand, keines der Tiere hat abgefressene Stellen. Im Gegenteil, das Federkleid ist fest und sauber.

Alexander Riedel kann nicht verstehen, warum einige Züchter zu viele Legehennen auf zu wenig Platz halten. "Nicht artgerechte Haltung macht überhaupt keinen Sinn. Hennen, die sich nicht wohl fühlen, legen weniger oder keine Eier." Obwohl ihm das Wohl der Tiere sichtlich wichtig ist, kommen ihm Floskeln wie die von den glücklichen Hühnern nicht über die Lippen. Der Familienbetrieb mit immerhin 50 Mitarbeitern läuft nur, sagt er, wenn die Hennen viele Eier und diese in bester Qualität legen. Um die scheint es gut bestellt, denn der Hofladen, den die Riedels seit 2008 betreiben, ist rege besucht. Neben Eiern, Eierprodukten wie Nudeln und auch Eierlikör, werden Fisch, Wurst und Fleisch, Weine, Obst und Gemüse von benachbarten Produzenten angeboten. Auch auf Wochenmärkten verkaufen die Großenhainer Geflügelzüchter ihre Produkte. "Davon leben könnten wir aber nicht", sagt Riedel Junior. Größter Abnehmer ist der Einzelhandel. "Wir beliefern den Konsum Dresden mit seinen 40 Filialen, ferner Edeka und Rewe-Märkte." Weil die Handelsketten von ihren Lieferanten möglichst das komplette Sortiment wollen, kaufen die Riedels Bio-Eier von einem Hof aus Mecklenburg-Vorpommern zu. Der Anteil ist bescheiden, was an der geringen Nachfrage liegt. Laut sächsischem Geflügelwirtschaftsverband sind 0,8 Prozent aller Eier, die im Einkaufswagen landen, aus ökologischer Zucht. Eier aus Freilandhaltung kommen auf elf Prozent Zuspruch, die aus Kleingruppenhaltung (Käfighaltung) auf vier. Die meisten Eier werden aus Bodenhaltung nachgefragt (85 Prozent), sie sind preiswerter als die aus Freilandhaltung. Auch die Riedels liefern Eier aus Bodenhaltung. Die Bedingungen in den Ställen seien ähnlich wie bei der Freilandhaltung, nur dass die Tiere keinen Auslauf haben.

Der Skandal um Bio-Eier, glaubt Alexander Riedel, wird die Kunden nicht abschrecken und ihr Kaufverhalten beeinflussen. "Bio ist im Kommen, deshalb denken wir seit einiger Zeit auch über Bio-Haltung nach", sagt der 33-Jährige. Die Planungen für den Aufbau neuer Ställe seien weit vorangeschritten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.02.2013

Andreas Dunte

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