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Bundesanwaltschaft ermittelt im Polizistenmord und Döner-Morden

Bundesanwaltschaft ermittelt im Polizistenmord und Döner-Morden

Karlsruhe/Heilbronn. Hinter dem Heilbronner Polizistenmord und den sogenannten Döner-Morden steckt wohl die gleiche Gruppe rechtsextremer Täter.

Deshalb übernahm die Bundesanwaltschaft am Freitag die Ermittlungen. „Es liegen zureichende Anhaltspunkte dafür vor, dass die Mordtaten einer rechtsextremistischen Gruppierung zuzurechnen sind“, teilte die Behörde mit. Die Verbindung fanden die Ermittler in einem abgebrannten Haus im sächsischen Zwickau, in dem eine Bande mutmaßlicher Bankräuber jahrelang unerkannt gelebt hatte.

Der Polizistenmord von Heilbronn und die Döner-Morde zwischen 2000 und 2006 folgten stets dem gleichen Muster: Der oder die Mörder kamen am helllichten Tag, schossen ihren Opfern - acht türkischen und einem griechischen Kleinunternehmer - aus nächster Nähe in den Kopf und verschwanden, ohne große Spuren zu hinterlassen. Ganz ähnlich war es am 25. April 2007 in Heilbronn, wo die 22-jährige Polizistin Michele K. mitten am Tag auf einer Festwiese mit einem Kopfschuss getötet wurde. Ihr damals 24 Jahre alter Streifen-Kollege wurde schwer verletzt und lag mehrere Wochen im Koma.

Die Dienstwaffen der Heilbronner Polizisten wurden vor einer Woche in einem Wohnmobil bei Eisenach in Thüringen sichergestellt. In der Wohnung der mutmaßlichen Täter in Zwickau fanden Fahnder zudem die Pistole, mit der die Döner-Morde verübt worden waren. Außerdem entdeckten sie rechtsextreme Propaganda-Videos. Diese beziehen sich auf eine Gruppierung mit dem Namen „Nationalsozialistischer Untergrund“ und enthalten Bezüge zu den Döner-Morden, wie die Nachrichtenagentur dpa aus Ermittlerkreisen erfuhr.

Die beiden Männer, denen mehrere Banküberfälle angelastet werden, begingen nach Polizeiangaben in dem Wohnmobil Selbstmord. Nach den bisherigen Erkenntnissen hatten die Männer und deren mittlerweile verhaftete 36-jährige Gefährtin Beate Z. in den 1990er-Jahren Verbindungen zum rechtsextremen „Thüringer Heimatschutz“. 1998 verschwand das Trio dann aber vom Radar der Verfassungsschützer.

Das Thüringer Innenministerium lässt nun das Vorleben der drei prüfen. Er werde dafür eine Kommission einrichten, die unabhängig vom Verfassungsschutz ermittelt, kündigte Innenminister Jörg Geibert (CDU) an. Polizei und Staatsanwaltschaft in Zwickau hatten bereits am Mittwoch gesagt, ihnen sei das Trio, das unter verschiedenen Namen auftrat, bis zu dem Brand des Hauses gar nicht bekanntgewesen.

Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass die Frau Mitglied in einer terroristischen Vereinigung war. Sie wirft ihr Mord, versuchten Mord sowie schwere Brandstiftung vor. Auch weitere Verdächtige aus rechtsextremistischen Kreisen sollen in die Taten verstrickt sein. Die Ermittler in Nordrhein-Westfalen prüfen außerdem Verbindungen zu ungeklärten Anschlägen, wie Innenminister Ralf Jäger (SPD) sagte.

Zwischen September 2000 und April 2006 waren acht türkische und ein griechischer Unternehmer erschossen worden. Die blutige Spur zog sich quer durch Deutschland: Drei Morde ereigneten sich in Nürnberg, zwei weitere in München, jeweils ein Mord geschah in Hamburg, Rostock, Dortmund und Kassel. Benutzt wurde immer dieselbe Waffe, eine tschechische Pistole der Marke Ceska, Kaliber 7,65.

Im Heilbronner Polizistenmord tappten die Ermittler rund viereinhalb Jahre lang im Dunkeln. Monatelang suchten sie nach einem Phantom. Im März 2009 stellte sich heraus, dass eine vermutete heiße DNA-Spur von verunreinigten Wattestäbchen stammte.

Nach Informationen des SWR glaubt die Polizei inzwischen, dass einer der beiden mutmaßlichen Bankräuber seinen Komplizen erschossen und sich dann selbst getötet hat - weil Polizisten im Anmarsch waren. Beate Z. habe sofort nach dem Tod der beiden Männer deren Familie telefonisch informiert. Die Frau sitzt in Untersuchungshaft. Bislang schweigt sie zu den Vorwürfen. Die Polizei vermutet, dass sie die gemeinsame Wohnung in Brand gesteckt hat, um Beweise zu vernichten.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte am Freitag, schnell nach möglichen Hintermännern und Helfern zu suchen. Sämtliche Hintergründe müssten ausgeleuchtet werden - und zwar „mit allem, was die Sicherheitsbehörden zur Verfügung haben“, betonte GdP-Chef Bernhard Witthaut. „Wenn die Hinweise aus Eisenach und Zwickau zutreffen, hat in Deutschland erstmals eine rechtsextremistische Terrorzelle eine entsetzliche Blutspur hinterlassen“, sagte Witthaut.

Die „Süddeutsche“ (Samstag) berichtete allerdings unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass die Behörden keinerlei Hinweise hätten, dass sich Rechtsextreme nach dem Vorbild etwa der Roten Armee Fraktion (RAF) zusammengeschlossen hätten.

dpa

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