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Biologin warnt: Alle Voraussetzungen für eine Plage sind gegeben

Mit der Sonne kommen die Stechmücken Biologin warnt: Alle Voraussetzungen für eine Plage sind gegeben

Sollte es weiterhin so sonnig und warm bleiben und dabei genügen regnen, so könnte Sachsen schon bald eine Mückenplage drohen - das sagt Mückenexpertin Doreen Walther.

Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), hier auf menschlicher Haut zu sehen, gehört zur Familie der Stechmücken.

Quelle: dpa

Müncheberg/Dresden. „Die Ampeln stehen auf grün“, sagt die Biologin Doreen Walther, Mückenexpertin im Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) im brandenburgischen Müncheberg. Walther bezieht sich dabei auf eine drohende Mückenplage in Sachsen – vorausgesetzt, es bleibt weiterhin sonnig, warm, und es fallen genügend Niederschläge. „Mücken lieben es feucht und warm“, sagt Walther, „wenn eine Säule davon wegbricht, wird es für die Mücken schwer, aber momentan sieht es nicht danach aus.“ In Sachsen, vor allem entlang der Elbe, seien genügend Larven vorhanden, so dass es zu einem massenhaften Auftreten der Blutsauger kommen könnte. „Allerdings saugen nur die Weibchen Blut“, ergänzt die Biologin, „weil sie das darin enthaltene Protein für die Bildung der Eier benötigen.“ Dabei sei aber auch egal, ob von Mensch oder Tier.

Neben dem üblichen Vorkommen der Frühjahrs- und Sommermücken seien vor allem Überflutungsmücken für eine eventuelle Plage entscheidend. Das heißt, die Weibchen dieser Arten legen ihre Eier an trockene Bäche und Wasserläufe ab. Steigt das Wasser, ist dies für die Larven das Startsignal zu schlüpfen. 300 bis 350 Eier seien das in etwa pro Ablageplatz. Da die befruchteten Keimzellen dort mehrere Jahre überdauern können, komme es in niederschlagsreichen Jahren zu einem vermehrten Mückenvorkommen, so Walther.

Asiatische Tigermücke bereits in Thüringen vorgekommen

Dem feuchten Wetter geschuldet, erhielt das Mückenlabor bis dato bereits 650 Einsendungen mit knapp 2500 Mücken. Das sei verhältnismäßig viel. Im Vergleich: Im gesamten Jahr 2016 waren es 7500 Einsendungen mit 350 000 Tieren. „Wir nehmen dankbar jede Mücke an“, sagt die 48-Jährige, „denn wir wollen wissen, wann und wo Mücken aktiv sind.“ Beispielsweise seien so die Asiatische Buschmücke und die Asiatische Tigermücke in den Vorjahren bereits in Thüringen und Baden Württemberg registriert worden.
Walther arbeitete eng mit dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit in Braunschweig zusammen. Dessen Experten untersuchen, ob und welche Mücken welche Krankheitserreger übertragen können. Die Asiatische Tigermücke stehe beispielsweise im Verdacht, das Zika-Virus übertragen zu haben. Grundsätzlich in der Lage dazu wäre sie, sagt die Biologin. Die Mücke an sich sei aber per se ohne Krankheitserreger. Für eine Übertragung komme es immer darauf an, welche Art mit welchem Erreger zusammen trifft.
Walther und ihre Kollegen bitten darum, dass ihnen weiterhin Mücken ins Labor nach Müncheberg geschickt werden. Darauf baue die Forschung der Institute auf.„In Sachsen gibt es da noch Nachholebedarf“, sagt sie – und bietet einen Anreiz: Jeder bekommt ein Antwortschreiben mit Bestimmungsergebnis und auf Wunsch erscheint der eigene Namen auf der Sammlerkarte der Internetseite.
Anhand dieser Karte kann das Labor feststellen, ob und wohin die Mücken wandern. Die bisher einzige in Sachsen festgestellte Tigermücke wurde aus Leipzig eingesandt, berichtet Walther. Dass sie sich in Mitteldeutschland bereits angesiedelt hat, könne die Biologin nicht sagen, dafür müssen mindestens drei Generationen nachgewiesen werden. Sie geht jedoch davon aus, dass dies in einigen Jahren soweit ist.

Bisher keine Beschwerdenbeim Ministerium

Dem in Sachsen zuständigen Ministerium für Soziales und Verbraucherschutz liegen bisher keine Beschwerden oder Meldungen über eine Mückenplage vor, sagt Pressereferentin Katja Naumann. „Problematisch mit Hinblick auf den Infektionsschutz wird jede Art von erhöhtem Aufkommen einer Tierart erst dann, wenn diese Krankheiten übertragen.“ Aber auch ohne die Übertragung von Krankheitserregern könne eine Mückenplage das tägliche Leben beeinträchtigen. Öffentlich festgelegte Vorkehrungen dagegen gebe es keine. Falls es ganz extrem werden sollte, könne sich das Ministerium aber an den Strategien der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) in Südwestdeutschland orientieren, sagt Naumann.
Eine Invasion der Stechmücken könne auch Mückenexpertin Doreen Walther nicht vorhersagen – alle Voraussetzungen dafür seien aber vorhanden.

Von Mathias Schönknecht

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