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Dresdner Tintenhersteller "Barock" ist pleite

Dresdner Tintenhersteller "Barock" ist pleite

Die Zeiger der großen Uhr am Eingang der „Barock Bürobedarf GmbH" an der Emilienstraße bewegen sich schon lange nicht mehr. Das alte Pförtnerhäuschen ist unbesetzt.

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Logo des traditionellen Tintenherstellers Barock.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. In den Fluren und im Treppenhaus hört man kaum einen Mucks. Die Maschinen des traditionsreichen Tintenherstellers, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1826 zu einer von August Leonhardi gegründeten Fabrik reichen, stehen seit etwa zwei Wochen still.

Am Donnerstag wurde bekannt, dass die Barock Bürobedarf GmbH mit einem Minus im sechsstelligen Bereich vor dem Aus steht. Nach Angaben des Dresdner Amtsgerichts wurde Frank Rüdiger Scheffler von der Kanzlei Tiefenbacher zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt.

In einem anonymen Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, erhebt ein ehemaliger Mitarbeiter schwere Vorwürfe gegen den alleinigen Barock-Gesellschafter Hellmuth Hartel (86), der in Frankfurt/Main lebt und dort sein Büro hat. Er habe das Unternehmen in den vergangenen Monaten „bewusst vernachlässigt".

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Sie sind die letzten verbliebenen Mitarbeiter der Barock Bürobedarf GmbH an der Emilienstraße und blicken größtenteils in eine ungewisse Zukunft.

Quelle: Dietrich Flechtner

Hartel wies dies gestern gegenüber den DNN entschieden zurück. „Ich habe wie kein anderer in die Barock Bürobedarf GmbH investiert, bin der größte Gläubiger, habe wegen dieser Firma mein Haus, zwei andere Unternehmen und mein Grundstück verloren und das alles nur, weil ich gehofft hatte, dass wir das Ruder in Dresden rumreißen und die Tradition retten können." Doch seit 2006 seien die Umsätze unter anderem wegen der billigen Konkurrenz aus Fernost auf bis zu 500 000 Euro pro Jahr eingebrochen. „Ich glaube nicht, dass Barock noch zu retten ist", meint Hartel, und die Resignation ist seiner Stimme deutlich zu entnehmen. „Ich dachte, dass ich es schaffe, aber ich habe es nicht geschafft. Feierabend."

Hartel fühlt sich auch von seinen ehemaligen Geschäftsführern hintergangen. So seien unter anderem Rezepturen für Tinten geklaut und in später gegründeten, eigenen Betrieben genutzt worden. Den Entschluss, einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht zu stellen, fasste Hartel Ende Februar.

Seitdem sitzt der Schock bei den verbliebenen zwölf Mitarbeitern tief. Kein Vergleich mehr mit DDR-Zeiten. Damals war Barock der einzige Hersteller von Tinte im ganzen Land und beschäftigte mehr als 400 Menschen. Zu ihnen gehörte Betriebstechniker Dietmar Beaujeau, der hier 1981 anfing. „Es ist ein Trauerspiel. Dieses Unternehmen hätte nicht kaputt gehen müssen", sagt er. Das Hauptproblem seien Managementfehler gewesen. „Drei der Geschäftsführer, die durch Herrn Hartel eingesetzt wurden, hatten nebenbei eigene Geschäfte und damit kein Interesse, sich voll auf Barock und die Probleme zu konzentrieren."

Er und seine Kollegen können sich noch gut an die Zeit vor einigen Jahren erinnern, als sich der „Pelikan des Ostens" (eine Anspielung auf den ungleich größeren Konkurrenten im Westen) nicht mehr auf seine Kernkompetenz, das Geschäft mit Tinten und Klebern, konzentrierte, sondern den Sprung zum Vollsortimenter für modernen Bürobedarf wagte. „Das ging gründlich schief. Wir hätten einfach bei unserem Leisten bleiben müssen", klagt Beaujeau.

Bereits Ende der 1990er Jahre wurde ein Konkursverfahren über die Barock Bürobedarf GmbH eröffnet. Damals übernahmen Hartel und sein damaliger Partner Gerhard Mäder den Betrieb. Mäder räumte 2007 nach Unstimmigkeiten seinen Stuhl und hinterließ laut Hartel einen großen Schuldenberg.

chs

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