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Diakonie Sachsen zieht positives Zwischenfazit zur Fluthilfe im Freistaat

Diakonie Sachsen zieht positives Zwischenfazit zur Fluthilfe im Freistaat

Rund sechs Monate nach dem verheerenden Juni-Hochwasser hat die Diakonie Sachsen ein positives Zwischenfazit zur Fluthilfe gezogen. Friedhelm Fürst, kaufmännischer Vorstand, äußert sich dazu im Interview.

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Das Hochwasser am 3. Juni in Döbeln. (Archivfoto)

Quelle: dpa

Dresden. Frage: In der öffentlichen Wahrnehmung ist vom Juni-Hochwasser kaum noch etwas zu spüren. Dennoch sind viele Schäden noch längst nicht behoben, bei manchen Flutopfern macht sich Ernüchterung breit. Ist das vergleichbar mit der Lage nach dem Jahrhunderthochwasser 2002?

Friedhelm Fürst: Das ist durchaus vergleichbar, und dennoch gibt es einen großen Unterschied. Vor elf Jahren waren viele Menschen zum ersten Mal mit einer solchen Katastrophe konfrontiert, das war ein Schock. Aber gleichzeitig war auch ein großer Wille zum Wiederaufbau, zum Anpacken spürbar. Das war dieses Jahr anders, weil gerade in Sachsen viele Menschen zum zweiten Mal betroffen waren. Sie sind wesentlich älter, haben zum Teil keine Versicherung mehr wie noch 2002.

Was sind die Folgen?

Einerseits waren sie deprimiert, weil es sie wieder erwischt hat. Anderseits aber konnten sie auch an ihre Erfahrungen von 2002 anknüpfen. Das spüren wir. Wenn wir jetzt Leute besuchen und beraten, sagen die, dass sie vor dem kommenden Frühjahr sowieso nichts machen können, weil die Feuchtigkeit noch überall vorhanden ist. Das führt zu einer gewissen Gelassenheit.

Das klingt reichlich widersprüchlich.

In der Tat. Wir registrieren beides: Deprimiertheit und Gelassenheit. Aber das hat durchaus einen realen Hintergrund. Die Erfahrung von 2002 sagt, dass es eben nicht immer so schnell gehen kann mit dem Wiederaufbau, wie man es sich erhofft hat. Denn Hilfe muss nachhaltig geschehen, sonst macht sie wenig Sinn. Zuweilen ist das ganz simpel: Erst muss das Mauerwerk trocknen, dann kann man sich eine neue Couchgarnitur besorgen. Anders herum geht es nicht.

Wie reagieren Sie darauf?

Wir setzen seit 2002 darauf, die Gelder nicht kurzfristig auszureichen. Natürlich helfen wir auch unmittelbar, zum Beispiel mit Soforthilfen und Überbrückungskrediten. Vor allem aber geht es uns darum, die Menschen langfristig zu beraten. Das ist unser Anliegen. Damit aber werden wir noch mindestens bis Ende 2014 zu tun haben.

Vielen dauert es aber zu lange. Was sagen Sie diesen Menschen?

Ich verweise auf die Tatsache, dass ich im Juni 2013 einen letzten Fall aus dem Jahr 2002 auf dem Tisch hatte. So lange wurde betreut und begleitet, um die Fluthilfe am Ende zu bewilligen. Das ist zwar nicht die Regel, aber es kommt vor. Das müssen wir den Menschen immer wieder sagen – auch um überzogene Ansprüche und damit auch Frust zu vermeiden. Denn es gab 2002 immer wieder Fälle, wo Leute falsch beraten wurden. In Einzelfällen war sogar der Wiederabriss der erneuerten Gebäude nötig, weil Gutachter schlecht beraten hatten.

Sie arbeiten mit der sächsischen Aufbaubank zusammen. Wie klappt die Kooperation?

Auch wenn es an der einen oder anderen Stelle etwas zäh ist, so gilt dennoch: Ohne die sächsische Aufbaubank geht es nicht, die Zusammenarbeit ist sinnvoll. Denn jeder Schaden, der dort anerkannt wird, gilt auch bei uns als förderfähig. Das schließt Doppelprüfungen aus und verkürzt die Verfahren.

Allzu viel Bewegung aber ist bei der sächsischen Aufbaubank noch nicht zu verspüren. Erst vor wenigen Tagen gab es eine Meldung, wonach die Aufbaubank erst in 109 Fällen Staatshilfe ausgereicht habe. Reicht das?

Das ist unbefriedigend, aber es geht zum Teil nicht schneller. Gleichzeitig stellen wir fest: Eine Information auf der Internetseite der SAB allein reicht halt nicht, um Betroffenen zu helfen. Wir müssen an die Leute herantreten, sie ermuntern und beraten. Und genau das machen wir als Diakonie. Neben der materiellen Hilfe geht es uns dabei auch um Beistand, damit die Flutopfer die psychischen Belastungen meistern können.

Wofür wurde das Geld verwendet?

Wir geben den Menschen Geld in die Hand, damit sie das Nötigste angehen können. Es geht darum, dass die Heizung repariert wird, dass der Trockner läuft, oder dass die Menschen den ersten Stock so herrichten können, dass sie dort über den Winter wohnen können. Apropos Trockner: Noch immer sind 400 bis 500 unserer Geräte im Einsatz.

Wie viel Geld ist bisher geflossen, wem konnte geholfen werden?

Wir haben 1,49 Millionen Euro an Spenden durch „Sachsen helfen Sachsen" erhalten. Davon haben wir an rund 550 Haushalten eine Haushaltsbeihilfe ausbezahlt, die je nach Sachlage zwischen 500 und 1500 Euro betrug. Insgesamt waren das 396 000 Euro. Hilfen im Bereich Wiederaufbau gingen bisher an 28 Haushalte und Gewerbetreibende – insgesamt 186 000 Euro. Mit vielen weiteren Antragstellern steht unser Fluthilfebüro in Magdeburg in direktem Kontakt, und wir gehen davon aus, dass es ab Januar 2014 noch zu vielen Auszahlungen kommen wird.

Insgesamt gesehen: Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?

Zwar ist die Hilfsbereitschaft im Vergleich zur 2002 geringer. Aber dennoch bin ich insgesamt positiv überrascht, dass für das Hochwasser 2013 noch einmal so viele Spenden eingegangen sind. Das hatte ich nach der übergroßen Hilfsbereitschaft 2002 so nicht erwartet. Unser nachhaltiger Ansatz hat sicherlich auch zu dieser Bereitschaft beigetragen, ebenso wie die Unterstützung von LVZ und DNN.

Der Gutachter der sächsischen Staatsregierung, Ex-General Hans-Peter von Kirchbach, hat kürzlich festgestellt, der Freistaat sei 2013 noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen, auch bei der Schadenshöhe. Sehen Sie das genauso?

Mit Blick auf die Lage insgesamt entspricht das nicht meinem Eindruck. Bundesweit waren die Schäden immens, zum Teil sogar höher als 2002 – eben weil das Wasser nicht nur wenige Tage, sondern viele Wochen in den Wohnräumen stand. Das gilt nicht zuletzt für das Nachbarland Sachsen-Anhalt. Sachsen hat seinen Hochwasserschutz zwar enorm verbessert. Flutmauern allein aber reichen nicht aus, sonst rauscht das Wasser nur hindurch und verursacht die Schäden weiter flussabwärts. Auch das ist eine Frage von Nachhaltigkeit.

Interview: Jürgen Kochinke

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