Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Dresdner Zeltlager weiter in der Kritik

Flüchtlinge Dresdner Zeltlager weiter in der Kritik

Die anhaltende Hitze macht den Flüchtlingen im Zeltlager zu schaffen. Das DRK stellt tausende Liter Trinkwasser bereit. Ehrenamtliche Mediziner beklagen die hygienischen Bedingungen – andere wiederum sehen keine akute Gefahr für eine Epidemie.

Hitze in der provisorischen Zeltstadt für Flüchtlinge in Dresden.

Quelle: dpa

Dresden. Das Dresdner Zeltlager für Flüchtlinge sorgt weiter für Diskussionen. Während ehrenamtlich tätige Ärzte der Dresdner Uniklinik die hygienischen und medizinischen Bedingungen in der Zeltstadt kritisierten, sehen andere Mediziner wiederum keine akute Gefahr für mögliche Epidemien. Erstmals hatten am Freitag auch Journalisten Zugang zu dem Lager.

Das Gesundheitsministerium räumte ein, dass „die hygienische Situation anfangs kritisch war und auch noch nicht optimal ist.“ Laut Gesundheitsstaatssekretärin Andrea Fischer habe es aber in den vergangenen Tagen Verbesserung gegeben. Demnach wurden sämtliche Dixi-Toiletten durch Container ersetzt, zwei Ärzte des DRK kümmern sich um die Flüchtlinge.

Derzeit sind rund 900 Asylsuchende in der Dresdner Zeltstadt untergebracht. Wegen der Hitze befürchten Mediziner eine humanitäre Katastrophe. Im Zeltlager arbeitende Ärzte sagten jedoch, es drohten keine Epidemien.

Zur Bildergalerie

Sobald ein Patient Durchfall habe, werde dieser ins Krankenhaus geschickt, erklärte die ärztliche Geschäftsführerin der Landesärztekammer, Patricia Klein. Das Gesundheitsamt der Stadt sei jeden Tag vor Ort, um die Standards zu kontrollieren. Laut Klein, die sich ehrenamtlich in der Zeltstadt engagiert, werde gerade ein Notfallplan für Epidemien erstellt. „Die Kliniken sind alle bereit, Patienten aufzunehmen.“

Mediziner hatten am Freitag angesichts der anhaltenden Hitze vor dem Ausbruch von Krankheiten in dem Camp gewarnt. „Die hygienischen Bedingungen sind unzureichend, es besteht die Gefahr von gefährlichen Durchfallerkrankungen“, sagte Gerhard Ehninger vom Dresdner Universitätsklinikum. Zudem drohe die Gefahr von Hitzschlägen, weil es in der Zeltstadt kaum Schatten gebe. Auch die Versorgung mit Trinkwasser an den Wasserausgabestellen ist nach Einschätzung des Arztes nicht ausreichend.

Ehninger sprach von einer „humanitären Katastrophe“, weil die Unterbringung der Flüchtlinge nicht den internationalen Standards entspreche. Die Zelte seien überbelegt, es gebe zu wenige Toiletten. Für Kinder bestehe Verletzungsgefahr durch spitze Steine, die als Untergrund dienten. Der Arzt kritisierte zudem die schlechten Arbeitsbedingungen für ehrenamtliche medizinische Helfer. Ehninger forderte daher eine „konzertierte Aktion“, um die medizinische Betreuung der Flüchtlinge zu koordinieren – und sieht dafür vor allem das Gesundheitsministerium in der Pflicht.

Nach den Worten von DRK-Chef Rüdiger Unger arbeite man in dem Zeltlager nach einem Standard für die Nothilfe. „Es entspricht nicht dem, was wir uns wünschen. Es wird aber jeden Tag ein Stück besser.“ Zudem betonte er, dass es kein Mangel an Trinkwasser gebe. Es seien rund 30.000 Liter vorrätig. Für die Flüchtlinge stünden 14 Toiletten für Frauen und 25 für Männer zur Verfügung. Zudem gebe es auf dem Gelände elf Duschcontainer für Frauen und sowie 20 für Männer.

Auch der Sächsische Flüchtlingsrat, der Ausländerrat Dresden, das Netzwerk „Dresden für Alle“ sowie die Ausländerbeauftragte der Stadt kritisierten die Zustände. „In dieser Hitze unter solchen Bedingungen, das ist gefährlich, vor allem für Kinder“, so die Ausländerbeauftragte Kristina Winkler. Ihrer Einschätzung nach würde die Kinderrechtskonvention der UN nicht eingehalten. Zur Begründung verwies sie auf unzureichende Möglichkeiten zur körperlichen Pflege, mangelhafte Ernährung und fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten.

Winkler forderte, Familien und Schwangere so schnell wie möglich in festen Unterkünften unterzubringen. Laut DRK-Chef Rüdiger Unger habe man in den letzten Tagen jede Chance genutzt, Familien mit Kindern in feste Unterkünfte zu schicken. Am Freitag sollten bis zum Abend rund 200 Betroffene das Camp verlassen haben. Bisher waren rund 1000 Menschen in der Zeltstadt untergebracht.

lvz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Dresdner Zeltstadt
Die Studentin Anne Siebert arbeitet in ihren Semesterferien als Logistikerin im Zeltlager für Asylbewerber in Dresden.

Das Dresdner Zeltlager für Flüchtlinge hat für negative Schlagzeilen gesorgt. In einem Punkt sind sich aber selbst die Kritiker einig: Ohne die vielen Helfer wäre die Lage noch viel bedrückender.

mehr
Mehr aus News
  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr

  • 24 Stunden in der Region

    Firmen und Unternehmen in der Region Leipzig stellen sich vor. mehr

  • TAW - Technische Akademie Wuppertal
    TAW  - Technische Akademie Wuppertal

    Ein Werbespecial der LVZ für die Technische Akademie Wuppertal mit Infos zum breitgefächerten Angebot. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr