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Der Soldat Uwe Mundlos: Die Bundeswehr und der spätere NSU-Terrorist

Der Soldat Uwe Mundlos: Die Bundeswehr und der spätere NSU-Terrorist

Die Bundeswehr war mit Uwe Mundlos zufrieden. Der spätere Rechtsterrorist bekam zum Ende seines Wehrdienstes ein passables Zeugnis: Mundlos habe als Richtschütze und Gehilfe des Kompanietruppführers „gute Leistungen gezeigt“, heißt es darin.

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Kopie des Truppenausweises des NSU-Terroristen Uwe Mundlos

Quelle: dpa

Berlin. Für seine Führung bescheinigte ihm die Bundeswehr immerhin ein „Befriedigend“. Dabei war der junge Mann, der später als Mitglied des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) an der Ermordnug von zehn Menschen beteiligt gewesen sein soll, schon beim Militär mit seiner rechten Gesinnung aufgefallen.

Auch der Bundeswehrgeheimdienst MAD hatte Mundlos deshalb im Blick - ohne gravierende Folgen. Der Neonazi-Untersuchungsausschuss im Bundestag hat dazu einige Fragen. An diesem Donnerstag erwartet er in einer Sondersitzung Antworten. Darin muss unter anderen der frühere MAD-Präsident Karl-Heinz Brüsselbach Rede und Antwort stehen.

Mundlos trat Anfang April 1994 seinen Wehrdienst an - beim Panzergrenadierbataillon 381 in Bad Frankenhausen in Thüringen. Der gebürtige Jenaer war damals 20 Jahre alt, ein junger Mann mit Mittlerer Reife und einer Ausbildung als Datenverarbeitungskaufmann, Englisch- und Russischkenntnissen, einer Erste-Hilfe-Ausbildung, Führerschein und Schwimmabzeichen. So steht es im Personalfragebogen der Bundeswehr aus der Zeit. Als Freizeitbeschäftigung trug Mundlos „Disco“ und „Computer“ ein. Ein ganz normaler Rekrut, so schien es.

Doch Mundlos tat sich schon bald unangenehm hervor. Am 13. August 1994 war er, fernab der Kaserne, mit Freunden in Chemnitz unterwegs. Die jungen Leute wurden von der Polizei kontrolliert. Die Beamten fanden bei Mundlos Visitenkarten mit dem Kopf von Adolf Hitler und ein Bild des Hitler-Stellvertreters Rudolph Heß. Sie nahmen ihn in Gewahrsam, ließen seine Wohnung durchsuchen und entdeckten dort 15 Kassetten mit rechter Musik und Flugblätter der rechtsextremen NPD.

Der Vorfall beschäftigte auch die Vorgesetzten des jungen Rekruten. Sie vernahmen ihn und holten Erkundigungen über ihn ein. In Mundlos’ Personalakte, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, findet sich dazu die Aussage einer „Vertrauensperson“: Das Verhalten des jungen Mannes gegenüber seinen Kameraden sei „problemlos“. Mundlos sei eher ein Einzelgänger und „nicht in der Lage, andere mitzureißen und für seine Sache zu begeistern“. Der Besitz der NS-Devotionalien und Flugblätter zeige aber, dass er nicht für die freiheitlich demokratische Grundordnung einstehe.

Der Kompaniechef von Mundlos plädierte für sieben Tage Disziplinararrest. Antreten musste der Rekrut die vorgeschlagene Strafe aber nie. Das Truppendienstgericht lehnte den Arrest ab - stattdessen beförderte die Bundeswehr Mundlos.

Nach sechs Monaten wurde er Gefreiter und nach zwölf Monaten - mit dem Ausscheiden aus dem Dienst - Obergefreiter. Eine Entlassung lehnte der Kompaniechef ab. Einzige Begründung: Es handele sich um einen Wehrpflichtigen.

Ging die Bundeswehr zu lax mit Rechtsextremen um und tut dies vielleicht immer noch? Nein, sagt Verteidigungsminister Thomas de Maizière. „Gerade weil wir wissen, dass für einen Teil der Rechtsextremen die Bundeswehr ein Objekt der Begierde ist, sind wir besonders sensibel, hartnäckig und entschlossen, rechtsradikale Ansätze im Keim zu ersticken“, versichert der CDU-Politiker. Mundlos’ Beförderung zum Obergefreiten sei aber falsch gewesen.

Die SPD-Obfrau im NSU-Untersuchungsausschuss, Eva Högl, gibt sich damit nicht zufrieden. Sie klagt, die Bundeswehr sei auch mit anderen bekennenden Rechtsextremen - sogar aus dem späteren NSU-Umfeld - schonend umgegangen. „Was ist das für ein Signal in die Truppe rein? Das ist verheerend.“ De Maizière vernachlässige das Thema gravierend.

Im Fall Mundlos ging auch an anderer Stelle einiges schief: Sein Ärger mit der Polizei landete auf dem Schreibtisch des Militärischen Abschirmdienstes. MAD-Mitarbeiter befragten den Soldaten aber erst acht Monate später, im März 1995, und legten eine Akte an. Teile daraus gaben sie an die Verfassungsschützer im Bund, in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt weiter. Mehr tat sich nicht. Der MAD löschte die Akte nach ein paar Jahren. Erst im März tauchte der Fall bei den Behörden wieder auf, weil die Sachsen sich deswegen meldeten.

Der Hinweis ging im April an den den Neonazi-Ausschuss im Bundestag. Dort ging er aber in den Aktenbergen unter. Bis die brisante Information öffentlich bekannt wurde, war es September. De Maizière wusste selbst länger von der Akte Mundlos, sein Haus wies den Ausschuss aber nicht ausdrücklich darauf hin. Unsensibel sei das gewesen, räumt der Ressortchef ein. Das Ministerium habe sich aber korrekt verhalten und mitnichten monatelang etwas verschleiert.

Christiane Jacke, dpa

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