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Deutscher Wetterdienst lässt seine Beobachter im Regen stehen

Einsparkonzept Deutscher Wetterdienst lässt seine Beobachter im Regen stehen

In Mitteldeutschland werden seit über 100 Jahren kontinuierlich Wetterbeobachtungen gemacht. Nun sollen die letzten Beobachter auch auf dem Fichtelberg und auf dem Brocken durch Technik ersetzt werden. Doch die kann ausfallen oder falsche Werte liefern, warnen nicht nur Sachsens Grüne.

Die Technischen Assistenten für Meteorologie, Sabine Liebmann und Matthias Barth, beobachten das Wettergeschehen vom Turm der Wetterwarte auf dem Fichtelberg bei Oberwiesenthal.

Quelle: ZB

Leipzig. Über den Wetterwarten auf dem Fichtelberg und auf dem Brocken brauen sich dunkle Wolken zusammen. Bis Ende 2018 sollen die dortigen Meteorologen (sechs auf dem Fichtelberg und sieben auf dem Brocken) ihre Arbeitsplätze räumen. Aber nicht nur dort. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) plant bis 2021 deutschlandweit die Vollautomatisierung der Wetterbeobachtung, einschließlich aller Flugwetterwarten.

Derzeit beschäftigt die Bundesoberbehörde 2323 Mitarbeiter. Vor zehn Jahren waren es noch 2679. Das zeigt, wohin die Reise geht. Der Druck zum Personalabbau ist hoch. Der DWD legt dabei Wert auf die Feststellung, dass das „dringend benötigte Fachpersonal der Wetterwarten nach und nach in anderen, wichtigen Arbeitsbereichen eingesetzt werden“ könne. Heißt: Frei werdende Beamte könnten beispielsweise vom Fichtelberg oder Brocken nach Hamburg oder Offenbach ziehen. Und weiter: „Alle notwendigen Personalmaßnahmen wie Umschulung, Ausbildung und Weiterqualifizierung werden dabei von Leitung und Personalvertretung des DWD gemeinsam begleitet und mit einem Höchstmaß an sozialem Schutz durchgeführt.“ Die Automatisierung sei Bestandteil einer langfristigen Strategie, mit der der DWD den „politischen Einsparvorgaben“ Rechnung trage.

Messreihen droht Qualitätsverlust

„Mit der Umstellung der Wetterstation auf dem Fichtelberg auf automatischen Betrieb nimmt die Bundesregierung einen Qualitätsverlust der klimatologischen Messreihen bewusst in Kauf“, kritisiert der Grünen-Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn. Dass die Sache so viel Aufmerksamkeit erfährt, liegt auch am ihm. Ihm sei schleierhaft, wie Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) an den Automatisierungsplänen festhalten kann, „wenn ganz offensichtlich die technischen Probleme nicht in den Griff zu bekommen sind“, so Kühn weiter. Dobrindt müsse die Pläne des Deutschen Wetterdienstes einkassieren, damit nicht über 100 Jahre Wetteraufzeichnung auf dem Fichtelberg vollständig entwertet würden.

Während der Erhalt der Wetterbeobachter auf dem Fichtelberg zumindest im Blickpunkt der Öffentlichkeit ist, muss das Personal auf dem Brocken vermutlich sang- und klanglos gehen. „Bisher ist die DWD-Wetterstation am Brocken kein Thema in unserer Fraktion und im Landtag“, lassen Sachsen-Anhalts Grüne ausrichten, die mehr damit beschäftigt sind, gegen eine geplante Seilbahn bei Schierke zu Felde ziehen.

Kühn hat mit zwei weiteren Abgeordneten die Bundesregierung als obersten Dienstherren des DWD nach der Zukunft der Wetterstationen befragt. Dabei kam unter anderen heraus, dass die Installation, Wartung und Instandsetzung der Messgeräte künftig vom Personal der Abteilung Service und Logistik des DWD durchgeführt werden soll. Das aber sitzt in Hamburg, Potsdam, Offenbach und München. Künftig können nun bis zu 48 Stunden vergehen, bis das Servicepersonal vor Ort ist. Und noch ein weiteres Problem droht: Das Bundesverkehrsministerium räumte ein, dass für die rein technische Erfassung von Bedeckungsgraden und Schneehöhen die Datenqualität verbessert werden muss.

Neuer Kurs nach der Wahl?

Weil außerdem Räume für die Unterbringung von Datenerfassungsanlagen, Radioaktivitätsmesstechnik und Autosonden-Zubehör benötigt werden, soll die Zukunft der einzelnen Standorte außerdem im Rahmen einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung noch einmal gesondert untersucht werden.

Nachdem Kühn auch beim DWD-Chef Gerhard Adrian nicht weitergekommen ist und einen Offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit unterzeichnet hat, gelten nun alle Hoffnungen einer Petition, die von 6500 Bürgern unterzeichnet wurde. Mit ihr kann sich der Petitionsausschuss des neuen Bundestages allerdings erst nach der Wahl befassen. Ulrike Kahl, Grünen-Kreischefin im Erzgebirge, hat aber Hoffnung, dass sich der Ausschuss zumindest ins Erzgebirge begibt. „Ich fände wichtig, dass sich die Politiker nicht in Berlin auf eine Entscheidung verständigen.“ Möglicherweise liegen dann auf dem Fichtelberg Schnee und Eis und das Problem wird auch für die Politik anschaulicher.

Von Roland Herold

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