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Dresdner Krankenschwester muss wegen Mordes lebenslänglich hinter Gittern

Dresdner Krankenschwester muss wegen Mordes lebenslänglich hinter Gittern

Dresden. Eine Krankenschwester ist am Freitag vom Landgericht Dresden wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt worden.

Die 33-Jährige darf zudem nie wieder einen Kranken- oder Altenpflegeberuf ausüben. Aus Sicht der Richter hat sie ihre Adoptivmutter umgebracht, einen Patienten zu töten versucht sowie ihre Großmutter und einen weiteren Patienten verletzt. Vom Vorwurf des Mordes an ihrem ersten Ehemann wurde die Frau dagegen freigesprochen. Mit dem noch nicht rechtskräftigen Urteil folgte die Schwurgerichtskammer der Forderung der Staatsanwaltschaft, die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

Der Prozess vor dem Dresdner Gericht lief seit mehreren Monaten. Einen handfesten Beweis für die Vorwürfe der Anklage gegen die Krankenschwester hatte die Schwurgerichtskammer nicht. Gegen die Frau sprachen jedoch eine ganze Reihe von Indizien. Der Kriminalfall gilt als einer der spektakulärsten an der Elbe seit der Wende.

„Wo Bianca war, wurde gestorben", brachte es ein Angehöriger als Zeuge vor Gericht auf den Punkt. Laut Anklage hat die dunkelhaarige, zierliche Frau innerhalb von wenigen Jahren fünf Kapitalverbrechen begangen: ihren ersten Ehemann (32) und ihre 57-jährige Adoptivmutter jeweils mit einer Überdosis Insulin getötet und ihre Großmutter sowie zwei Patienten zu töten versucht.

„Wer hat Dienst?", fragte der Notarzt am 18. Februar 2009, als ein Patient auf der Geriatrischen Station des Krankenhauses Dresden- Neustadt kollabierte. Nach der Antwort „Schwester Bianca" rief er nur noch: „Zuckerspiegel! Ich brauche den Zuckerspiegel!" Bereits vier Mal zuvor hatte es medizinisch nicht zu erklärende Komplikationen mit dem Zuckerspiegel bei Patienten gegeben. Auch der Mann war extrem unterzuckert - hervorgerufen durch eine Insulin-Injektion.

Staatsanwalt Christian Richter war nach den Zeugenaussagen überzeugt, dass die Krankenschwester das Insulin verabreichte und damit ihren Mann und die Adoptivmutter umbrachte - aus Heimtücke und Habgier. Auch ihrer Großmutter habe sie Insulin gespritzt, die 84- Jährige konnte wie der Patient im Krankenhaus gerettet werden. Schon ein Jahr zuvor soll die 33-Jährige ein Krankenzimmer angezündet und einen Patienten zuvor mit starkem Beruhigungsmittel betäubt haben. Auch dieser Mann überlebte. Als Zeugen standen diese drei Opfer nicht mehr zur Verfügung - die Oma sowie die beiden 58 und 72 alten Patienten sind inzwischen gestorben.

Am 30. Juli 2009 wurde die Beschuldigte verhaftet - quasi in letzter Minute. Denn sie war im Begriff, mit ihrer Familie in die Schweiz überzusiedeln. Dort warteten ein neuer Job und ein gemietetes Haus. Gegenüber der Polizei bestritt sie die Taten. In dem seit August 2009 laufenden Prozess zog sie es vor, zu schweigen. Zur Sache kein Wort, nur zwei spontane Zwischenrufe, als Zeugen sie in schlechtem Licht darstellten: „Natürlich war ich überfordert. Ich musste ja auch alles machen, während er gar nichts im Haushalt getan hat!", rief sie ihrem früheren Schwiegervater zu.

Die Indizienkette, die Staatsanwalt Richter im am Freitag zu Ende gegangenen Prozess aneinanderreihte, war dicht: Bei der Hausdurchsuchung wurden sowohl Insulin als auch Beruhigungsmittel aus dem Krankenhaus gefunden. Bei den möglichen Morden sah Richter klare Motive: Der Mann der Krankenschwester soll sie geschlagen und Beziehungen mit anderen Frauen gehabt haben, die Adoptivmutter hatte Geld und eine hochdotierte Lebensversicherung, die die verschuldete Angeklagte in ihren Besitz bringen wollte.

Bei der Oma und den beiden Patienten gab es dagegen keine eindeutige Antwort auf die Motive. Trotzdem plädierte Staatsanwalt Richter auf eine lebenslange Haftstrafe mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Den Verteidigern Ines Kilian und Hans-Jörg Elbs blieb nichts anderes übrig, als Zweifel gegen die Anklage zu streuen. Angesichts des umfangreichen Belastungsmaterials waren sie aber meist in der Defensive und forderten Freispruch aus Mangel an Beweisen.

Die Taten könnten ihrer Mandantin nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden, auch andere Täter oder Selbstmorde seien möglich, argumentierte die Verteidigung. Aber gegen die 33-Jährige sprachen viele Indizien. Wie ihre Antwort auf die Frage nach der Anzahlung für einen 45.000 Euro teuren Wagen: „Das Geld erbe ich von meiner Adoptivmutter." Die erfreute sich zu diesem Zeitpunkt noch bester Gesundheit - und war kurz darauf tot.

ahr / dpa

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