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Dicke Luft in Leipzig und Dresden – Umweltminister wollen blaue Plakette

Feinstaub und Stickoxide Dicke Luft in Leipzig und Dresden – Umweltminister wollen blaue Plakette

Stickoxide und Feinstaub machen Großstädter krank. Während sich die Luftqualität in weiten Teilen Mitteldeutschlands in den vergangenene 25 Jahren verbessert hat, trägt in Ballungsgebieten der Verkehr am stärksten zur Luftverschmutzung bei.

Bald könnte die blaue Plakette für bestimmte Umweltzonen hinzukommen (Montage)

Quelle: dpa

Leipzig. Dicke Luft in Dresden und Leipzig: Stickoxide und Feinstaub machen Großstädter krank. Während sich die Luftqualität in weiten Teilen Mitteldeutschlands im zurückliegenden Vierteljahrhundert verbessert hat, trägt der Straßenverkehr laut Umweltbundesamt in Dessau-Roßlau (UBA) am stärksten zur Luftverschmutzung in Ballungsgebieten bei. Deshalb berät die noch bis heute in Berlin tagende Umweltministerkonferenz der Länder auch über die Einführung einer blauen Umweltplakette.

Die Umweltressortchefs der Länder wollen den Bund beauftragen, die blaue Umweltplakette auf ihre „zeitnahe Realisierbarkeit zu prüfen“. Falls in diesem oder im kommenden Jahr die ersten Kommunen blaue Sperrzonen ausweisen, dürfen nur noch Autos mit einem Stickoxid-Ausstoß von weniger als 80 Milligramm pro Kilometer passieren. Das schaffen zwar die meisten Benziner, aber nur eine etwa halbe Million moderne Dieselfahrzeuge ab Baujahr 2015. Rund 13 Millionen nicht nachrüstbare Selbstzünder müssten draußen bleiben. Weil das erheblich in Eigentümerrechte eingreifen würde, muss auch geklärt werden, ob die Dieselbarrieren rechtlich überhaupt zulässig wären.

Fast 10.000 Sterbefälle durch Feinstaub und Stickoxide

Feinstaub und Stickoxide belasten Herz und Kreislauf und können die Atemwege schädigen. „Wer ihnen lange ausgesetzt ist, hat ein erhöhtes Risiko, vorzeitig an Herzinfarkt oder Lungenkrebs zu sterben“, betont UBA-Sprecher Felix Poetschke. Berechnungen der Europäischen Umweltagentur zur Krankheitslast ergaben, dass 2014 bundesweit 10.400 vorzeitige Sterbefälle auf Stickoxid-Einwirkungen zurückzuführen waren.

Bundesweit werden an 60 Prozent der verkehrsnahen Messstationen Werte registriert, die zeitweise deutlich über dem Grenzwert liegen. Für Stickoxide und Feinstaub beträgt das kritische Maß 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. „Kommunen müssen Maßnahmen ergreifen, um die Stickstoffdioxid-Belastung in den Innenstädten schnellstmöglich zu reduzieren“, fordert UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. Ältere Dieselfahrzeuge sollten schrittweise aus den Innenstädten verschwinden, fordert sie.

Betroffen sind vor allem stark befahrene Straßen der Großstädte Dresden und Leipzig. Der sächsische Negativrekord von 49 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter im Jahresmittel wird an der Bergstraße der Landeshauptstadt gemessen, doch auch die Leipziger Messdaten am Hallischen Tor (43 Mikrogramm) und in der Lützner Straße (40) verletzen regelmäßig die von der EU vorgeschriebenen Grenzwerte. Große thüringische Städte wie Erfurt und Jena sind weniger von Abgasen belastet – im Gegensatz zu Mühlhausen (33 000 Einwohner, Unstrut-Hainich-Kreis), wo an einer innerstädtischen Steigung im Schnitt 52 Mikrogramm gesundheitsgefährdendes Stickstoffdioxid nachgewiesen werden – die Höchstbelastung in Mitteldeutschland.

Laut der UBA-Prognose wird die Zahl der Diesel-PKW bis 2030 gegenüber 2005 um etwa 90 Prozent zunehmen, während die Zahl der Benzinautos um ein Viertel zurückgehen wird. Um so nachdrücklicher fordert Behördenchefin Krautzberger, „die Modernisierung der Fahrzeugflotte zu beschleunigen“.

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