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Bis zu 50 Cent pro Plastiktüte: Handel macht ab 1. April ernst

Umweltbelastung Bis zu 50 Cent pro Plastiktüte: Handel macht ab 1. April ernst

Für Plastiktüten soll der Kunde ab April zahlen. Die Zahl der Handelseinrichtungen, die sich gegen die Gratis-Tüten aus Kunststoff verpflichten, wächst täglich. Jedes Jahr landen fast sieben Millionen Tonnen Plastikmüll in den Meeren.

Der Verbrauch von Plastiktüten soll gesenkt werden. (Symbolbild)

Quelle: dpa

Leipzig. Der Handel macht ernst: Für Plastiktüten soll der Kunde ab April zahlen. Die Zahl der Handelseinrichtungen, die sich gegen die Gratis-Tüten aus Kunststoff verpflichten, wächst täglich, heißt es beim Handelsverband HDE in Berlin. Jedes Jahr landen fast sieben Millionen Tonnen Plastikmüll in den Meeren, bedrohen das Leben von Seevögeln und Meerestieren. Allein in der Europäischen Union gehen jährlich rund 100 Milliarden neue Plastiktüten über die Ladentheken. Um den Verbrauch zu reduzieren, will das Europäische Parlament den jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von derzeit etwa 200 Kunststofftüten bis 2019 auf 90, später auf 40 senken.

Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 71 Tüten stehen die Deutschen zwar besser da als die meisten anderen EU-Länder, zu hoch ist aber auch das. Mit einer Initiative will der Handel jetzt Nägel mit Köpfen machen. Zum 1. April, so sieht es die freiwillige Vereinbarung des Handels vor, sollen rund 60 Prozent der Tüten in den Geschäften nur noch gegen ein Entgelt abgegeben werden. In den Supermärkten ist das schon jetzt der Fall. Inzwischen lassen sich auch Elektronikketten, Warenhäuser und Textildiscounter immer häufiger die Kunststofftüten bezahlen, sagt HDE-Sprecher Kai Falk. „Innerhalb von zwei Jahren sollen dann 80 Prozent der Plastiktüten in Deutschland kostenpflichtig sein.”

Aus dem Bundesumweltministerium kommen allerdings Zweifel, ob genügend Händler mitmachen. Notfalls müsse ein Gesetz her, drohte Ministerin Barbara Hendricks (SPD). Falk vom HDE ist sich sicher, dass es dieses Schrittes nicht bedarf. „Wir sind im ständigen Gespräch mit der Ministerin, informieren sie über unsere Fortschritte.“ Die geplanten 60 Prozent würden bis April erreicht, so Falk. Beim Kaffeeröster Tchibo und bei der Drogeriemarktkette Rossmann gebe es zum Beispiel die Plastiktüte schon jetzt nicht mehr gratis.

In einigen Filialen der Drogeriemarktkette dm ist dies ebenfalls der Fall. Ab 1. April ist dann in allen dm-Filialen eine Abgabe fällig. Zwischen 5 und 30 Cent je nach Größe der Tasche müssen bald auch Karstadt-Kunden zahlen. So soll es auch bei C&A sein. Die Parfümerie Douglas will die Plastiktüte durch Papiertüten ersetzen. Das sind auch die Pläne vom Schuhhändler Görtz. Die Modekette KiK verzichtet auf Plastiktüten, Peek & Cloppenburg testet das, ebenso der Buchhändler Thalia.

Unabhängig von der aktuellen Diskussion verlangte Saturn bereits vor über einem Jahr in ausgewählten Märkten Geld für Plastiktüten. „Das Ergebnis war mehr als beeindruckend“, sagt Sprecherin Annabell Feith. „Der Tüten-Verbrauch hat sich um rund 80 Prozent reduziert.“ Das Feedback der Kunden sei überwiegend positiv. Mittlerweile würden in nahezu allen Saturn- und Media-Märkten in Deutschland Plastiktüten je nach Größe zu Preisen zwischen fünf und 50 Cent angeboten.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert den freiwilligen Ansatz des HDE als zu kurz gegriffen. Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch fordert die ¬Einführung einer gesetzlichen Abgabe von mindestens 22 Cent. Mit den Einnahmen könnte der Staat eine Menge von Projekten zur Vermeidung von Abfall finanzieren.

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