Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Dresdner Forscher arbeiten an neuer HIV-Therapie

Dresdner Forscher arbeiten an neuer HIV-Therapie

Diese Forschung ist Nobelpreis-verdächtig: In Dresden arbeiten Wissenschaftler daran, die Tod bringende HIV-Infektion heilbar zu machen. Nach jahrelangen Erfolg versprechenden Testreihen in Reagenzgläsern ist ihnen jetzt der nächste entscheidende Schritt gelungen: Infizierte Labormäuse konnten tatsächlich geheilt werden.

Voriger Artikel
Leipziger Bundesverwaltungsgericht weist Klage ab: Keine Einsicht in Barschel-Akten des BND
Nächster Artikel
Flüchtlingsdebatte für Menschenfreundlichkeit im sächsischen Landtag

Der Dresdner Molekularbiologe Frank Buchholz zeigt die Nährlösung, in der sich das sogenannte Scheren-Gen befindet.

Quelle: Andreas Debski

Dresden. Sie messen gerade einmal zehn Zentimeter, sie sind weiß, und sie tragen zu einer medizinischen Revolution bei: 50 Mäuse, die sich trotz einer HIV-Infektion bester Gesundheit erfreuen - weil das tödliche Virus aus ihren Körpern entfernt werden konnte. "Es ist das erste Mal, dass uns das bei einem lebenden Organismus gelungen ist", sagt Frank Buchholz, Molekularbiologe an der Medizinischen Fakultät der TU Dresden und dem Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden.

Im Reagenzglas hatten die Wissenschaftler um Frank Buchholz bereits 2007, nach fünf schwierigen Forschungsjahren, beweisen können, dass eine solche Infektion rückgängig gemacht werden kann. Eine Ansteckung bei Menschen gilt dagegen bis heute als unumkehrbar: Denn der Erreger gehört zu den Retroviren, die ihre Erbsubstanz in die DNA der infizierten Zellen einfügen. Das Prinzip, das sich die Dresdner - in Zusammenarbeit mit Aids-Forschern vom Hamburger Heinrich-Pette-Institut - zunutze machen, lässt sich schlicht als Gen-Schere beschreiben. Das heißt, bestimmte natürliche Enzyme, Rekombinasen genannt, haben die Eigenschaft, den DNA- Strang zu zerschneiden und ihn neu zusammenzusetzen.

In 120 Generationen wurde in Dresden ein Enzym gezüchtet, das das HI-Virus angreift. Dessen Gene werden aus dem Erbgut der menschlichen Zelle herausgelöst und wieder verklebt. Das Resultat ist eine geheilte Zelle, eine vom tödlichen Virus befreite Zelle - und die DNA der Wirtszelle bleibt intakt. "Wir sind aber noch einige Schritte von einer Therapie entfernt", dämpft Frank Buchholz übereilte Erwartungen, "natürlich bin ich optimistisch, doch es sind noch eine Reihe von Versuchen notwendig."

Dazu gehören klinische Studien, die ab 2015 beginnen sollen. Eigentlich könnten die Dresdner mit ihren Hamburger Kollegen bereits jetzt damit beginnen - doch das bislang verwendete HI-Virus ist ein vergleichsweise einfaches und kommt ausschließlich in Afrika vor. "Die Hürden für solche klinischen Studien sind sehr hoch. Es wäre unmöglich, diese Tests in Afrika durchzuführen", erklärt der Molekularbiologe. Deshalb haben die Forscher in 200 Generationen eine sogenannte Breitband-Schere entwickelt, die auch kompliziert gebaute Viren knacken kann, wie sie unter anderem in Deutschland verbreitet sind - "damit dürften etwa 90 Prozent der bekannten HI-Viren zu bekämpfen sein". Dieses Enzym befindet sich momentan in besagter Mäuse-Phase. Die ersten Ergebnisse sind ebenfalls vielversprechend.

Hinzu kommt allerdings ein Problem, unter dem die revolutionären Wissenschaftler schon chronisch leiden: das fehlende Geld. Um die Forschungen in den nächsten Jahren weiterfinanzieren zu können, sind zwischen fünf und zehn Millionen Euro notwendig. Deshalb versucht Frank Buchholz gegenwärtig wieder einmal, private Sponsoren und öffentliche Mittel für die neue Aids-Therapie zu akquirieren. Im Gegensatz zu den Erkrankten interessieren sich Pharmafirmen jedoch kaum für die weltweit einmaligen Leistungen. Für die Unternehmen ist es finanziell weitaus lukrativer, wenn HIV-Patienten ein Leben lang auf Medikamente angewiesen sind, als dass sie geheilt werden. "Durch die Gen-Schere werden diese Arzneimittel, die nicht selten Nebenwirkungen haben, überflüssig", erklärt Frank Buchholz.

Sollte die Scheren-Methode in etwa zehn Jahren ausgereift sein, wäre eine Behandlung über eine somatische Gen-Therapie möglich. Das bedeutet, dass Patienten Blut entnommen wird und die blutbildenden Stammzellen daraus isoliert werden. Im Labor - im Reagenzglas oder einem Gerät, das wie bei einer Dialyse arbeitet - wird dann der Bauplan für das Enzym mit der Gen-Schere eingebracht. Dem Patienten werden anschließend seine eigenen, genetisch veränderten Blutzellen zurückgegeben. Das Szenario geht davon aus, dass nach und nach immer mehr genetisch veränderte Immunzellen heranwachsen und das Blutsystem auf diese Weise erneuern. Eine Ansteckung beziehungsweise Weiterverbreitung wäre nicht mehr möglich. Und der Patient geheilt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.11.2013

Andreas Debski

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Digital Abo

    "LVZ Digital Abo" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kön... mehr

  • Farbspiele
    Die Sparkasse Leipzig sucht für Ihren Kalender 2018 farbenfrohe Fotos

    Beim Fotowettbewerb der Sparkasse Leipzig kann nun über die zwölf Kalendermotive abgestimmt werden. Das Voting endet am 31. August 2017. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr