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Die Spur der Mörderbande - Prozess zum Tod von Münchner an Autobahn 9 beginnt von vorn

Die Spur der Mörderbande - Prozess zum Tod von Münchner an Autobahn 9 beginnt von vorn

Sechs Litauer überfallen am 9. Januar 2012 auf einem Autobahn-Parkplatz in Sachsen-Anhalt einen Mann aus München. Er stirbt, gefesselt in seinem Wagen, an seinen Verletzungen.

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Überwachungsbilder der Banken lieferten eine erste Spur der Täter, die ihr Opfer in dessen weißen Kleinbus zurückließen.

Quelle: LVZ

Dessau. Bei einer Jagd über die Landesgrenzen hinweg konnten die Ermittler den Tätern auf die Spur kommen. Am Montag beginnt in Dessau der Prozess gegen die Bande.

Ralf Reibert* plant eine Rucksack-Reise durch Asien. Er löst seinen Haushalt in München auf, kündigt den Job als Informatiker, verfrachtet den Rest seiner Habe in einen gemieteten Transporter. Am Nachmittag des 9. Januar 2012 bricht er auf, will seine Sachen zum Elternhaus in der Nähe von Hamburg bringen. Er kommt nie dort an.

Gefesselte Leiche im Kleinbus

Gegen 21.30 Uhr meldet sich Ralf Reibert zum letzten Mal bei seiner Mutter. Kurz danach hält er auf dem Parkplatz "Rosselquelle" an der Autobahn9 in Sachsen-Anhalt. Nach der Rekonstruktion der Ermittler hat sich das Verbrechen so abgespielt: Auf dem Rückweg von der Toilette überwältigen die Litauer den 39-Jährigen. Die Täter rauben seine Kreditkarten, prügeln so lange auf ihn ein, bis er die PIN-Nummern herausrückt. Noch in derselben Nacht heben sie in Coswig und Wittenberg Geld bis zum Limit ab. Am nächsten Tag nutzen sie die Karten, um in Brandenburg Diesel, Zigaretten, Bier, 75 Packungen Kaffee und 15 Paar Kinderschuhe zu kaufen. Die gesamte Beute hat einen Wert von 4000 Euro.

Erst sechs Tage nach dem Überfall entdeckt ein Jäger den Transporter in einem Waldstück an der Bundesstraße187 zwischen Roßlau und Coswig. Reibert liegt tot im Kleinbus, mit Klebeband und Kabel gefesselt. Das Brustbein und zahlreiche Rippen sind gebrochen, Schädelhirntrauma und zig Blutungen werden festgestellt.

Als erste Spur erweisen sich die Überwachungsbilder aus den Banken. Doch die Veröffentlichung der Fotos mit den Tätern bringt nichts. Die Familie des Opfers startet deshalb im Fe-bruar 2012 einen Aufruf, er kursiert noch immer im Internet. Die Verwandten ahnen zu diesem Zeitpunkt nicht, dass die Bande in Brandenburg erneut zugeschlagen hat. Nach dem gleichen Schema - nur diesmal hat sich das Opfer aus dem Wagen befreit. Der 38-Jährige hat bei diesem Überfall ein Nummernschild erkannt - eine heiße Spur.

Litauen liefert Verdächtige aus

Zwei Landwirten fallen wenig später bei Beeskow in Brandenburg zwei Wagen aus Litauen auf. Sie rufen die Polizei. In einem Auto wird Kleidung gefunden, die die Täter beim Überfall auf Ralf Reibert trugen. Die Klebeband-Spuren beider Überfälle stimmen überein. Drei Personen werden festgenommen, zwei weitere im Sommer von Litauen ausgeliefert.

Die Lösung des Falls bringt der 24-köpfigen Mordkommission "Rotall" einen Preis - den Kriminal-Kater-Award. "Dieser Fall ist spektakulär und der grenzüberschreitende Fahndungserfolg als außergewöhnlich einzuordnen", erklärt Hanno Schulz, Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminal-beamter in Sachsen-Anhalt, der den Preis vergibt. Selbst aus Litauen habe es binnen 48 Stunden eine Rückmeldung gegeben. Das dauere bei Frankreich oder Italien häufig länger.

Die Ermittlungen füllen 61 Akten mit rund 9000 Seiten: Die Grundlage für das am Montag beginnende Verfahren am Landgericht in Dessau gegen die fünf Männer zwischen 21 und 33 Jahren. Der Prozess wegen Mordes aus Habgier, Menschenraubs, Erpressung und Betrugs wird bereits zum zweiten Mal eröffnet. Beim ersten Versuch am 30.Januar 2013 meinten die zehn Verteidiger, von denen die fünf Litauer flankiert werden, ihnen seien Unterlagen nicht fristgemäß vorgelegt worden. Eine längere Krankheit des Richters verzögerte den Prozess zusätzlich.

Im Januar saßen auch die Eltern und beide Brüder des Ermordeten mit im Verhandlungssaal. Sie treten als Nebenkläger auf. Vor sich hatten sie ein gerahmtes Bild von Ralf Reibert aufgestellt: Auf dem Foto sitzt er fröhlich auf seinem Fahrrad. Zum letzten Weihnachtsfest wollte der Informatiker von der Asien-Reise wieder zurück sein.

*Name geändert

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.03.2013

Matthias Pöls

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