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Bundespräsident Gauck in Sebnitz von wütendem Mob beschimpft

So geht Sächsisch? Bundespräsident Gauck in Sebnitz von wütendem Mob beschimpft

Der Bundespräsident will anlässlich des 116. Deutschen Wandertags durch die Sächsische Schweiz wandern. Doch die auf Tourismus angewiesene Region präsentiert sich alles andere als gastfreundlich: Ein wütender Mob beschimpfte Joachim Gauck in Sebnitz.

Ein wütender Mob aus mutmaßlichen Asylgegnern hat am Sonntag Bundespräsident Joachim Gauck in Sebnitz beschimpft.

Quelle: dpa

Leipzig. «Volksverräter», «Hau ab» schallt es dem Bundespräsidenten auf dem Marktplatz in Sebnitz entgegen. «Das Pack grüßt Gauck» steht auf Bannern und «Willkommen in Dunkeldeutschland». Es ist 116. Deutscher Wandertag in der sächsischen Schweiz und eigentlich ein Routinetermin für das Staatsoberhaupt.

Doch einige Dutzend «besorgte Bürger» nutzen die Gelegenheit, ihren ganzen Hass gegen den Bundespräsidenten und das gesamte «Merkelregime» hinauszuschreien. Montags bei Pegida ein eingeübtes Spiel, jetzt ist er zum Greifen nah. Mittelfinger werden dem Bundespräsidenten entgegengestreckt, hysterisches Geschreie. Von Respekt keine Spur.

Ein starkes Polizeiaufgebot sichert am Sonntag den kurzen Weg Gaucks vom Rathaus zum Marktplatz der knapp 10 000-Einwohner-Kleinstadt. Gauck lächelt bemüht, die Beamten tragen Schutzkleidung. Hinter der Wand aus Polizisten tobt ein Mob von rund 30 Aufgebrachten. Bonbons und Trillerpfeifen werden in Richtung Bundespräsident geworfen. Szenen, die an den Merkel-Auftritt in Heidenau im vergangenen Jahr oder den von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) im Mai in Zwickau erinnern. Auch Gauck hatte bei einem Besuch im März in Bautzen schon Beschimpfungen ertragen müssen.

Sachsen, das Stammland von Pegida, ist für die Repräsentanten des Staates ein schwieriges Feld. «Warum nicht? Das ist eine Minderheit», sagt Gauck, als ein dpa-Fotograf ihn fragt, warum er sich das überhaupt antue. Das muss ein Bundespräsident ertragen, soll es wohl heißen. «Das war nicht eben schön», fasst es seine Sprecherin später zusammen.

Routinert schüttelt Gauck Hände, hält Small Talk und macht Selfies mit den rund 250 Besuchern, die des Wandertags wegen auch nach Sebnitz gekommen sind. Begleitet wird der Bundespräsident von seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt und einem ebenfalls lächelnden sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU).

«Ich finde es beschämend, dass Menschen zusammenkommen, um den Bundespräsidenten persönlich zu beleidigen und zu verunglimpfen», sagt der Landeschef. Er nennt das Verhalten der laut Polizei rund 30 Randalierer unwürdig. «Die übergroße Mehrheit der Sebnitzer und der Gäste haben den Bundespräsidenten mit Applaus und großer Freude begrüsst», betont Tillich.

Am Rande kommt es zu Rangeleien. Einer trägt ein T-Shirt mit dem Aufdruck «Not my President» unter dem Konterfei Gaucks. Polizisten drängen den aggressiven Mann beiseite. Ein anderer bewirft die Beamten mit einem Gegenstand. Als er sich der Gewahrsamnahme entziehen will, wird Pfefferspray eingesetzt. Mindestens ein Umstehender muss behandelt werden. Dutzende Personalien werden aufgenommen. Ob es zu einer strafrechtlichen Verfolgung kommt, wurde noch geprüft.

Rechte Gruppen hatten schon zuvor im Internet mobil gemacht und dazu aufgefordert, den Wandertag zu einem «Spießroutenlauf» für den «Bundesgauckler» zu machen. Die inzwischen von Pegida verstoßene Rechtspopulistin und frühere AfD-Politikerin Tatjana Festerling hatte als «IM Larve» - sie unterstellt Gauck unter diesem Namen mit der Staatssicherheit der DDR kooperiert zu haben - im Internet dazu aufgerufen, zum «Jubeln und Jauchzen» nach Sebnitz zu kommen. «Nur im Land das größte Schwein lässt sich mit der Stasi ein», grölen so dann auch ihre Anhänger beim Wandertag. Ähnliche Vorwürfe gab es auch schon gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der rechten Szene.

Bundesjustizminister Maas nennt die Attacken auf Gauck «erschreckend und verstörend». Es dürfe nicht zugelassen werden, dass eine radikale Minderheit die Deutungshoheit über das gesellschaftliche Klima erhalte. «Das ist eine Aufgabe für alle gesellschaftlichen Kräfte. Auch die bislang schweigende Mehrheit unserer Bevölkerung ist gefordert, die Gardine zurückzuziehen und den Schreiern auf den Marktplätzen zuzurufen: So nicht!»

LVZ

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