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"Die Gottesdienste sind stinklangweilig" - Kirchentags-Programm ohne TV-Pfarrer Fliege

"Die Gottesdienste sind stinklangweilig" - Kirchentags-Programm ohne TV-Pfarrer Fliege

Der frühere TV-Pfarrer Jürgen Fliege ist entäuscht, dass er zum Evangelischen Kirchentag in Dresden nicht eingeladen wurde und keine Rolle im Kirchentagsprogramm spielt.

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Der frühere TV-Pfarrer Jürgen Fliege

Quelle: Armin Kühne

Leipzig. "Ich weiß, ich bin da nicht erwünscht. Wir verlieren zwar jeden Tag einen ICE-Zug an Kirchenmitgliedern, etwa 1000 Menschen. Aber mit Leuten, die schneller sind als der Tanker Kirche, hat die Kirche ein Problem“, sagte Fliege der Leipziger Volkszeitung.  „Ich klopfe nicht jeden Tag ans Kirchentagsbüro. Aber es wäre eine Herausforderung gewesen, das Motto ,Da wird auch dein Herz sein‘ wirklich mit Tiefgang und einer steilen These auszureizen.“ So hätte er gern Herztransplantierte auf der Bühne gefragt, ob sie ihr Leben geändert haben. Nun aber befürchtet Fliege einen „üblichen Kirchentag mit Bildern von Volkstanzgruppen und Tralala in der Tagesschau.“ Der Kirchentag in Dresden findet vom 1. bis zum 5. Juni statt.

Natürlich sei er einigen zu radikal, räumt Fliege ein. „Ich sage auch dem EKD-Ratschef, dass die Gottesdienste stinklangweilig sind. Das wir aufhören müssen mit dem ständigen Gerechtigkeitsgelaber. Für Hartz IV sind Parteien zuständig, für die Seelen wir. Das hört der dann nicht so gern.“ Der Theologe vermutet aber, seine Nichteinladung sei vor allem Folge eines Eklats beim Kirchentag 2005 in Hannover, als Fliege den Hauptvortrag halten sollte. „Damals hat die damalige Landesbischöfin von Hannover, Margot Käßmann, heftig gegen meinen Auftritt interveniert. Spätestens seitdem bin ich auf dem Kirchentag eine persona non grata.“ Selbst eine Schwarze Liste über unerwünschte Kirchentagsgäste hält Fliege für denkbar. Christoph Quarch, früherer Studienleiter beim Kirchentag, vermutet gar die Landeskirche in Sachsen als Übeltäter. „Es kann sein, dass die Kirchenleitung ihn partout nicht haben wollte, was mich persönlich bei der sächsischen Kirche nicht wundern würde.“

Kirchentags-Generalsekretärin Ellen Ueberschär wies die Vorwürfe zurück: „Das ist doch Quark". Sie selbst habe keine Berührungsängste mit Jürgen Fliege. „Er ist ein kluger, belesener Mann. Und er erreicht viele Menschen, die sonst kein Interesse an Glauben und Kirche haben“, so Ueberschär. Aber es gebe nun mal unabhängige Projektgruppen, die für Gäste und Themen des Kirchentages zuständig seien. Und es gebe auch evangelische Gruppen, die Probleme mit Fliege haben. Unvergessen seien seine TV-Strafpredigten gegen „den Gauner da oben“ oder seine provokante Neuauslegung der Zehn Gebote. „Dennoch gibt es keinen Grund für eine Verschwörungstheorie“, so Ueberschär.

Verwundert reagiert auch die Landeskirche in Dresden. „Der Kirchentag lädt die Leute ein, nicht wir“, sagt Sprecher Matthias Oelke. Es gebe auch kein Problem mit Kritikern. „Die Gästeliste zeigt, dass der Kirchentag ein offenes Podium für alle ist.“ Zudem sei auch Jürgen Fliege jederzeit eingeladen, als einfacher Teilnehmer an die Elbe zu reisen. Der TV-Talker und Buchautor („Menschenflüsterer“) will allerdings lieber seinen eigenen Kirchentag abhalten, im Oktober im bayrischen Wörishofen. Ihm sei wichtig, die wahre Botschaft Jesu in den Mittelpunkt zu stellen, so Fliege: „Jesus braucht keine Reklame, er ist kein Waschmittel. Jesus war gefragter Therapeut, das haben viele Pfarrer heute leider vergessen.“

Olaf Majer

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