Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 18 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Chemnitzer „Schnitzelkrieg“: Verfahren gegen Geldzahlung eingestellt

Chemnitzer „Schnitzelkrieg“: Verfahren gegen Geldzahlung eingestellt

Wie groß dürfen im Restaurant die Schnitzel sein? Dieser Streit - auch bekannt als „Schnitzelkrieg“ - ist am Mittwoch vor dem Amtsgericht in Chemnitz zwar nicht entschieden worden.

Voriger Artikel
Sturmböen bis 100 km/h und starke Regenfälle im Vogtland erwartet
Nächster Artikel
Tillich befürwortet Steuersenkungen - konkrete Vorschläge des Bundes gefordert

Der Gastwirt Gerhard Kaltscheuer hat ein mächtiges Problem: Seine Schnitzel sind zu groß.

Quelle: dpa

Dresden. Ein Prozess wegen Steuerhinterziehung gegen zwei Wirtsleute aus dem vogtländischen Hammerbrücke bei Plauen wurde aber gegen Zahlung von je 1500 Euro eingestellt.

Die Staatsanwaltschaft hatte einem 50-Jährigen und seiner drei Jahre älteren Lebensgefährtin vorgeworfen, von 2006 bis 2008 mehr als 25 000 Euro zu wenig Steuern gezahlt zu haben. Beide sollen laut Anklage statt einiger großer Portionen - wie offiziell angegeben - mehrere kleine verkauft und damit am Fiskus vorbei Geld verdient haben. Das Wirtspaar, das nach eigenen Angaben mit üppigen Schnitzel- und Nudelportionen um Kundschaft kämpft, bestritt die Vorwürfe.

Nach Auffassung der Richterin war die Steuererklärung zwar falsch, die Forderung des Fiskus’ aber zu hoch - ohne allerdings sagen zu können, um welche Beträge es sich dabei im Einzelnen handelt. Der „Schnitzelkrieg“ wird nun das Finanzgericht in Leipzig beschäftigen. Einer der Verteidiger der Wirtsleute hat nach eigenen Angaben vor dem Gericht gegen den Steuerbescheid des Plauener Finanzamtes Klage eingereicht.

„Die Klage ist ungerecht“, sagte Wirt Gerhard Kaltscheuer zu den Vorwürfen des Finanzamtes. Seit 1995 seien sie nicht mehr im Urlaub gewesen und hätten nicht einmal eine Krankenversicherung gehabt. Das Geld reiche hinten und vorn nicht. Den Laden hätten er und seine Partnerin sich von einem Darlehen ihrer Eltern in Höhe von 50 000 Euro aufgebaut. Die Schulden seien noch nicht zurückgezahlt.

Zu seiner Kundschaft gehörten oft Bauarbeiter von nebenan oder Leute vom Forst. „Die haben nicht viel Geld“, erklärte der Wirt. Da könnten die Preise nicht nach Belieben erhöht werden. „Dann bleiben uns die Leute weg.“

Ein Steuerprüfer hatte den Fall ins Rollen gebracht. Der Mann musste vor Gericht einräumen, dass er die vielgerühmten, riesigen Schnitzel-Portionen der „Futter- und Schnitzelstube“ von Hammerbrücke nie zu Gesicht bekommen habe. Aber er habe Prüfer- und Lebenserfahrung. Und so habe er gewusst, dass ein Kilogramm Fleisch sechs Schnitzel ergebe. Das soll ihm der Angeklagte selbst bestätigt haben.

Der Beamte hat sich nach eigenen Angaben die Einkaufsrechnungen angesehen, penibel herausgesucht, was Fleisch, Eier, Brötchen, Kartoffeln und Gemüse so kosten, recherchierte zum Teil im Internet die Kochrezepte und kalkulierte für einige der angebotenen Gerichte die Preise. Das Ergebnis: Die Materialkosten für die Speisen lägen nur selten bei mehr als einem Euro. Verlangt worden sei aber gut das Vierfache. „Das ist eine ganz einfache Rechnung“, sagte der hagere Mann. Der Umsatz müsse höher gewesen sein. 25 Jahre sei er jetzt in dem Job. Noch nie habe es eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegeben.

Die Verteidiger protestierten. In einem Restaurant mit Schnitzel als Spezialitäten seien die Stücke nun einmal größer als gewöhnlich - also nur fünf statt sechs Schnitzel je Kilo Fleisch. Und auch die angegebenen Preise stimmten nicht. 2,70 Euro habe das Schnitzel mit Brot gekostet, dann gab es Schnitzel mit Gewürzfleischauflage, mit gebratenen Eiern oder aber mit Ananas - Schnitzel Hawaii für 3,80 Euro.

Nach etwa drei Stunden Feilschen über Schnitzelgrößen, Essensportionen, Kochrezepte und Materialpreise platzte Richterin Gudrun Trautmann schließlich der Kragen und sie bat die Anwälte zum Gespräch hinter verschlossene Türen. Anschließend wurde die Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage bekanntgeben.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Digital Abo

    "LVZ Digital Abo" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kön... mehr

  • Farbspiele
    Die Sparkasse Leipzig sucht für Ihren Kalender 2018 farbenfrohe Fotos

    Beim Fotowettbewerb der Sparkasse Leipzig kann nun über die zwölf Kalendermotive abgestimmt werden. Das Voting endet am 31. August 2017. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr