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"Dresden Nazifrei" plant Demo für Zeltstadt - Neuer Anschlag auf weitere Asylunterkunft

Asylbewerber "Dresden Nazifrei" plant Demo für Zeltstadt - Neuer Anschlag auf weitere Asylunterkunft

Die Dresdner Zeltstadt für Flüchtlinge beherbergt jetzt mehr als 700 Menschen. Auf die anfänglichen Gewaltattacken von Neonazis folgt erst einmal Ruhe. Dafür kommt es an anderer Stelle zu einem ernsten Zwischenfall.

Mehr als 700 Menschen leben jetzt in der Dresdner Flüchtlings-Zeltstadt.

Quelle: dpa

Dresden. Nach der Ankunft weiterer Flüchtlinge ist es vor der Zeltstadt in Dresden erst einmal friedlich geblieben, während anderswo in der Stadt ein Asylbewerberheim angegriffen wurde. Im Dresdner Stadtteil Stetzsch flogen am Sonntagabend auf ein zu einem Heim umgebautes ehemaliges Hotel Steine. Dabei gingen laut Polizei sechs Scheiben zu Bruch. Die Beamten trafen nach den Vorfall an einer Tankstelle nahe dem Tatort auf 27 Personen und stellten deren Identität fest. Es werde geprüft, ob diese mit der Tat in Verbindung stünden, hieß es. Zur Höhe des Schaden gab es zunächst keine Angaben.

Mit Blick auf die Zeltstadt sagte ein Polizeisprecher: „Wir sind dort ständig präsent.“ Auch das Umfeld im Stadtteil Friedrichstadt werde mit Streifen beobachtet. Am Freitagabend war es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen. Innenstaatssekretär Michael Wilhelm bat die Teilnehmer des für Montag in Dresden angekündigten „Abendspazierganges“ des islamkritischen Bündisses Pegida, der Zeltstadt fernzubleiben. „Meine Bitte wäre, diese Leute hier in Ruhe zu lassen“, sagte er am Sonntag bei einem gemeinsamen Besuch des Camps mit Gleichstellungsministerin Petra Köpping (SPD). „Diese Menschen sind traumatisiert und haben Schweres hinter sich.“

"Dresden Nazifrei" kündigt Demo an

Laut Innenministerium leben jetzt 721 Flüchtlinge aus 15 Nationen in der Zeltstadt. Die meisten kommen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan, Albanien und Russland. Am Samstagabend waren weitere Busse mit 251 Asylsuchenden eingetroffen. Ursprünglich waren etwa 300 angekündigt gewesen. Dem Deutschen Roten Kreuz zufolge wird zunächst nicht mit weiteren Flüchtlingsbussen gerechnet.

Das Netzwerk "Dresden Nazifrei" hat auf Facebook für Montagabend eine Demonstration angekündigt. Dabei soll es um eine "sichere und menschenwürdige Aufnahme von Flüchtlingen" gehen. Die Notunterkünfte unterm Zeltdach bezeichnen die Initiatoren als "weiteres Armutszeugnis für die sächsische Asylpolitik". Die Demonstranten wollen am Montag mit ihrer Veranstaltung auch dem geplanten Pegida-Aufmarsch etwas entgegensetzen.

Am Freitag ist in Dresden eine Zeltstadt für bis zu 1100 Flüchtlinge errichtet worden. Nazis fanden sich vor der Asylnotunterkunft zu einer Demonstration ein. Auch Gegendemonstranten waren vor Ort.

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Am Freitag war es vor der Ankunft von knapp 500 Flüchtlingen an dem Dresdner Camp zu Attacken Rechtsextremer auf linke Gegendemonstranten gekommen. Dabei waren drei Sympathisanten der Asylsuchenden verletzt worden. Innenstaatssekretär Wilhelm nannte die Ereignisse „beschämend“ und kündigte ein konsequentes Vorgehen an. Es sei aber nicht zu wenig Polizei im Einsatz gewesen. Wilhelm zufolge werden die Asylbewerber von den meisten Dresdnern  „mit offenen Armen“ empfangen. Es seien so viele Sachspenden eingegangen, dass deren Annahme zunächst gestoppt wurde.

Das Camp mit mehr als 30 Zelten war am Freitag in Windeseile aus dem Boden gestampft worden, weil die Kapazitäten der Erstaufnahme in Chemnitz und ihrer Außenstellen mit insgesamt mehr als 4000 Plätzen erschöpft sind. Das Zeltlager kann bis zu 1100 Menschen aufnehmen.

Sachsens Ausländerbeauftragter Geert Mackenroth wies den Vorschlag des Innenministers von Sachsen-Anhalt, Holger Stahlknecht (CDU), zurück, die Bundeswehr zur Bewältigung der Flüchtlingszuströme einzusetzen. „Hilfsorganisationen und Sicherheitskräfte haben die Lage im Griff“, bemerkte Mackenroth. Das „beengte und hygienisch nicht immer beanstandungsfreie Quartier“ könne kein Dauerzustand, sondern nur eine Übergangslösung für wenige Tage sein.

Verdoppelung der Kosten

Für Menschen, die vor Krieg und unvorstellbarer Gewalt aus Syrien, Irak oder Eritrea flüchteten, sei die Aufnahme nach Asylrecht und Flüchtlingskonvention ein „Gebot der Menschlichkeit“, sagte der evangelische Landesbischof Jochen Bohl. Die Asylverfahren von Menschen aus dem Balkan müssten hingegen dringend verkürzt und beschleunigt werden.

Sachsen rechnet in diesem Jahr mit mehr als einer Verdoppelung der Kosten für die Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen. Im vergangenen Jahr brachte das Land dafür knapp 103 Millionen Euro auf, in diesem Jahr sollen es rund 226 Millionen Euro sein, teilte das Finanzministerium mit. Für 2016 wird eine Summe von etwa 228 Millionen Euro angenommen.

LVZ

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Dresden-Friedrichstadt
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