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Drohnen für alle – aber nach strengen Regeln

Unternehmensgründer heben mit Geschäftsidee ab Drohnen für alle – aber nach strengen Regeln

An Flugroboter über unseren Köpfen für alle möglichen und unmöglichen Zwecke werden wir uns in den kommenden Jahren zu gewöhnen haben. In Leipzig tüfteln Software-Entwickler daran, dass solche Flüge möglichst legal und effizient erfolgen. Denn die in der Luft gesammelten Daten könnten auch für wirtschaftliche Schübe sorgen.

Drohnen für alle: die unbemannten Flugobjekte kreisen zunehmen über unseren Köpfen. Doch es gibt strenge Regeln zu beachten.

Quelle: dpa

Leipzig. Im emsigen Bienenstaat sind sie die Faulsten, in militärischen Diensten verbreiten sie Angst und Schrecken. Amateurfilmer drehen damit mehr oder minder langatmige Videos. Dabei können Drohnen viel mehr. Die fliegenden Roboter liefern vielleicht schon bald Pakete aus, bringen Arzneimittel in entlegene Gebiete oder suchen mit Infrarotkameras nach Vermissten.

„Die Branche ist am Start“, sagt Andreas Dunsch. „Durch unbemannte Luftfahrtsysteme werden ganze Wirtschaftsräume in die dritte Dimension erweitert.“ Als Beispiele nennt der Chef der hoch spezialisierten Software-Schmiede FlyNex Inspektionen für mehr Effektivität in der Land- und Forstwirtschaft, in Industriebetrieben, auf Baustellen oder in der Energiewirtschaft. Bundesweit an die 6000 Firmen nutzen die abgehobene Technik bereits. Und es geht weiter: Bis zu 120 Milliarden Euro Marktvolumen sagt eine aktuelle Studie der Branche bis 2020 voraus.

Den Vogel fliegen zu lassen, sei „ein Kinderspiel“, sagt der 34-jährige Existenzgründer Dunsch, und unzählige Hobbyflieger geben ihm Recht. „Aber Regeln und Sicherheitsaspekte einzuhalten und die gewonnenen Daten auch wirtschaftlich sinnvoll nutzen zu können, ist wesentlich schwieriger“, betont der Ex-Fallschirmjäger der Bundeswehr, der Flugroboter schon bei der Truppe zur Aufklärung einsetzte. „Bei aller technischen Finesse ist die Drohne nur ein Werkzeug. Genau wie bei einem Hammer kommt es auf die richtige Anwendung an.“ An dieser Stelle komme seine Firma ins Spiel: „Wir bieten automatisierte Software für Privatanwender und Unternehmen, um Technologien effizient einsetzen zu können.“

Drohnen in beliebigen Preislagen kann jeder kaufen, aber kaum einer kennt die strengen Vorschriften. Begrenzte Flughöhen dürften Hobbyfliegern noch einleuchten. Doch auch am Boden sind viele Gegenden für Drohnenüberflüge tabu. Seit einigen Wochen ist eine neue Drohnenverordnung in Kraft. Die von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CDU) ausgegebene Leitlinie schreibt vor, dass Drohnen mit Namen und Adresse des Eigentümers gekennzeichnet sein müssen. Flugverbote gelten über sensiblen Bereichen, etwa Behörden, Industrieanlagen, Autobahnen und Bundesstraßen, Einsatzorten von Polizei und Rettungskräften sowie Menschenansammlungen. Über Wohngrundstücken dürfen keinerlei Drohnen surren, die schwerer als 250 Gramm sind oder optische, akustische oder Funksignale übertragen – also faktisch gar keine. Nur wenn der Grundstückseigentümer zustimmt, darf die Drohne in die Luft gehen.

Eine Regulierung des unbemannten Flugverkehrs hält Dunsch für sinnvoll. „Leider ist die neue Leitlinie aber unvollständig und inkonsistent.“ Als Beispiel nennt er Krankenhäuser: „Wie soll ein eiliges Medikament oder ein Organtransplantat dort hinkommen, wenn ringsum ein Sicherheitsabstand von 100 Metern für Drohnen gilt – ohne jede Ausnahme!?“ Falls die Neuregelung zu einer Marktöffnung führen sollte, dann sei das „Ziel leider verfehlt“.

In einer abgespeckten Variante ihres Drohnenprogramms bietet FlyNex Gratisinfos für jedermann, wo wer fliegen darf und unter welchen Bedingungen. Wer mit seinem Gerät da oben den Rebellen spielen will, kann rasch geerdet werden. „Schwere Regelverstöße sind Eingriffe in den Luftverkehr und werden als Straftat geahndet“, betont Dunsch. Ganz zu schweigen davon, dass die gewichtigen Brocken bei einem Absturz wenig Freude auslösen dürften.

Zusammengefunden haben sich der aus dem sächsischen Zschopau stammende Ex-Offizier, der auch Betriebswirtschaft und Geschichte studiert hat, und seine drei Mitstreiter Christian Caballero, Michael Petrosjan und Holger Dirksen vor zwei Jahren in Hamburg. Seit Anfang Mai arbeiten die vier von Leipzig aus, wo sie im SpinLab der Handelshochschule Leipzig sechs Monate lang „super Arbeitsbedingungen“ finden, wie der Chef sagt, „um unsere Vision von einer Management-Software für Drohnennutzung zu verwirklichen“. Auf einer Etage der früheren Baumwollspinnerei in Neu-Lindenau fördert ein kostenfreies Unterstützungsprogramm technologieorientierte Startups. „Wir wollen spannende Gründungsideen für Leipzig begeistern und möglichst in Leipzig halten“, erklärt SpinLab-Leiter Eric Weber. Die bei einem Aufnahmetest auserkorenen Teams erhalten ein halbes Jahr lang Zugang zu verschiedenen Technologien, Trainern, Investoren und etablierten Unternehmen.

Für die Schönheiten der Stadt an der Pleiße habe er bislang wenig Zeit gehabt, gibt Dunsch zu. „Wir hatten bisher in Leipzig volles Programm. Aber dass es viel Grün mitten in der Großstadt gibt, fällt schon mal angenehm auf.“ Zum Glück betrachte er seine Arbeit nicht als Last, sondern gehe mit Lust ans Werk.

Denn die Zukunftsaussichten reichen noch weiter. Wer noch vor einigen Jahren von Lufttaxis träumte, mit denen man ohne Piloten über verstopfte Straßen oder unwegsames Gelände hinweg düst, wurde unlängst wahrscheinlich als hoffnungsloser Spinner abgetan. „Fliegende Autos sind keine Utopie mehr“, hält Dunsch dagegen. „Solche Multicopter werden schon in der Praxis getestet ...“

Von Winfried Mahr

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