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Drei von vier Jugendlichen in Sachsen müssten nicht hinter Gitter

Lieber Knast statt Sozialstunden Drei von vier Jugendlichen in Sachsen müssten nicht hinter Gitter

Die meisten jungen Straftäter gehen lieber ins Gefängnis, als Sozialstunden zu leisten. Das geht aus einer Statistik des sächsischen Justizministeriums hervor. Demnach sind nur etwa ein Viertel der in Justizvollzugsanstalten einsitzenden Jugendlichen tatsächlich zu Arreststrafen verurteilt worden.

Viele jugendliche Straftäter gehen lieber hinter Gittern, statt andere Auflagen wie Sozialstunden zu erfüllen. Nach verbüster Haftzeit müssen sie diese dann aber nachholen. (Archivbild)

Quelle: dpa

Leipzig. Die meisten jungen Straftäter gehen lieber ins Gefängnis, als Sozialstunden zu leisten. Das geht aus einer Statistik des sächsischen Justizministeriums hervor, die der Leipziger Volkszeitung vorliegt. Demnach sind nur etwa ein Viertel der in Justizvollzugsanstalten einsitzenden Jugendlichen tatsächlich zu Arreststrafen verurteilt worden - die große Mehrheit der zwischen 14- bis 21-Jährigen muss hinter Gitter, weil sie Auflagen von Gerichten nicht erfüllt haben. Dazu zählen insbesondere Sozialstunden: Also gemeinnützige Arbeit in Hilfsorganisationen, Schulen oder Vereinen, zu denen sie verurteilt wurden. Außerdem geht es um Weisungen für Trainingskurse, um Gewaltpotenzial abzubauen, sowie zur Suchttherapie und Betreuungshilfe, denen nicht nachgekommen wird. In solchen Fällen wird der sogenannte Ungehorsamsarrest von Gerichten verhängt.
 
"Der verhältnismäßig hohe Anteil an Ungehorsamsarresten lässt sich mit der jugendlichen Unreife der Verurteilten erklären. Oftmals nehmen die Jugendlichen die vom Gericht erteilten Weisungen oder Auflagen nicht ernst oder sind sich trotz erteilter Belehrung nicht bewusst, welche Konsequenzen die Nichtbefolgung haben kann", erklärt Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) gegenüber der LVZ. Um auf diese Jugendlichen "dennoch erzieherisch einzuwirken und ihnen den Ernst ihrer Lage zu verdeutlichen", könne der Richter Jugendarrest verhängen, so Gemkow.

Immer mehr Jugendliche verstoßen gegen die Auflagen

Dass immer mehr Jugendliche gegen die Auflagen verstoßen, verdeutlicht ein Blick auf die konkreten Zahlen. Während die von den Gerichten vor allem wegen Diebstahls, Körperverletzungen und Einbrüchen verhängten Arreststrafen seit 2013 kontinuierlich zurückgehen, ist der Anteil der Ungehorsamsarreste auf 77 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen (2014: 592 Fälle, 2015: 515 Fälle). Mehr als 80 Prozent der Verurteilten sind junge Männer. Nach gegenwärtigem Stand hat sich diese Entwicklung auch 2016 fortgesetzt. Allein im ersten Halbjahr wurde 394 Mal eine Arreststrafe verhängt.

Damit liegt Sachsen weit über dem Bundesdurchschnitt: Laut Deutschem Jugendinstitut (DJI) werden bundesweit etwa 40 Prozent der richterlichen Weisungen und Auflagen, die eigentlich eine bessere Resozialisierung ermöglichen sollen, zu Arreststrafen umgewandelt. Diese Erziehungsmaßnahmen gelten laut DJI als "praktisch wichtigstes Sanktionsmittel". Bis zu vierwöchiger Arrest wird hingegen immer dann verhängt, wenn ein Freiheitsentzug von mindestens sechs Monaten nicht gerechtfertigt erscheint oder eben andere Erziehungsmaßnahmen nicht greifen. Was die meisten jungen Straftäter allerdings nicht wissen: Nach der Vollstreckung des Ungehorsamsarrests müssen die noch ausstehenden Auflagen weiterhin erfüllt werden, sofern das Gericht nicht davon absieht.

In Sachsen werden die Arreste vor allem in der JVA Regis-Breitingen abgesessen, daneben auch in Dresden und Bautzen; junge Frauen kommen zum Arrest in die JVA Chemnitz.

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