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Daniel Libeskind zum Militärhistorischen Museum Dresden: "Krieg passt in keine Box"

Daniel Libeskind zum Militärhistorischen Museum Dresden: "Krieg passt in keine Box"

Deutsche Militärgeschichte trifft auf gewagte Architektur: Mit schrägen Wänden und einem Riesenkeil aus Glas, Stahl und Beton will Star-Architekt Daniel Libeskind Vergangenheit und Zukunft versöhnen.

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Stararchitekt Daniel Libeskind vor dem Militärhistorischen Museum Dresden.

Quelle: dpa

Dresden. Am Freitag wird das Militärhistorische Museum in Dresden eröffnet. US-Architekt Daniel Libeskind emigrierte einst als Kind jüdischer Eltern von Polen nach Israel. Kurz vor der Eröffnung sprach er  über sein jüngstes Projekt, Barockbauten, moderne Architektur - und Krieg.

Frage:

Herr Libeskind, wie fühlt es sich an, in der 30 Meter hohen Keilspitze in dem fertigen Museum zu stehen?

Libeskind:

„Es fühlt sich gut an. Endlich ist das Gebäude bereit für die Menschen, die sich hier ihr eigenes Bild machen und sich inspirieren lassen können - von dem Gebäude, der Ausstellung, der Geschichte und dem Blick auf Dresden.“

Warum haben Sie den Keil aus Glas, Stahl und Beton mitten durch das historische Gebäude getrieben?

Libeskind

: „Es ist eine Art Konversation von zwei unterschiedlichen Räumen, nämlich dem älteren Teil des ehemaligen Arsenalgebäudes und einem dramatischen neuen Raum, der davon erzählt, was mit den Menschen im Krieg geschieht. Von der Spitze aus sieht man außerdem das Panorama von Dresden wie durch einen Filter der Militärgeschichte. Die Spitze zeigt zum Ostragehege, wo im Februar 1945 die ersten Bomben fielen. Sie hinterließen von dort aus eine Spur der Zerstörung, die die Form eines Trichters hat. Diesen Winkel von 40 Grad greift der Keil auf.“

Gehen Architektur und Ausstellung also Hand in Hand?

Libeskind:

„Ja, es gibt zum Beispiel auch keine 90-Grad-Winkel, Wände und Böden sind schräg. Man kann Krieg heute nicht mehr in eine Box stecken. Schon gar nicht die deutsche Militärgeschichte mit ihrem totalitären System. Man muss neue Perspektiven schaffen, um die Menschen zum Denken und Fühlen anzuregen.“

Dresden ist ja eher bekannt für seine Barockbauten - passt ein so moderner Bau überhaupt ins Stadtbild?

Libeskind:

„Ich kann verstehen, warum Dresden die Frauenkirche und all die anderen Gebäude wieder aufgebaut hat. Die Menschen wollen einen Teil ihrer Geschichte zurück. Aber Dresden ist auch eine Stadt im 21. Jahrhundert mit moderner Technologie und modernen Menschen. Die Stadt verdient zeitgenössische Architektur und ich hoffe, das Museum wird nicht das letzte Gebäude dieser Art sein.“

Sie haben jüdische Wuzeln, Sie emigrierten 1957 von Polen nach Israel. War es eine besondere Herausforderung für Sie, ausgerechnet ein deutsches Militärmuseum zu entwickeln?

Libeskind:

„Ich hatte nie Bedenken. Dieses Museum handelt ja vom Militär in einer Demokratie. Deutschland hat sich von seiner dunklen Vergangenheit gelöst und zu einer offenen Gesellschaft entwickelt. Das Gebäude ist wie eine Analogie: Was sich einst hinter den strengen Mauern verbarg, hat sich nun in einem neuen Raum geöffnet. Und ich war von Anfang an überzeugt, dass zu einer Demokratie auch das Militär gehört.“

Was können Besucher bei einem Museumsbesuch lernen?

Libeskind:

„Menschen erleben hier etwas ganz Besonderes, nämlich dass Museum, Architektur und Ausstellung eine Einheit bilden. Es geht auch nicht nur um Kriegsgeräte wie Waffen und Panzer, sondern vor allem darum, warum das alles passiert ist, was Menschen zur Gewalt und Zerstörung treibt. Das ist nicht länger ein Museum für Spezialisten, die sich für Kriege und Technik interessieren. Das ist ein Museum für jeden, für Familien, Kinder - einfach für Menschen, die in einer offenen Gesellschaft leben und gewisse Dinge reflektieren.“

dpa

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