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Chemnitzer Wissenschaftler: Politiker-Briefmarken sind aus der Mode gekommen

Chemnitzer Wissenschaftler: Politiker-Briefmarken sind aus der Mode gekommen

Mehr Schwarz-Rot-Gold statt Politikerköpfe: Vor allem seit der Fußballweltmeisterschaft von 2006 haben Motive mit den Nationalfarben auf deutschen Briefmarken deutlich zugenommen.

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Briefmarken spiegeln auch Politik wider - doch deren Darstellung ändert sich. So werden etwa die Köpfe von Staatsmännern als Motiv immer unbeliebter.

Quelle: dpa

Chemnitz. „Das Verhältnis zur Bundesflagge als nationales Symbol hat sich seither entkrampft“ sagte der Politikwissenschaftler Sebastian Liebold von der Technischen Universität Chemnitz.

Er hat die Darstellung von Politik auf deutschen Marken seit Kriegsende untersucht. „Köpfe von Politikern sind kaum mehr zu sehen“, lautet eine andere Erkenntnis. Klein und gezackt kommt Politik demnach jetzt meist in Form von Bauwerken, Ereignissen, Jubiläen daher.

Eine Ausnahme sei Papst Benedikt XVI. 2007 wurde er anlässlich seines 80. Geburtstags auf einer Marke verewigt. „Normalerweise werden nur Politiker, Künstler oder auch Wissenschafter abgebildet, die schon gestorben sind“, sagte Liebold. Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU) etwa blieb zu seinem 80. Geburtstag im vergangenen Jahr eine Würdigung auf Briefmarken verwehrt.

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Politikwissenschaftler Sebastian Liebold von der Technischen Universität Chemnitz hat die Darstellung von Politik auf deutschen Marken seit Kriegsende untersucht.

Quelle: dpa

Selbst bei den Bundespräsidenten ist die kleine Marke aus der Mode gekommen. Theodor Heuss prangte auf einer Ausgabe, Heinrich Lübke auch, und die 30-Pfennig-Gustav Heinemann hatte sogar eine Auflage von 2,4 Milliarden Stück. Und auch Christian Wulff könnte sicherlich längst Marke sein, aber seit Walter Scheel hätten die deutschen Staatsoberhäupter auf ihr Abbildungsrecht verzichtet, sagte Liebold. Und so erschien etwa eine Ausgabe zu Johannes Rau erst am 2. März 2006 nach seinem Tod rund zwei Monate zuvor.

In Sachen Philatelie ist es Altbundeskanzler Konrad Adenauer (CDU), der seinen Politikerkollegen den Rang abläuft. Die „Rote Adenauer“ ist bei Sammlern heiß begehrt. Die Marke sollte anlässlich seines ersten Todestages 1968 erscheinen. Aber der rote Hintergrund missfiel. Die Ausgabe wurde eingestampft und der Kanzler orange hinterlegt. Da waren einige der roten Marken schon im Umlauf.

„In der DDR war die Erinnerungskultur auf Briefmarken noch viel mehr ausgeprägt“, hat Liebold herausgefunden. Der erste und einzige DDR-Präsident Wilhelm Pieck habe nach 1950 zu den am häufigsten abgebildeten Politikern gehört. Viele Briefmarkensätze waren Arbeiterführern, Revolutionären und auch Freiheitskämpfern der Napoleonischen Kriege gewidmet. Die DDR war in Sachen Briefmarken zudem sehr einfallsreich. Von 1949 bis 1990 erschienen 3124 unterschiedliche Motive, sagte Liebold. In der alten Bundesrepublik waren es im gleichen Zeitraum lediglich 1366.

Nur ein einfacher Schriftzug zierte die Marke „Deutsche Einheit“ vom Oktober 1990. Der Mauerfall bescherte zunächst vor allem der DDR eine Fülle neuer Motive. „Wir sind das Volk“, hieß im Februar 1990 und im Mai wurde Papst Johannes Paul II. zu dessen 70. Geburtstag abgebildet. Christliche Motive waren bis dahin in der DDR tabu. Und im Westen war es der 3. Mai 1990, als anlässlich des Burschenschaftsjubiläums erstmals die Bundesflagge Hauptmotiv einer Marke war. „Das ist jetzt keine Seltenheit mehr. Schwarz-Rot-Gold und europäische Gemeinschaftsausgaben erscheinen gleichberechtigt“, sagte Liebold. Das sei ein Stück Weltoffenheit auf gezacktem Papier.

Ralf Hübner, dpa

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