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Chic aus Ost und West - Ausstellung zeigt Modewelten

Chic aus Ost und West - Ausstellung zeigt Modewelten

Ob grober Strick, feine Seide oder schwerer Samt: Nostalgisch aufgereiht hängen die Ausgeh-Roben früherer Jahre auf Kleiderbügeln nebeneinander. Den edlen wie farbenfrohen Abend- und Cocktailkleidern, Kostümen und Hosenanzügen ist ihre Herkunft kaum anzusehen.

Erfurt. „Die Ost-Frau war vom Kleidungsstil nicht groß von der West-Frau zu unterscheiden“, meint Marina Moritz, Direktorin des Museums für Thüringer Volkskunde in Erfurt. Ihr Haus begibt sich ab diesem Freitag mit der Ausstellung „Chic aus Bonn und Ostberlin. Zwei Welten - Zwei Moden?“ auf einen vergnüglichen Streifzug durch vier Mode-Jahrzehnte.   

Bis zum 29. August können Besucher der Schau rätseln, ob die Garderobe samt Accessoires wie Hüte, Taschen und Schuhe einst Trägerinnen im Osten oder Westen zierte. „Was im geteilten Deutschland en vogue war, das gaben die Trends aus Paris vor“, sagt Moritz. Allerdings waren diese im Westen schneller und unendlich leichter umzusetzen. „Der große Unterschied bestand in der Beschaffung.“ Wer im Osten nicht auf Westpakete hoffen konnte und wem das nötige Geld für die teuren Exquisit-Läden fehlte, der brauchte eine Nähmaschine und Improvisationstalent.   

„Mode war ebenfalls Mittel der Systemauseinandersetzung - beide Staaten haben versucht, damit Politik zu machen“, erklärt die Museumschefin. In den Wirtschaftswunderjahren der BRD trugen schicke Sachen zum neuen Selbstbewusstsein gegenüber den armen Schwestern im Osten bei. Auch der Arbeiter-und-Bauern-Staat hatte ein Interesse, das schöne Antlitz des Sozialismus zu zeigen - scheiterte aber im modischen Wettstreit mit dem „Klassenfeind“ an den mit den Jahren immer krasser werdenden Mangel an allem. Entsprechend trist boten sich die Ladenhüter in den Geschäften dar.   

Die Entwürfe der Gestalterkollektive des zentralen Modeinstituts fielen meist den ökonomischen Zwängen der real existierenden Planwirtschaft zum Opfer. Da galt schon mal die aufkommende Maxi-Mode mit einem größerem Stoffverbrauch als verpönt oder wurde auf Doppelnähte verzichtet. „Wir waren eine reine Alibi-Institution, die keine Mode verkaufen konnte“, erinnert sich die heutige Trendforscherin und frühere Designerin Elke Giese, die lange Jahre an dem ostdeutschen Modeinstitut arbeitete.   

Die Bekleidungsindustrie habe vorrangig als billiger Devisenbeschaffer für westdeutsche Versand- und Kaufhäuser produziert. „Mode war in der DDR ein absoluter Mangel, es gab kein Angebot“, stellt Giese klar. Wenn Frau sich kleiden wollte wie im Westen, musste sie zu einer Schneiderin gehen oder sie nähte und färbte selbst. „Das modische Schritthalten war ein mühevolles Unterfangen“, pflichtet Museumschefin Moritz bei. „Dennoch sind die Frauen im Osten nicht als graue Mäuse herumgelaufen.“

dpa

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