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Die schönsten Beine des Ostens: Deutsches Fernsehballett steht vor dem Aus

Die schönsten Beine des Ostens: Deutsches Fernsehballett steht vor dem Aus

Das brachte der real existierende Sozialismus auf die Beine: Das Deutsche Fernsehballett tanzte schon, als es in der DDR noch schwarz-weißen TV-Empfang gab und die Berliner Mauer erst zwei Jahre stand.

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Das MDR-Fernsehballett bei einer Show in der Arena Leipzig. (Archivfoto)

Quelle: André Kempner

Berlin. Und lange nachdem sich die Mattscheibe färbte und die Mauer fiel, tanzten die Damen und Herren in den knappen Röckchen und den engen Hosen weiter. Doch nach etwas mehr als einem halben Jahrhundert droht das Ende: Wenn sich nicht noch etwas ändert, hat das Fernsehballett ausgetanzt - Anfang 2014 soll Schuss sein.

Peter Wolf, der das Ballett vom öffentlich-rechtlichen MDR im vergangenen Jahr in Privatregie übernommen hatte, sieht keine Zukunft. Der Manager fühlt sich vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR), der bisher ein Hauptauftraggeber war, im Stich gelassen. Das Ensemble lasse sich nicht mehr finanzieren. Zusagen für 2014 wolle der Sender nicht einhalten - eine Darstellung, die der Sender zurückweist. Der MDR habe die Verträge eingehalten, mündliche Zusagen wollte Sprecher Walter Kehr nicht bestätigen.

Nach der Wende hatte die Tanztruppe in den großen TV-Shows getanzt. Ob wie zuletzt bei der Muttertags-Gala, bei Florian Silbereisen, Carmen Nebel oder Inka Bause -  das dürfte nun Geschichte sein.

Gegründet wurde das Ensemble 1962 vom Deutschen Fernsehfunk der DDR. Nicht nur Kostüme, Musik und Bewegungen waren exotisch. Das Ensemble brachte Internationalität. Dafür garantierten die Solistinnen Emöke Pöstenyi aus Ungarn und die Halbamerikanerin Susan Baker, die in der DDR Starstatus genossen. In Shows wie „Ein Kessel Buntes“ wirbelten sie über die Mattscheibe. Ob Walzer, Tango, Swing, oder Revuetanz - mehr als 1400 Choreografien eignete sich das Ballett an.

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Das Fernsehballett tanzt bei der Verleihung des Medienpreises «Goldene Henne». Foto: Sören Stache

Quelle: dpa

Manager Wolf hatte noch viel vor mit den 32 Tänzern aus 18 Nationen. Moderner sollten die Shows werden, das Ensemble sollte nicht mehr so stark vom TV-Geschäft abhängen. Ihm schwebten Programme nach dem Vorbild von „Riverdance“ vor. Die Gruppe füllt mit irischem Stepp-Tanz weltweit Säle. Schon 2014 wollte man profitabel sein, hatte Wolf angekündigt.

Der drohende Abgang hat wohl auch mit dem Wandel im Fernsehen zu tun. Statt großer Shows für die ganze Familie richtet sich die Unterhaltung heute an getrennte Zuschauergruppen: Casting für die Jüngeren, Quiz für die etwas Älteren. Internet und Video auf Abruf zehren zusätzlich am Zeitkonto.

„Aus Kostengründen wird heute eher in den Videoclips als live im Studio in Musikshows getanzt“, sagt die Medienwissenschaftlerin Joan Bleicher (Universität Hamburg). Doch sie sieht auch Chancen für klassische TV-Shows. Derzeit arbeiteten selbst kommerzielle Sender an der Wiederbelebung traditioneller Formate.

Das Fernsehballett gehörte - wie bis heute auch das Tanzensemble am Friedrichstadtpalast - zu den Größen in der ostdeutschen Showbranche. Dabei glückten allerdings nicht alle Auftritte: Ein Engagement vor gut zwei Jahren für den umstrittenen Machthaber Tschetscheniens auf Kosten der Gebührenzahler löste Proteste aus und führte letztendlich zum Verkauf.

Choreografin Pöstenyi hielt das Ensemble nach dem Mauerfall zusammen und kämpfte für dessen Weiterleben, bis es schließlich beim MDR-Fernsehen „andocken“ konnte. Mit der Wende schien das Ballett ausgetanzt zu haben. Als Pöstenyi 1991 eine Auszeichnung erhielt, nutzte sie die Danksagung zum Appell für den Erhalt des Ensembles. Die Worte hatten Resonanz. So gehörte das Ballett zu den Prominenten und Sendungen, die die DDR überlebten - bis jetzt.

Esteban Engel, dpa

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