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Dana Gerlich verurteilt: „Wir können für sie nichts mehr machen“

Dana Gerlich verurteilt: „Wir können für sie nichts mehr machen“

Aus Liebe zu einem Mann ging sie in den Oman. Für die Rache an einem Mann geht sie nun ins Gefängnis – lebenslänglich. Zu 25 Jahren Haft verurteilten am Sonnabend drei omanische Strafrichter in Maskat die Deutsche Dana Gerlich.

Leipzig/Maskat. Die 30-jährige Physiotherapeutin aus Gornsdorf in Sachsen soll für den Mord an ihrem Vater Gert Manfred Gerlich büßen. Als ihre Mutter Karin in Chemnitz die Nachricht bekam, brach sie weinend zusammen. Die 48-Jährige kann nicht verstehen, dass niemand an die Unschuld ihrer Tochter glaubt.

Sieben Monate hatte Karin Gerlich gehofft, dass Auswärtiges Amt, Botschaft und internationale Organisationen ihre Tochter auf diplomatischem Weg befreien. Doch die Bemühungen von Bundesaußenminister Joschka Fischer, dem Jenaer Anwalt Said Kuhlig sowie Amnesty International (AI) schlugen fehl.

„Uns sind die Hände gebunden, so Leid uns das tut“, sagt Regina Spöttl, AI-Regionalbeauftragte für den Nahen Osten: „Es ist hart, aber Dana Gerlich ist eine verurteilte Mörderin. Sie hatte einen fairen Prozess, einen Rechtsbeistand und musste keine Folter erleiden. Wir können für sie nichts mehr machen.“ Aussichtslos sei die Lage für die junge Frau aber nicht. Gegen das Urteil können sowohl Dana Gerlich als auch der Staatsanwalt binnen 40 Tagen Berufung einlegen. Nach Ablauf der Frist steht es nur noch Sultan Quabus Ibn Said zu, die junge Frau zu begnadigen.

Bei der Suche nach einem Motiv stießen die Ermittler auf eine Familienfehde. Die Anklage ging davon aus, dass die Deutsche, ihre große Liebe Fawsi al-Ghammari und ein Freund des Paares aus Rache zwei Omanis zur Ermordung des 51-jährigen Lkw-Mechanikers anstifteten. Gerlich hatte in Deutschland seine Frau Karin betrogen, einen Sohn mit einer jüngeren Frau. Außerdem war der Mann gegen die Beziehung seiner Tochter zu dem 43-jährigen querschnittsgelähmten Fawsi al-Ghammari (wir berichteten).

Um sich mit seiner Tochter zu versöhnen, war Gert Manfred Gerlich am 27. November 2003 in den Oman gereist. Fünf Tage später fanden Kinder seine Leiche. Zwei Omanis gestanden die Tat und nannten die Auftraggeber: Dana Gerlich und Fawsi al-Ghammari. Ein Freund des Paares, der als Geldkurier einsprang, bestätigte die Version. Alle fünf bekamen nun die Quittung: lebenslänglich. Karin Gerlich verzweifelt an der Vorstellung, dass sie ihre Tochter nie wieder sehen soll. Da die Mutter auch ins Visier der Fahnder geraten ist, kommt eine Reise in den Oman für sie nicht in Frage.

Bei aller Tragik: Dana Gerlich hatte Glück im Unglück. Nach islamischem Recht (Scharia) hätte der Mufti des Omans, Ahmad bin hamad al-Khalili, die Todesstrafe aussprechen können – die Hinrichtung mit dem Schwert oder der Tod durch den Strang. Doch die Beweislage war nebulös, die Indizien vage, der Druck durch die internationale Öffentlichkeit groß. Die Amerikanerin Rebecca Thompson (43) bekam am Sonnabend keine mildernden Umstände: Das gleiche Strafgericht verurteilte die im Oman lebende Frau wegen der Ermordung ihres Ehemannes zum Tode.

Der Verzicht auf die Todesstrafe wurde in der Heimat von Dana Gerlich mit Erleichterung aufgenommen. „Dennoch tut es mir für sie Leid. Ich hoffe, dass die Richter die Vorwürfe exakt geprüft haben“, sagte Gornsdorfs Bürgermeisterin Monika Kunert. Auch die sächsische Landesregierung zeigte sich erleichtert. „Wir halten die Todesstrafe für rechtswidrig“, sagte ein Sprecher des Justizministeriums. Das Auswärtige Amt in Berlin will sich jetzt dafür einsetzen, dass Dana Gerlich so früh wie möglich aus omanischer Haft entlassen werden kann. Wenn es nach den Justizbehörden in Maskat geht, soll Dana Gerlich erst in 25 Jahren nach Deutschland abgeschoben werden.

Dieser Beitrag erschien am 19.07.2004.

Simone Liss

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Von Redakteur Simone Liss

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