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Demo in Freital: Flüchtlings-Unterstützer provoziert und angegriffen

Asylunterkunft Demo in Freital: Flüchtlings-Unterstützer provoziert und angegriffen

Seit Tagen protestieren Gegner vor dem Flüchtlingsheim in Freital. Jetzt demonstrierten hunderte Menschen dort für Weltoffenheit. Die Flüchtlings-Unterstützer wurden provoziert und angegriffen.

Die Antilopen Gang unterstützte die Kundgebung für das Asylbewerberheim in Freital.

Quelle: dpa

Freital/Dresden. Nach tagelangen Protesten gegen ein Asylbewerberheim in Freital haben am Freitag mehrere hundert Menschen ihre Solidarität mit den Flüchtlingen demonstriert. Nach Polizeiangaben vom Samstag kamen rund 550 Unterstützer zu einer Kundgebung für Weltoffenheit und Toleranz. Die Polizei hielt etwa 250 Gegner der Unterkunft auf Abstand. Zwischenzeitlich war die Stimmung angespannt. Es habe aber keine größeren Zwischenfälle gegeben, teilte die Polizei in der Nacht mit.

Die Beamten nahmen zwei Asylgegner in Gewahrsam. Die 32 und 37 Jahre alten Männer hatten der Mitteilung zufolge eigene Ordner bedrängt, Polizisten beleidigt und "Sieg Heil" gerufen. Sie kämen allerdings noch in der Nacht wieder auf freien Fuß, berichtete ein Polizeisprecher.

Als sich die Kundgebungen am Abend auflösten, hielt die Polizei beim Abmarsch beide Lager auseinander. Dabei setzte sie nach eigenen Angaben Pfefferspray ein. Auf dem Parkplatz eines Baumarktes provozierten etwa 50 Heimgegner die Unterstützer und verletzten mit einem Dosenwurf einen 23-Jährigen am Kopf. Dem Sprecher zufolge war der junge Mann jedoch nicht schwer verletzt.

Kasek: "Das Problem von Sachsen heißt Rassismus"

Seit Tagen protestieren Gegner vor dem Flüchtlingsheim in Freital. Nun gab es eine Kundgebung für Weltoffenheit. Für Rassisten dürfe es kein Verständnis geben, hieß es dort. Unterstützt wurde die Demo unter anderem von der Band Antilopen Gang. Fotos: dpa

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Grünen-Landeschef Jürgen Kasek sagte auf der Kundgebung, die Politik der Landesregierung trage Mitverantwortung für die Eskalation. „Das Problem von Sachsen heißt Rassismus. Es hat viel zu lange Verständnis für die Rassisten gegeben“, betonte er. Neben Kasek waren auch andere Landtagsabgeordnete gekommen, darunter Linken-Fraktionschef Rico Gebhardt, Grünen-Fraktionschef Volkmar Zschocke und der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion, Henning Homann. Mitorganisator Eric Hattke vom Netzwerk „Dresden für alle“ sagte, rechtes Gedankengut dürfe nicht widerspruchsfrei hingenommen werden.

Seit Tagen protestieren einige Dutzend Menschen jeden Abend mit teils rassistischen Parolen gegen das Heim, in dem jetzt knapp 400 Bewohner leben. Verschiedene Gruppen und Parteien hatten deshalb für Freitagabend zu der Gegen-Kundgebung aufgerufen. Dort traten auch Bands wie die Antilopen Gang auf.Ein Bewohner der Unterkunft bedankte sich für die Unterstützung. Flüchtlingskinder berichteten von der Flucht mit ihren Familien nach Deutschland.

Sachsen will Erstaufnahme-Konzept überarbeiten

Sachsen will unterdessen das Konzept für die Erstunterbringung von Flüchtlingen überarbeiten. Es sei wegen der aktuellen Flüchtlingszahlen nicht mehr aktuell, sagte Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) im Anschluss an eine Sitzung des Lenkungsausschusses Asyl am Freitag. Köpping sprach zudem von einer „Notsituation“ in Sachsen. Für die Erstaufnahme von Flüchtlingen würden mehr Plätze gebraucht. Dazu müsse vor allem die Kommunikation zwischen Kommunen, Landräten und Land verbessert werden, erklärte Köpping - auch mit Blick auf Freital.

Ein ehemaliges Hotel wurde in der Stadt bei Dresden kurzfristig zur Außenstelle der sächsischen Erstaufnahmeeinrichtung umgewandelt - mit knapp 400 Plätzen inklusive der bereits zuvor vom Landkreis dort untergebrachten Flüchtlinge. Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hatte bei einem Besuch am Donnerstag eingeräumt, dass die Kommunikation nicht immer gut gelaufen sei.

Unterstützer der Asylbewerber wurden mehrfach angegriffen, auch Freitals scheidender Oberbürgermeister Klaus Mättig (CDU) hat schon Drohungen erhalten. Laut Innenministerium bearbeitet das Operative Abwehrzentrum (OAZ) seit Beginn des Jahres Straftaten gegen Amts- und Mandatsträger im Zusammenhang mit der Unterbringung von Flüchtlingen. Bisher laufen die Ermittlungen in 21 Fällen mit 13 Amt- und Mandatsträgern - unter anderem wegen Beleidigung, Bedrohung oder Sachbeschädigung. Zudem registrierte das OAZ im ersten Quartal des Jahres 20 Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte in Sachsen.

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