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DDR verkaufte Blut von Häftlingen - auch Sachsen und Thüringen betroffen

DDR verkaufte Blut von Häftlingen - auch Sachsen und Thüringen betroffen

In der DDR wurden Häftlinge zum Blutspenden gezwungen. Die Präparate wurden in den Westen verkauft, um Devisen zu beschaffen, berichtet am Dienstagabend das ARD-Politmagazin Report Mainz (21.45 Uhr) und beruft sich auf eine noch unveröffentlichte Studie der Stasi-Unterlagen-Behörde in Berlin.

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Nicht freiwillig wie auf diesem Bild, sondern für Devisen mussten Häftlinge in der DDR Blut spenden. (Archivbild)

Quelle: dpa

Mainz/Berlin. Nach der Studie sollen auch sehr viel mehr westdeutsche Firmen als bisher bekannt von der Zwangsarbeit politischer DDR-Häftlinge profitiert haben. Wie Report Mainz weiter berichtet, ließen demnach zahlreiche Unternehmen vor allem in den 70er und 80er Jahren billig in DDR-Betrieben produzieren, die auch Häftlinge zur Arbeit einsetzten. Genannt werden in dem Magazin der Autokonzern Volkswagen und der Lebensmittel-Discounter Aldi.

Der Möbelkonzern Ikea hatte 2012 eingeräumt, spätestens seit Anfang der 1980er Jahre vom Einsatz politischer Häftlinge für die Möbelproduktion der Firma gewusst zu haben.

Dem Magazin sagte der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn: „Das Forschungsprojekt hat gezeigt: Ikea war nur die Spitze des Eisbergs.“ Der Autor der Studie, Tobias Wunschik, sagte: „Es lässt sich aus Teilzahlen ungefähr abschätzen, dass jährlich mindestens 200 Millionen DM mit Waren umgesetzt wurden, die allein auf Häftlingsarbeit beruhten.“

Eine umfassende Studie über Häftlingsarbeit in der DDR und den darauf aufbauenden Ost-West-Handel soll am kommenden Montag unter dem Titel „Knastware für den Klassenfeind“ veröffentlicht werden.

Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) kaufte die Blutspenden über einen Schweizer Zwischenhändler auf. Gegenüber Report Mainz bestätigte das BRK den Bezug von Blutpräparaten in den 80er Jahren.

Die Behörde für die Stasi-Unterlagen bestätigte indes, dass es in den Haftanstalten Gräfentonna (Thüringen) und Waldheim (Sachsen) zu derartigen Blutspenden gekommen war.

Gegenüber dem TV-Magazin räumte der damalige Vize-Chef des Bezirksinstituts für Blutspende- und Transfusionswesen Erfurt, Rudolf Uhlig, ein: „Wir haben dort Blutspendetermine durchgeführt.“ Gespendet hätten in der Anstalt Gräfentonna nur Häftlinge. Aus Stasi-Akten gehe zudem hervor, dass dies nicht freiwillig geschah.

„Wir bedauern zutiefst, dass es unter einer anderen Führung des BRK diese Vorkommnisse in den 80er Jahren gegeben hat“, teilte das Bayerische Rote Kreuz mit. Es sei aber nicht mehr nachzuvollziehen, ob man damals gewusst habe, dass das Blut von Häftlingen stammt. Der Sprecher der sechs deutschen regionalen Rotkreuz-Blutspendedienste, Friedrich-Ernst Düppe, sagte der dpa, neben dem BRK habe kein weiterer Regionaldienst die DDR-Blutpräparate bezogen.

Der Discounter Aldi Süd bestätigte Berichte von Report Mainz und der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (Mittwoch), dass er in den 80er Jahren Geschäftsbeziehungen zum VEB Strumpfkombinat Esda Thalheim (Sachsen) gehabt habe. Dem Unternehmen sei erst durch Recherchen des Bayerischen Rundfunks im vergangenen Jahr bekanntgeworden, dass das Strumpfkombinat damals offenbar einzelne Produktionsschritte an das Frauengefängnis in Hoheneck vergeben habe. Aldi Süd verurteile die Praxis, Häftlinge unter Zwang für die Produktion einzusetzen, „aufs Schärfste“, betonte das Unternehmen.

dpa

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