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Drogenbeauftragte gegen Aufweichung des Rauchverbots - "Menschen sind daran gewöhnt"

Drogenbeauftragte gegen Aufweichung des Rauchverbots - "Menschen sind daran gewöhnt"

Mechthild Dyckmans (FDP), die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, lehnt die Legalisierung von Cannabis ab und ist gegen eine Aufweichung des Rauchverbots. Diese werde in einzelnen Bundesländern wie Sachsen betrieben und stelle einen Schritt zurück dar.

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Mechthild Dyckmans (FDP), die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, lehnt die Legalisierung von Cannabis ab und ist gegen eine Aufweichung des Rauchverbots.

Quelle: Andreas Döring

Leipzig. "Die Menschen hatten sich doch schon an das Rauchverbot in der Gastronomie gewöhnt", sagt sie im LVZ-Interview.

Frage:

Können Sie sich mit einer teilweisen Legalisierung von Cannabis anfreunden?

Mechthild Dyckmans:

Nein, das wäre das völlig falsche Signal. Der Cannabis-Konsum nimmt gerade ab. Die Droge hat heute oft einen viel höheren Wirkstoffgehalt als früher und ist gerade für junge Leute sehr gefährlich. Sie kann zu Depressionen, Halluzinationen und anderen psychischen Störungen führen. Etwa 200 000 Menschen sind in Deutschland von Cannabis abhängig. Aber wird Cannabis nicht auch in der Medizin eingesetzt? Wir als christlich-liberale Regierung haben als erste Cannabis als Medizin zugelassen, aber in Form eines Fertigarzneimittels. Es gibt bisher ein Cannabis-haltiges Medikament auf dem Markt gegen Schmerzen bei Multipler Sklerose. Aber dass nun jeder zu Hause Cannabis anbaut, das können und wollen wir nicht zulassen. Die Linken möchten den Besitz von 30 Gramm getrocknetem Cannabis erlauben. Wie lässt sich das kontrollieren? Überhaupt nicht. Zudem wird der Schwarzmarkt dadurch nicht ausgetrocknet. Aber warum wird dann Alkohol nicht verboten? Immerhin sterben jährlich 75 000 Menschen an den Folgen des Missbrauchs? Die Mehrheit konsumiert keine illegalen Drogen und will das auch nicht. Alkohol oder Tabak gehören bei uns seit hunderten von Jahren zur Kultur. Aber es ist doch keine Logik, wenn man dann sagt, dann müssen auch andere gefährliche Substanzen zugelassen werden. Auch wenn der Cannabis-Konsum zurückgeht, so kommen doch immer mehr Menschen, die diese Droge nehmen, in die Beratungen und Behandlungen, weil sie dadurch schwere Probleme haben. In den Bundesländern gibt es Höchstmengen für den straffreien Cannabis-Besitz, die zwischen sechs und 15 Gramm liegen. Lässt sich das nicht einheitlich regeln? Der Konsum von Cannabis ist nicht strafbar, daher kann eine geringe Menge zum Eigengebrauch straffrei sein. Das waren einmal generell sechs Gramm. Einige Länder sind davon abgewichen. Berlin erlaubt nun 15 Gramm, Nordrhein-Westfalen 10. Die Unterschiede sind groß, ebenso unterschiedlich fällt dann die Bestrafung aus. Das kann kein Dauerzustand sein. Deshalb will ich mich während meiner Amtszeit für eine Vereinheitlichung einsetzen. Haben Sie mal geraucht? Ja, als Studentin, aber nur gepafft, nie auf Lunge, vielleicht vier oder fünf Schachteln Zigaretten insgesamt. Bei Jugendlichen ist der Tabak-Konsum heute auch rückläufig. Worauf führen Sie das zurück? Das hat sicher auch mit dem Preis zu tun. Ich habe von Jugendlichen gehört, dass ihnen das Rauchen zu teuer sei. Der Hauptgrund ist für mich aber, dass Rauchen gesellschaftlich nicht mehr anerkannt ist. Es gibt mittlerweile ein Bewusstsein in der Öffentlichkeit dafür, dass auch Nichtraucher gefährdet sind. Für Jugendliche gelten Zigaretten nicht mehr als cool. Ist es da nicht ein Rückschritt, wenn die bereits durchgesetzten Rauchverbote in vielen Gaststätten teilweise wieder aufgehoben werden? Dafür habe ich kein Verständnis. Diese Aufweichung, die jetzt in einzelnen Bundesländern wie Sachsen betrieben wird, ist ein Schritt zurück. Die Menschen hatten sich doch schon an das Rauchverbot in der Gastronomie gewöhnt. Auch Gastronomen haben mir das bestätigt. Und dass deswegen die Gäste wegbleiben, stimmt so auch nicht. Im Gegensatz zum Nikotin steht das Koma-Saufen unter Jugendlichen weiter hoch im Kurs. Warum lässt sich da nichts dagegen machen? Auch der Alkoholkonsum bei Jugendlichen ist insgesamt rückläufig. Es wurde in dieser Altersgruppe insgesamt noch nie so wenig Alkohol getrunken wie in den letzten Jahren. Aber es gibt eine kleine Gruppe, die extrem viel trinkt. Dagegen haben wir auch noch keinen wirksamen Präventionsansatz gefunden. Zumindest bei den Kindern bis 14 Jahren, die eigentlich überhaupt noch keinen Alkohol trinken dürfen, sinken die Einlieferungszahlen in Kliniken infolge von Alkoholvergiftungen. Das kann das Problem aber nicht beschönigen. Nein, denn bei den Jugendlichen bis 18 Jahren haben wir leider noch einen Anstieg, der aber nicht mehr so groß ist wie in den vergangenen Jahren. Die Maßnahmen, die wir eingeleitet haben, greifen langsam. Wie sehen die konkret aus? Jugendliche, die mit einer Alkoholvergiftung in die Klinik eingeliefert werden, bekommen sofort Besuch vom Suchtberater. Der spricht mit ihnen und den Eltern und soll dazu beitragen, dass die Sache einmalig bleibt. Auch die Präventionskampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung „Kenn dein Limit" klärt Jugendliche über die Gefahren des Alkoholkonsums auf. Gibt es bei diesem traurigen Phänomen noch regionale Unterschiede? Der riskante Alkoholkonsum bei Jugendlichen ist weder ein Schichten- noch ein regionales Problem. Übergreifend ist auch die Gefahr, dass das Internet zur Sucht wird. Wo können da Barrieren eingezogen werden? Hier müssen wir in erster Linie Medienkompetenz vermitteln. Das Internet ist eine tolle Möglichkeit, die aber auch Gefahren birgt. Diese müssen entsprechend vermittelt werden. Sowohl Jugendliche als auch ihre Eltern und Lehrer müssen lernen, mit dem Internet verantwortungsvoll umzugehen. In diesem Bereich gibt es vor allem in den Schulen noch Nachholbedarf. Das Unterrichtsfach Medienkunde ist ein guter Anfang. Natürlich sind auch die Eltern dabei gefragt; sie müssen sich dafür interessieren, was ihre Kinder tun.

Interview: Anita Kecke und André Böhmer

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